Inhalt

Die Logik der Vorfertigung

Eine Systemübersicht

Erschienen in
Zuschnitt 50: Konfektionen in Holz
Juni 2013, Seite 12f.

Holzskelettbau

Der Skelettbau in seinen frühen Ausprägungen, dem Pfahlbau und dem Fachwerkbau, wird seit Jahrhunderten in Ost- und Mitteleuropa, aber auch in England, Norddeutschland, Dänemark und Holland ­ausgeführt. Den Skelettbau mit seinem charakteristischen Merkmal, der in einem Großraster eingebetteten, stabförmigen Tragkonstruktion, unter Verwendung von nicht tragenden, raumabschließenden Elementen, kennt man in seiner ­historischen Form als Fachwerkbau und in seiner neueren Form als ingenieurmäßigen Skelettbau. Die Lastabtragung erfolgt konzentriert an wenigen Stützen. Die Gebäudeaussteifung ist entweder durch entsprechende Diago­na­len oder durch die nicht tragenden, raum­abschließenden Bauteile ­gewährleistet.

Grad der Vorfertigung

Die Fertigungstiefe im Skelettbau reicht von der reinen Baustellenfertigung (Fachwerkbau) bis hin zum werkseitigen Abbund der Tragstruktur und zur Vorfertigung der einzelnen Wand- und Decken­elemente.

Holzrahmenbau

Einhergehend mit der Industrialisierung, wurde Ende des 19. Jahrhunderts in Nord­amerika die Rahmenbauweise in den ­Konstruktionsarten »balloon frame« und »platform frame« entwickelt. Während der 1920er und 1930er Jahre wurden, nach Vor­bild der amerikanischen Konstruktions­systeme, auch in Europa die ersten Rahmenbauten verwirklicht. Mit der Entwicklung von Holzwerkstoffen (z.B. Spanplatten) setzte sich die Rahmenbauweise endgültig als die bis heute vorherrschende Bauweise im Holzbau bei uns durch. Das Grundprinzip der Konstruktion setzt sich aus einem Holzrahmen und einer ­­ent­sprechenden Beplankung zusammen. Die Aussteifung der Tragkonstruktion wird durch die aufgebrachte Beplankung erreicht. ­Die schlanken, hohen ­Rahmen­querschnitte erfordern einen engen Stützen­abstand, die Hohlräume werden mit Dämm­stoff gefüllt. In der Regel wird der Holzrahmenbau geschossweise errichtet.

Grad der Vorfertigung

Innerhalb der Rahmenbauweise unterschei­den sich die Rippenbauweise, Tafel­bau­weise und Raum­zellenbauweise im ­wesent­lichen durch den jeweiligen Vorfertigungs­grad, der von der Baustellenfertigung bis zur fertiggestellten Raumzelle inklusive ­Fassade und Innenbeplankung ­sowie sämtli­cher Wasser- und Elektroinstallatio­nen ­reichen kann. ­Üblicherweise werden im Holzrah­menbau die höchsten Vorfer­ti­gungs­grade ­erzielt.

Holzmassivbau (BSP)

Die ursprünglichste Form der Holzmassivbauweise ist der Blockbau, welcher durch stabförmige, meist liegende Holzbohlen gekennzeichnet ist. Diese Bauart hat die ­Entwicklung der frühen ­­europäischen Holzarchitektur stark beeinflusst und ist weit verbreitet. Die moderne Form der Holzmassivbau­weise ist durch großformatige, tafelförmige Vollholz­elemente, meist Brett­stapel- oder Brett­sperr­holz­ele­mente gekennzeichnet. Das Kennzeichen der Holzmassivbauweise ist die Lastabtragung über einen ­massiven, groß­formatigen Holzbauteil und die klare Trennung der Dämm­ebene von der Tragstruktur.

Grad der Vorfertigung

Die plattenförmigen Bau­elemente werden ausschließlich werkseitig gefertigt, sind mit entsprechenden ­Anschlussdetails ausgestattet, werden an die Baustelle geliefert und vor Ort versetzt. Die Fassade, Fenster und Installationen werden meist vor Ort ausgeführt.

 

 

Quelle

Einführung von Peter Schober
proHolz Information
Mehrgeschossiger Holzbau in Österreich
Holzskelett- und Holzmassivbau
Wien, 2002, Euro 35,–

Ort der Fertigung

Mit dem Grad der Vorfertigung verlagert sich die Arbeit von der Baustelle ins Werk, die Rolle des Holzbauers verändert sich im Fertigungsprozess eklatant.

Systeme Skelettbau/trad. Holzbau   Holzrahmenbau Holzmassivbau (BSP)
Im Produktionswerk/in der Sägerei Herstellen der Balken, Bretter, Platten Herstellen der Balken, Platten Herstellen und Konfektionieren der Platten
Beim Holzbauer Abbinden der Balken Abbinden der Balken   
Zuschneiden der Platten
Zusammenbau zu Elementen
 
Auf der Baustelle Zusammenbau der Einzelteile Montage der Elemente Zusammenbau der Platten

Anwendungsbereiche

Die Systeme bilden entweder ein Gesamtsystem oder werden miteinander ­kombiniert, zum Beispiel wenn Decken in Massivbauweise und Wände in Rahmenbauweise ausgeführt werden. Beim Skelettbau wird das stabförmige Tragwerk immer durch weitere Bauteile ausgefacht.

Systeme Skelettbau/trad. Holzbau Holzrahmenbau Holzmassivbau (BSP)
Decken/Dächer  
Tragende Wände  
Nicht tragende Wände    
Wandartige Träger (Scheiben)    
Stabförmige Tragwerke (•)  

Alle Holzbausysteme können mit einem hohen und einem niedrigen Vorfertigungsgrad hergestellt werden. Je kleiner die Holzbaubetriebe sind, desto mehr Arbeit leisten sie auf der Baustelle. Aber natürlich gibt es auch hier Ausnahmen.

Systeme Skelettbau/trad. Holzbau Holzrahmenbau Holzmassivbau (BSP) Anzahl der Betriebe in Österreich
Zimmereibetriebe • (Montage)  1.860
Fertighaushersteller (Verband)     22
Brettsperrholzproduzenten (industriell)     6

Bauaufgabe

2011 wurde die statistische Erhebung des Holzbauanteils in Österreich publiziert. Aus dieser lässt sich herauslesen, welchen Anteil der Baustoff Holz beim Bau von Wohnhäusern, Einfamilienhäusern oder öffentlichen Bauten hat. Es geht aber auch daraus hervor, in welcher Konstruktionsart diese Gebäude errichtet wurden. Der überwiegende Teil aller im Jahr 2008 in Österreich errichteten Holzgebäude wurde werkseitig vorgefertigt und anschließend auf der Baustelle zusammengefügt.

Systeme (in %) Skelettbau Blockbau Holzrahmenbau Holzmassivbau (BSP)
Einfamilienhäuser 1 10 84 4
Mehrfamilienhäuser 0 1 94 5
Um- und Zubauten (z. B. Carports)  62 10 26 2
Öffentliche Bauten 37 3 55 5
Gewerbe- und Industriebauten 16 6 73 5
Landwirtschaftl. Zweckbauten 26 3 70 1

Von rund 16.000 Einfamilienhäusern, die 2012 errichtet wurden, waren 31 Prozent Fertighäuser.