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Editorial

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 50: Konfektionen in Holz
Juni 2013, Seite 3

Ohne Vorfertigung wäre der moderne Holzbau nicht denkbar. Sicher hat der Zimmermann schon immer seine Balken und Bretter im Werk abgebunden und diese so weit wie möglich für den Zusammenbau auf der Baustelle vorbereitet. Doch heute werden komplette Wand- und Deckenelemente im Werk vorgefertigt, auf die Baustelle transportiert und dort in wenigen Tagen zusammengesetzt. Dass dies mög­lich ist, hat auch mit den heutigen Transport- und Hebemöglichkeiten sowie der CAD-unterstützten Fer­tigung zu tun. In der Vorfertigung und den damit ver­bundenen Möglichkeiten liegt eine enorme Trieb­feder für die zukünftige Entwicklung des Holzbaus.

Vorfertigung heißt, dass Arbeiten nicht auf der Bau­stelle, sondern in der Werkstatt stattfinden, wo diese witterungsunabhängig und unter gleichbleibenden Bedingungen effizient ausgeführt werden können. Dies bedingt einen intensiveren Planungsprozess, dafür aber ist die Bauzeit wesentlich kürzer. Für diesen Zuschnitt haben wir Projekte mit vor­gefertigten flächigen Elementen sowie Raumzellen ausgewählt. Wir lassen dabei die stabförmigen Trag­werke außen vor – wohl wissend, dass auch hier ­beeindruckende Konstruktionen aus Holz vorgefertigt und in kürzester Zeit vor Ort zusammengesetzt werden. Doch muss der Ingenieurholzbau wie der klassische Zimmermannsbau immer vor Ort mit ­flächigen Elementen verkleidet werden. Dem­gegen­­über erlaubt die Fertigung von flächigen und zugleich tragenden Elementen bis hin zu Raumzellen einen extrem hohen Grad an Präfabrikation.

Das Prinzip der Vorfertigung hat sich im Einfamilien­hausbereich längst etabliert. Knapp ein Drittel aller 2012 errichteten Einfamilienhäuser in Österreich ­waren Fertighäuser. Zwar haben die Mitglieder des Österreichischen Fertighausverbandes im Vorjahr einen Rückgang von 4,5 Prozent im Einfamilienhausbereich verzeichnet, dafür hat die Nachfrage nach großvolumigen Wohnge­bäuden aus Holz zugenommen. Doch nur wenige Betriebe haben die ­Kapazitäten für eine großvolumige Vorfertigung. Der Sprung zum mehrgeschossigen Bauen verspricht Wachstum. Damit alle von diesen neuen Marktchancen profitieren, müssen Zimmereien und Industriebetriebe verstärkt Hand in Hand arbeiten. »Bauen mit Holz bietet durch die Mög­lich­keiten der umfassenden Vorfertigung eine Alter­native zu herkömmlichen Bauprozessen«, schreibt Hermann Kaufmann im einleitenden Essay. »Zur Umsetzung sind aber entsprechende Voraussetzun­gen in der Struktur der Holzbaubetriebe notwendig, die sich langsam zu entwickeln scheinen.« Auch ­Architekt Simon Speigner erwartet hier Verände­run­gen: »Leider gibt es nur wenige Holzbau- und Zimmerei­betriebe, die sich über Großprojekte ­‚drübertrauen‘«, sagt er. »Dies wird sich aber in Zukunft ändern.«

Produktionsstätten und Transportwege

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at