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In dreifacher Ausführung

Bürogebäude für ­Österreich, Rumänien und Deutschland

Esther Pirchner
Erschienen in
Zuschnitt 50: Konfektionen in Holz
Juni 2013, Seite 18f.

Ein Tiroler Holzwerkstoffhersteller betreibt Produktionsstätten in ganz Europa und wünschte sich dafür ein an verschiedene Standorte anzupassendes Verwaltungsgebäude, das vorwiegend aus ­eigenen Werkstoffen hergestellt werden sollte. Das erste Projekt wurde in Radauti, Rumänien, umgesetzt, und damit dort auf der Bau­stelle nur mehr so wenige Arbeitsschritte wie möglich durch­­ge­führt werden mussten, entschied sich der Bauherr für einen ­hohen Vor­fertigungsgrad. Einen geladenen Wettbewerb für das Verwaltungsgebäude entschied Architekt Bruno Moser 2009 für sich, in den Folgejahren entstanden nach seinem Konzept auch die Verwaltungsgebäude in Unterradlberg, Niederösterreich, und in Brilon, Deutschland. Moser orientierte sich bei seinem Entwurf an den Maßen der OSB-Platten von 2,80 mal 11,50 Metern. Auf dieser Grundlage erstellte er einen horizontalen und vertikalen Raster für ein modulares ­Gebäude: Die Räume sind 2,80 Meter hoch, die Wand- und Deckenscheiben jeweils 11,50 Meter breit. Wandelemente wurden einmal auf der einen, einmal auf der anderen Seite verglast, sodass eine wechselnde Belichtung erfolgt und der Raster auch außen sichtbar ist. Der Vorgabe des Bauherrn entsprechend, wurden die Wand- und Deckenelemente fast gänzlich in Tirol vorgefertigt und auf den Baustellen nur mehr montiert.

Planung

Das bedeutete für Architekt Moser und den Holzbaubetrieb Saurer, der als Generalunternehmer alle Arbeiten mit Ausnahme von Elektro- und Sanitärinstallationen sowie der Bauleitung vor Ort koordinierte und durchführte, im Vorfeld eine sehr ­detaillierte Planung. Aus dem Architektenplan, erzählt Zimmermeister Klaus Lorenz, der die Projekte bei Saurer betreute, habe sich schon ungewöhnlich viel herauslesen lassen, das später ­genauso umgesetzt werden konnte. Die Decken sind vorgefertigte Kastenträger, die beidseitig mit OSB beplankt wurden, die Wände, eine Holzrahmenkonstruktion, sind ebenfalls ­innenseitig mit einer OSB-Beplankung ausgeführt. In die Fertigungspläne mussten alle Angaben für Haus- und Elektrotechnik eingearbeitet werden, da die geschosshohen Wand- und Deckenelemente mit allen Licht- und sonstigen Ausschnitten sowie mit Lüftung, Kühlung, Heizung und Leerschläuchen schon im Werk produziert und fest verschlossen wurden. Laut Bruno Moser war das oft nur im letzten Moment möglich, weil »Elektriker oder Installateure gewohnt sind, auf den Bau zu gehen, da eine Steckdose zu montieren und dort ein Kabel einzuziehen«.

Vorfertigung

Der weitere Plan sah vor, zuerst alle Wand- und dann alle Deckenelemente für eine Moduleinheit mit rund 160 m2 Grundfläche zu produzieren, diese Teile per Lkw auf die Baustelle zu schaffen und dort – jeweils zeitversetzt um eine Woche – zusammen­zufügen. Schwierig war in diesem ­Zusammenhang zunächst, mit den großen Materialmengen umzugehen, die verbaut wurden. Denn um die sichtbar belassenen Oberflächen der OSB-Platten zu schonen, sollten die einzelnen Elemente für eine Zwischenlagerung »nicht zu viel hin- und ­hergepackt werden«, so Bruno Moser. Dazu kam, dass die Produktion der Deckenelemente für das Bürogebäude in Unterradlberg sehr zeitaufwendig war, weil die Lüftung nicht wie in Radauti in jedem Modul, sondern zentral eingebaut wurde.

Montage und Fertigstellung

Für das Verwaltungsgebäude in Niederösterreich mussten 38 Lkw-Ladungen vom Werk in Höfen zur Baustelle nach Unterradlberg geschafft werden, für das Gebäude in Radauti ­waren es sogar 85. Eine Woche wurde jeweils im Schichtbetrieb produziert, drei Tage waren für den Transport nach Rumänien, einer nach Niederösterreich vorgesehen. Mitunter blieb das perfekte ­Timing aber Theorie, da die Lkws vor allem in Rumänien nicht in derselben Reihenfolge eintrafen, wie sie beladen worden waren. Auch standen manchmal nicht rechtzeitig genügend Elemente für eine weitere Verarbeitung auf der Baustelle bereit. Im Allgemeinen aber lohnte sich die genaue Taktung, sodass das Verwaltungs-, Technik- und Laborgebäude in Unterradlberg inner­halb von rund zwei Monaten vorgefertigt und montiert werden konnte. Und obwohl die Grundstruktur und Entstehung der Gebäude sehr technisch scheinen, ver­fügen sie, wie Bruno Moser erklärt, »sogar über eine gewisse Poesie«.

Fotos:

© Christian Flatscher, Fritz Egger GmbH

Bürogebäude für ­Österreich, Rumänien und Deutschland

Standort

Tiroler Straße 16, Unterradlberg/A; Weitere Standorte in Radauti/RU und Brilon/D

Bauherr

Fritz Egger GmbH & Co OG, St. Johann in Tirol/A, www.egger.com

Planung

Arch. DI Bruno Moser Architekturwerkstatt, Breitenbach am Inn/A, www.archimos.at

Holzbau

Holzbau Saurer GesmbH & Co KG, Höfen/A, www.holzbau-saurer.com

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