Inhalt

Holzwissen – kompakt und zum Anfassen

Die Xylotheken des Candid Huber

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 51: Der Wald
September 2013, Seite 28

Das Stift Lilienfeld besitzt eine Xylothek aus dem 18. Jahrhundert. X´ylon ist das griechische Wort für Holz und thék¯e für Aufbewahrung. Die Idee, das Wissen über die heimischen Holzarten zu sammeln, anschaulich darzustellen und in Form von Holzbibliotheken zu verbreiten, kam im 18. Jahrhundert auf. 129 Bände umfasst die Xylothek von Lilienfeld. Jedes Kästchen repräsentiert eine Baumart: Buchdeckel und Buchrücken sind aus dem jeweiligen Holz gefertigt. Im Inneren findet man getrocknete Zweige mit Blüten und Blättern sowie die Frucht, die Keimpflanze mit ihren Wurzeln und fallweise ein Stück Holzkohle sowie Schadinsekten. Der Buchrücken wurde aus einem längs geteilten Ast gefertigt, in den ein rechteckiges Fach für den Samen ausgestemmt wurde. Außen ist die Rinde des jeweiligen Baumes zu sehen – bedeckt mit Flechten, Moosen oder Harz, so wie es in der Natur auch vorkommt. Lederscharniere halten die Holzbücher zusammen.

Angefertigt hat diese Bücher Candid Huber, ein Benediktinermönch und späterer Pfarrer zu Ebersberg in Bayern. Er produzierte diese Xylotheken serienmäßig – etwa hundert bis 150 Bände hatte eine jede Bibliothek. Der Aufwand war natürlich enorm und sehr kostspielig – überliefert ist, dass Huber im Jahr 1793 allein 21 Xylotheken anfertigte. Käufer waren vor allem Adlige sowie Klöster und Stifte mit größerem Waldbesitz. Candid Huber wollte – ganz im Geiste der Aufklärung – damit der »fehlenden Kenntniss über unsere einheimischen Holzarten« abhelfen. 1788, also 75 Jahre, nachdem Hans Carl von Carlowitz seine »Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht« verfasst hatte, war der Waldzustand in Bayern noch immer schlecht und es herrschte Holzmangel. Mit den Holzbibliotheken wollte Huber den intensiven Anbau heimischer Holzarten anregen.

Ein paar Jahre vor Huber hatte Carl Schildbach in Kassel begonnen, eine Holzbibliothek anzulegen, die heute als die umfangreichste und detailreichste gilt. Man nimmt an, dass sie auch für Candid Huber ein wichtiges Vorbild war. Dieser unterteilte die Bäume aber nicht wie Schildbach in Gattungen, sondern in sieben Höhen- und Nutzklassen. Diese hierarchische Ordnung spiegelte sich auch in der gestaffelten Größe seiner Holzbücher wider. Sieben Größen gibt es, wobei das größte Format dem wertvollsten, dem Bauholz, gewidmet ist, das kleinste Format war »rankenden Sträuchern und kriechendem Erdholz« vorbehalten.

Foto:

© Harald Schmid

Xylotheken in Österreich

Stift Lilienfeld
www.stift-lilienfeld.at

Joanneum Graz
www.museum-joanneum.at

Biologiezentrum des Oberösterreichischen Landesmuseums
www.landesmuseum.at

Botanisches Kabinett der Sternwarte Kremsmünster
www.specula.at

weitere Infos
Schildbachsche Xylothek
www.naturkundemuseum-kassel.de

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at