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In Zukunft Wald

Aktuelle Forschungsvorhaben in Österreich

Vladimir Camba und Christian Lackner
Erschienen in
Zuschnitt 51: Der Wald
September 2013, Seite 29

Bedingt durch die Besonderheiten der Besitzstruktur des österreichischen Waldes mit einem sehr hohen Anteil an Kleinwaldbesitzern und die langfristigen Produktionszeiträume in der Forstwirtschaft mit der daraus resultierenden Langfristigkeit und Kostspieligkeit der meisten forstlichen Forschungsprojekte gibt es in Österreich nahezu keine forschungsfähigen Betriebe beziehungsweise keine private Forschungsfinanzierung. Diese Situation mit einer fast gänzlichen Finanzierung der forstlichen Forschung durch die öffentliche Hand ist auch im Zusammenhang mit den enorm wichtigen Sozialleistungen, die der österreichische Wald in landeskultureller Sicht für die Allgemeinheit erbringt, zu sehen. Die Forschungsanliegen des Lebensministeriums werden im Wesentlichen im Rahmen der jährlichen Forschungsprogramme des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) erledigt.

Institutionen, die in Österreich in der Waldforschung tätig sind

Weitere Informationen

Literatur

Lebensministerium: Überblick über die forstliche
Auftragsforschung 2012, Wien 2012.

Die aktuellen Forschungsvorhaben im Bereich des Forstwesens in Österreich sind vielfältig. Das bfw forscht derzeit vor allem zu folgenden Schwerpunktthemen:

Klimawandel

Im Zuge eines Klimawandels werden sich die durchschnittlichen Temperaturen erhöhen und die Niederschlagsverhältnisse ändern. Laut den Prognosen werden bis 2020 das Weinviertel, das nördliche Burgenland und die Südoststeiermark sowie die waldfreien Hochlagen als schwierig für die Fichte erachtet, ebenso Teile des Mühl- und Waldviertels. Im Projekt manfred, einem Interreg-Projekt im Alpenraumprogramm, wurden neue Verbreitungskarten für die wichtigsten Baumarten erstellt. Die waldbauliche Behandlung entscheidet darüber, ob der Wald in Zukunft die vielen Ökosystemleistungen erbringen kann oder nicht. Insbesondere Herkünfte aus anderen Teilen des Verbreitungsgebietes unserer Baumarten sollten verstärkt berücksichtigt werden. Der nächste Schritt ist die Bereitstellung von entsprechendem Saatgut.

Schutz vor Naturgefahren und Schutzwaldbewirtschaftung

Neue Wege geht das BFW im Bereich Naturgefahren: Unbemannte Luftfahrzeuge (Drohnen, UAV) werden verstärkt als kostengünstige und flexible Methode zur Gewinnung von Fernerkundungsdaten eingesetzt. Im Rahmen des Interreg-Projektes NewFOR werden am BFW verschiedene UAV-Systeme hinsichtlich ihrer Anwendung für den alpinen Raum getestet. Zunächst sollen damit vor allem Luftbilder aufgenommen werden, mit deren Hilfe Käfernester oder andere Schadbilder, die besonders im steilen Bergwald vom Boden aus nur schwer zu erheben sind, geortet werden sollen.

Ökosystem Wald

Im Rahmen von Life+/EnvEurope werden die Auswirkungen langfristig wirksamer ökologischer Prozesse anhand von Langzeitdatenreihen untersucht. 
In mehreren BFW-Projekten werden Treibhausgasbilanzen für den Wald und den Waldboden erstellt, anhand derer man abschätzen kann, wie das Ökosystem Wald auf Klima- und Landnutzungsänderungen reagiert. Andere Institutionen forschen in den Bereichen naturnahe Waldwirtschaft, Naturwaldforschung und Gentechnik (z. B. Fichtengenetik am AIT) sowie Sozioökonomie der Forstwirtschaft. Auch die Schnittstelle Forst/Holz (Holzlogistik) inklusive Nutzung und Bereitstellung der Biomasse aus dem Wald ist Gegenstand aktueller Forschung.

Text:

Vladimir Camba, Mitarbeiter der Sektion Forstwesen am Lebensministerium im Bereich Forstliche Aus- und Weiterbildung und Forschung 
Christian Lackner, Leiter des Fachbereichs Kommunikation und Wissensvermittlung am Bundesforschungszentrum für Wald