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Editorial

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 52: Holz im Sakralbau
Dezember 2013, Seite 3

Die Begriffe Holz und Religion erwecken Assoziationen. Vor dem inneren Auge erscheinen Altäre, Kirchenbänke, Kreuze, Beichtstühle. Einer Bergkapelle aus Holz ist man doch erst kürzlich bei einer Wanderung begegnet. Architekten kommen hier gerne auf die Stabkirchen in Norwegen oder die Holzkirchen in den Karpaten zu sprechen. In anderen Kontinenten verbindet man mit Holz und Religion den Bau von Tempeln oder Schreinen. In einigen Religionen gelten die Bäume an sich schon als heilig.

Warum aber wählen wir für den Zuschnitt ein Thema, das bei uns immer weniger auf Interesse stößt, das als Bauaufgabe bei uns immer seltener nachgefragt wird? Die Antwort ist einfach: weil die Religion Teil unserer Kultur ist und damit auch Teil der Holzbaukultur. Egal, ob wir gläubig sind oder nicht – wir alle sind fasziniert von den sakralen Räumen, die wir für dieses Heft ausgewählt haben. Der Bau von Kirchen und Kapellen ist und bleibt eine interessante Bauaufgabe: Mit Holz kann man wunderbare Raumwirkungen erzielen. Neben der konstruktiven Stärke des Baumaterials zeigt sich gerade im Sakralbau seine atmosphärische Größe und gestalterische Vielfalt: Die Sakralräume können hell oder dunkel sein, klein oder groß, überwältigend vom Raumeindruck oder gemütlich wie ein Wohnzimmer. Alles ist möglich. Beim Bau von Kirchen und Kapellen geht es darum, dass sich das, was sich beim Glauben an einen Gott so schwer in Worte fassen lässt, mithilfe einer Gebäudeerscheinung und inneren Raumwirkung vermittelt.

Eigentlich aber wollen wir sagen, dass wir an den Baustoff Holz glauben. Die Räume, die hier aus Holz geschaffen wurden, können übersetzt auch für andere Kontexte und andere Funktionen genutzt werden. Wie immer hat Holz viele Gesichter.

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at