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Editorial

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 53: Digitaler Holzbau
März 2014, Seite 3

Der Computer ist für den Holzbau längst mehr als nur ein Hilfsmittel, er öffnet die Tür zu einer neuen Welt mit vielen faszinierenden Möglichkeiten. Mit der Technisierung im Holzbau ist es ähnlich wie mit dem Handy. Jedes Kind weiß heute, was das ist. Dabei gibt es das Mobiltelefon noch gar nicht so lange, vor allem nicht in dieser flächendeckenden Verbreitung. Neue Technologien faszinieren die Menschen und werden dann, wenn sie sich als nützlich erwiesen haben, schnell zu einer Selbstverständlichkeit – so, als ob es kein Vorher gegeben hätte. Ähnliches gilt auch für den Holzbau: Man kann sich das Zimmermannshandwerk ohne elektronisch gesteuerte Maschinen gar nicht mehr vorstellen. Und dabei scheinen die Möglichkeiten, die die modernen Entwurfs- und Fertigungsmethoden für den Holzbau bieten, noch lange nicht ausgeschöpft. Wir wollten für diesen Zuschnitt wissen, was hat sich durch die Technologisierung im Holzbau geändert? Was ist der Status quo? Wo geht die Reise hin? Bauwerke wie den Aussichtsturm Pyramidenkogel am Wörthersee hätte man, folgt man dem Argument seines Statikers Markus Lackner, auch früher schon bauen können: »Die nötige handwerkliche Genauigkeit wäre eine – bewältigbare – Herausforderung gewesen, Kosten-, Material- und Zeitaufwand ohne Computer jedoch um ein Vielfaches höher.«

Bei den Gebäuden aus Brettsperrholz sieht das anders aus: Dieses kreuzweise verlegte und flächig miteinander verleimte Material ist ein Kind der Digitalisierung. Ohne die uns heute zur Verfügung stehenden Maschinen könnte man die Platten weder wirtschaftlich herstellen noch bearbeiten, weder hochheben noch transportieren.

Überhaupt hat sich durch die Digitalisierung einiges verändert: Die Holzbranche ist flexibler geworden (es wird just in time produziert), die Abstimmungswege sind kürzer. Schnell ist eine Planänderung via E-Mail verschickt und beim Holzbauer eingearbeitet. Wären da nicht hinderliche Vergaberichtlinien, Vertragsarten oder Unkenntnisse, könnten Holzbauer und Planer von Projektbeginn an Hand in Hand arbeiten.

Die Digitalisierung hat eine neue Ästhetik mit sich gebracht: »Mit der Verbindung von digitalen Planungs- und Fertigungswerkzeugen schien mit einem Mal alles möglich. Man baute die verrücktesten Formen – einzig und allein, weil man es konnte«, schreibt Christoph Schindler im Essay und ruft zur Rückbesinnung auf. Man solle die Eigenschaften des Materials mit den Mitteln der Informationstechnik berücksichtigen. Das pilzförmige Holzdach am Marktplatz von Sevilla – viel gerühmt wegen seiner amorphen Form – ist dafür ein gutes Beispiel. Das Baumaterial Holz wurde gewählt, weil sich aus ihm mit den modernen Fertigungsmethoden am wirtschaftlichsten eine solche freie Form fertigen ließ. Zum Schutz vor der Witterung wurde das Dach dann mit Polyurethan eingepackt, weshalb man hier weder von einem ökologischen Denken noch von einem materialgerechten Einsatz sprechen kann.

Der digitale Holzbau wird sich weiterentwickeln. Das sieht man an den Themenfeldern, mit denen sich die Forscher an den Universitäten beschäftigen. Wichtig ist, dass man über die Errungenschaften durch den Computer nicht die Eigenschaften des Holzes vergisst.

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at