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Nachgefragt

Digitaler Holzbau aus der Sicht von Holzbauexperten

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 53: Digitaler Holzbau
März 2014, Seite 12f.

Welche Chance sehen Sie in der zunehmenden Digitalisierung für den Holzbau?

Alfred Brunnsteiner Tragwerksplaner in Natters/A www.dibral.at
Das Planen mit CAD hat sich schon vollkommen durchgesetzt. Es ist nicht mehr vorstellbar, ohne Computer Aided Design arbeiten zu müssen. Im statischkonstruktiven Bereich werden heute die meisten Gebäude dreidimensional entworfen und berechnet. Der Übergang von cad zu cam, Computer Aided Modelling, funktioniert erst bedingt, da die Schnittstellen noch nicht so ausgereift sind bzw. die Software der Produktionsmaschinen und die der Planer noch nicht ganz zusammenpassen. Darüber hinaus haben die Zimmereibetriebe ihre speziellen Fertigungstechniken. In einigen Jahren wird dies sicher klaglos funktionieren. Durch die Individualität der Ideen wird der Eingriff durch Menschen aber weiterhin nicht erspart bleiben, und das ist auch gut so.

Wolfgang Aigner Holzbau Meiberger, Lofer/A www.holzbau-meiberger.at
Durch die zunehmende Digitalisierung entwickelt sich die Arbeitsvorbereitung/Werkplanung immer mehr zum Herzstück eines Holzbau-Unternehmens, da hier sämtliche Informationen gewerkeübergreifend zusammenfließen. Damit erfolgt einerseits eine Verlagerung der Kapazitäten Richtung Büro, andererseits garantiert die akribisch angelegte Werkplanung kein Improvisieren auf der Baustelle. Sie ist Garant für einen reibungslosen Ablauf und damit verbunden auch für die Generierung höchster Qualität.

Thomas Lechner
Architekt in Altenmarkt/A, www.lparchitektur.at
Da die Digitalisierung im Planungsbereich für mich wichtige Skizzen und Arbeitsmodelle immer mehr ablöst, verbergen sich darin auch sehr viele Gefahren (der Einzug einer Kommerzialisierung und oberflächlichen Projektbearbeitung, ja auch Beurteilung). Im Bereich der konstruktiven Ebene sind die Möglichkeiten dieser Werkzeuge aber dennoch sehr hilfreich und sinnvoll. Nicht nur eine präzise Vorfertigung im Holzbau wird dadurch erst real, es besteht für uns Architekten auch die Möglichkeit einer zusätzlichen »Kontrolle« diverser Schnittstellen/Detailpunkte, in konstruktiver, gestalterischformaler, aber auch technischer Hinsicht. Bei all den Möglichkeiten dieser »Werkzeuge« sollte der Anspruch an die eigene Arbeit aber nicht an den Rand gedrängt werden. Die Architektur »muss« noch von Menschen mit viel Emotion und Herzblut entwickelt werden und nicht von Computern und Programmen generiert!

Stefan Stamm Geschäftsführer von cadwork, Blonay/CH, www.cadwork.com
Die großen Chancen für die Zukunft liegen im Bereich der maschinengesteuerten Vormontage. Damit können die meisten Probleme in der witterungsunabhängigen Halle gelöst werden. Ebenso wird es entsprechende Entwicklungen bei den Verbindungsmitteln geben, die heute noch von Hand und in Zukunft durch Roboter angebracht werden. Die Tendenz zu freien Formen steigt (Rhinocad) und wird von Architekten zunehmend gefordert. Die Positionierung der in alle Richtungen schräg liegenden Elemente wird ohne Roboter nicht mehr möglich sein. In Zukunft wird es 3D-Modelle geben – erstellt mit Building Information Modelling (bim) –, die sämtliche Informationen über ein Projekt von der Planung, der Vorfertigung über den Zusammenbau auf der Baustelle bis zum Rückbau mitführen. Das ermöglicht auch automatische Kranmontagen auf der Baustelle.

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at