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Wertschöpfungskette

Liegenschaftsverwaltung der Diözese Eisenstadt

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 53: Digitaler Holzbau
März 2014, Seite 25

Lois Berger ist Leiter der Liegenschaftsverwaltung der Diözese Eisenstadt. Bevor er beginnt, mir von seiner Arbeit zu erzählen, klappt er erst einmal seinen Laptop auf. Er will mir sein wichtigstes Werkzeug präsentieren: sein Geoinformationssystem (gis). Man sieht auf dem Bildschirm einen Katasterplan vom Burgenland, darüber verteilt wie bunte Krümel rot und grün (hier grau) markierte Flächen, die die zersplitterte Besitzstruktur der Diözese Eisenstadt wiedergeben. 6.000 Grundstücke sind im Eigentum der rund 400 verschiedenen kirchlichen Eigentümer der Diözese, das sind 4.700 Hektar inklusive 1.600 Hektar Wald. Nun klickt Lois Berger auf eine Waldfläche und ruft damit alle zum Grundstück gehörenden Informationen auf: Größe, Pachtverträge, Angaben wie Baumarten, Vorrat, notwendige Pflegemaßnahmen und anderes.

Gemeinsam mit einem gis-Entwickler haben der Forstwirt Lois Berger und seine Mitarbeiter dieses Instrument über viele Jahre hinweg entwickelt und mit Daten gefüllt. Dafür mussten alle Grundstücke erfasst und die dazugehörigen Angaben und Pläne digitalisiert werden. Heute ist das eigene gis die Grundlage ihrer Arbeit. Auch sein Förster Clemens Kugler nutzt es täglich: Bevor er sich mit den Pfarrern und Pfarrgemeinderatsmitgliedern trifft, um notwendige Pflegemaßnahmen im Kirchenwald zu besprechen, ruft er erst einmal am Computer die erforderlichen Informationen und Pläne ab. Die Besitzstruktur ist kompliziert und erfordert viel Kommunikationsarbeit: Ein Teil des Waldbesitzes sind Pfarrpfründen (die hier grau markierten Flächen), der andere Teil steht direkt im Besitz der Pfarrkirchen (rot markierte Flächen), alles wird von der Liegenschaftsverwaltung der Diözese Eisenstadt bewirtschaftet. Der bischöfliche Stuhl selbst verfügt auf zwei Flächen über 440 Hektar Wald und damit auch zugleich über die größte zusammenhängende Waldfläche der Diözese, alle anderen Waldflächen sind zwischen 156 m2 und 170 Hektar groß. »Das Problem war immer, die Unterlagen zu einer bestimmten Fläche in vernünftiger Zeit zu finden«, erklärt Lois Berger. »Durch unser gis hat sich das grundlegend geändert. Es ermöglicht uns, innerhalb kürzester Zeit, also während eines Telefongesprächs, die vorhandenen Unterlagen vor uns zu haben, ohne überhaupt wissen zu müssen, welche Unterlagen existieren.« Wo früher Flächen vernachlässigt und nur bei Geldnot genutzt wurden, können nun waldbauliche Maßnahmen gemeindeübergreifend geplant und der Einsatz von Harvestern wirtschaftlicher gestaltet werden. Die Diözese Eisenstadt hat dafür 2013 den Staatspreis für beispielhafte Waldwirtschaft erhalten.

Was bedeutet Ihnen der Wald?

»Auf mich hat der Wald schon immer große Faszination ausgeübt – von klein auf. Es gibt ja das Sprichwort: ‚Am schönsten hat es die Forstpartie. Weil der Wald wächst auch ohne sie.’ Das stimmt. Er wächst nur nicht so, wie es die Forstwirtschaft gerne hätte. Wir haben ja am liebsten schöne, gerade und astfreie Stämme, die man bestmöglich verkaufen kann. Die Kunst dabei ist, so naturnah und zugleich so wirtschaftlich wie möglich zu produzieren.«
Lois Berger – Leiter der Liegenschaftsverwaltung der Diözese Eisenstadt

Liegenschaftsverwaltung Eisenstadt
www.martinus.at/schoepfung/liegenschaftsverwaltung

Die Pfarre Gaas ist eine der 400 kirchlichen Eigentümer: Kirche Maria Weinberg steht mitten in ihrem 1,5 ha großen Waldbesitz.

Foto:

© Diözese Eisenstadt

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at