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Ferienheim Büttenhardt

Balkendecke, sichtbar

Axel Simon
Erschienen in
Zuschnitt 54: Holzdecken
Juni 2014, Seite 24

Ein Bauernhof in der Ostschweiz: Jugendliche helfen hier bei der Feld-arbeit und Pferdepflege und festigen dabei ihr Sozialverhalten. Auch beim Bau ihres Wohnhauses halfen sie. Ein langer Bohrer entkernte die dünnen Laubholzstämme aus dem eigenen Wald, einem typischen Schweizer Mischwald. So trocknen die Balken schneller und reißen weniger stark. Aus Holz, das bis dahin verfeuert wurde, entstand – quasi als Nebenprodukt – ein Haus.

Anhand einer Holzliste, die nach einer Ausdünnung des Waldes durch den Förster angefertigt wurde, planten die jungen Architekten mit dem zur Verfügung stehenden Holz die Bohlenständerbau-Konstruktion des Gebäudes. Aus der maximalen Bohrlänge ermittelten sie das Achsmaß von 5 Metern, die vorhandenen Holzsorten setzten sie ihren Eigen-schaften entsprechend ein: Eiche für das äußere Rahmenwerk des Ständerbaus, Föhre für die dicken Bohlen der Ausfachung, Buche fürs Innere. Wie der Blockbau ist der Bohlenständerbau ein massiver Holzbau, der jedoch ohne Hinterlüftung und ohne die aufwendigen Anschlussdetails eines Blockbaus bei Fenstern und Türen auskommt. Auch sind die Setzungen viel geringer. Rund 90 Prozent des Hauses bestehen aus dem einheimischen Holz.

Auch die Deckenbalken bestehen aus Buche. Die Anforderungen an Schall- und Brandschutz waren vor allem bei der Decke über dem nur am Wochenende betriebenen Restaurant erhöht. Präzise Berechnungen konnten nicht gemacht werden, da die Konstruktion bisher ohne Vorbild ist. Erfahrungswerte lieferte jedoch der beteiligte Holzbauingenieur Hermann Blumer, der das Bauen mit Laubholz schon seit Jahrzehnten leidenschaftlich unterstützt. Die Anschlussdetails besprach der ausführende Zimmermann mit der Baupolizei.

Der höhere Brandwiderstand des Hartholzes machte den Brandschutz einfacher und ermöglichte sichtbare Balken und dazwischenliegende Schiebeboden aus Buche im Restaurantraum. Dort ergänzen eine relativ schwere Dämmschüttung (Dämmpellets mit 500 kg/m3) und eine Bodenplatte aus Gipsfaser die Trennung zu den darüberliegenden Schlafräumen. Beim Bau gingen die Jugendlichen den Zimmerleuten zur Hand. Auf die Konstruktion hatte das allerdings keinen Einfluss.

Text

Axel Simon
  • geboren 1966 in Düsseldorf
  • Studium der Architektur in Düsseldorf und Berlin sowie Geschichte und Theorie der Architektur in Zürich
  • Arbeit als Architekt in Düsseldorf, Berlin und Freiburg
  • 1999 – 2004 Assistent von Axel Fickert, Peter Märkli und Markus Peter an der ETH Zürich
  • seit 2000 freier Architekturkritiker in der Schweiz und im europäischen Ausland
  • seit 2004 Schweizkorrespondent von A10, New European Architecture
  • Architekturkritiker und Redakteur der Zeitschrift Hochparterre

Ferienheim Büttenhardt

Standort

Ferienheim 47, Büttenhardt/CH, ferienheim-buettenhardt.ch

Bauherr

Beat Mader, Büttenhardt/CH

Planung

bernath+widmer, Zürich/CH, www.bernathwidmer.ch

Statik

Hermann Blumer, création Holz, Herisau/CH, www.creation-holz.ch;
sjb.kempter.fitze AG, Frauenfeld/CH, www.sjb.ch

Holzbau

Brädäx Blockbauzimmerei, Appenzell/CH, www.braedaex.ch;
Bergauer Holzbau GmbH, Büttenhardt/CH, www.bergauerholzbau.ch

Fertigstellung

2010

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