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Planungshinweise für Holzdecken

Martin Teibinger
Erschienen in
Zuschnitt 54: Holzdecken
Juni 2014, Seite 25

Gerade an Trenndecken werden hohe bauphysikalische Anforderungen, vor allem in Bezug auf den Brand- und den Schallschutz gestellt. Hierzu sind neben den Aufbauten vor allem die fachgerechte Ausführung der Anschlussdetails sowie der Verlegung der gebäudetechnischen Installationen zu berücksichtigen. Die ersten drei der nachfolgend angeführten konstruktiven Regeln gelten für alle Bauweisen und können, wenn falsch ausgeführt, den Schallschutz auch bei Stahlbetondecken massiv verschlechtern.

Konstruktive Regeln

Fehlerhafte Verlegung der Estrichfolie vermeiden

Eine fehlerhafte Verlegung der Estrichfolie schafft eine direkte Verbindung zwischen Estrich und Rohdecke. Dabei kann es zu einer Verschlechterung der Trittschalldämmung um bis zu 15 dB kommen.

Rohrleitungen dürfen Rohdecke und Estrich nicht berühren

Durch den Kontakt zwischen Estrich und Rohdecke aufgrund von Rohrleitungen bzw. deren Kreuzungspunkten kann es zu einer Verschlechterung der Trittschalldämmung um bis zu 4 dB kommen.

Durchlaufdecken benötigen entkoppelte Untersichten

Bei Durchlaufdecken in Holzbauweise ist zur Verringerung der Schall-Längsleitung zwischen unterschiedlichen Nutzungseinheiten immer eine entkoppelte Abhängung erforderlich.

Elastische Trennlager bei Massivholzdecken verringern Flankenübertragung

Bei Massivholzdecken sind, in Abhängigkeit von entkoppelten Vorsatzschalen und Deckenabhängungen, elastische Trennlager zur Verringerung der Flankenübertragung zwischen den Wand- und Deckenelementen erforderlich.

Randdämmstreifen bis an die Rohdecke führen

Infolge eines zu früh (vor Verlegung des Bodenbelages) weggeschnittenen Randdämmstreifens kann es zum Auslaufen von Spachtelmasse zwischen Estrich und Wand kommen. Dies kann zu einer Verschlechterung der Trittschalldämmung um bis zu 6 dB führen. Darüber hinaus ist die Verbindung von Wand- und Bodenfliesen durch Fugenmörtel zu verhindern.

Checkliste für Trenndecken

  • Es ist eine Mineralwolle-Trittschalldämmung mit möglichst geringer dynamischer Steifigkeit (s’ ≤ 10 MN/m3) zu verwenden.
  • Bei Trockenestrichen sind höhere dynamische Steifigkeiten (s’ ≥ 20 MN/m3) erforderlich, Details können den geprüften Systemlösungen der Anbieter entnommen werden.
  • Schüttungen sind für eine erhöhte schallschutztechnische Wirksamkeit mit Rohdichten ≥ 1.300 kg/m3 und ungebunden einzubauen.
  • Werden die Massivholzdecken in Sichtqualität ausgeführt, ist die ungebundene Schüttung von 5 auf 10cm zu erhöhen.
  • Polystyrol-Schüttungen sind als trittschallverbessernde Maßnahme im Holzbau nicht geeignet.
  • Abgehängte Untersichten sind zu entkoppeln. Bei Massivholzdecken ist dieser Hohlraum mit einem fasrigen Dämmstoff auszufüllen. Sofern bei Holzbalkendecken an der Unterseite der Holzrahmenkonstruktion eine Sparschalung und keine durchgehende Platte angebracht wird, muss der Hohlraum der entkoppelten Abhängung nicht mit fasrigen Dämmstoffen ausgedämmt werden.
  • Federschienen führen zu tendenziell besserem Schallschutz als Federbügel.
  • Anstelle einer dicken Gipsplatte (z. B. 18 oder 25 mm) sind aus schallschutztechnischen Gründen zwei dünnere Platten vorzuziehen.
  • Trenndecken sind aufgrund der wohnungsweisen Anforderung der OIB-Richtlinie 6 in das Luftdichtheitskonzept einzubeziehen.

Checkliste für Trenndeckenauflager

  • Elastische Lager dürfen nicht mechanisch befestigt werden.
  • Entkoppelte Verbindungsmittel verbessern den Schallschutz.
  • Eine Koppelung zwischen Wand- und Bodenbelag (auch durch Spachtelmassen) ist zu verhindern.
  • Die Luftdichtheit ist zu berücksichtigen. Hierzu sind durchgehende Lager und/oder Klebebänder bzw. Dichtungsbänder einzusetzen.
  • Eine passgenaue Verarbeitung der Brandschutzbekleidungen ist zu gewährleisten.
  • Eine kraftschlüssige Verschraubung der Elemente ist sicherzustellen.
  • Schallbrücken zum Estrich im Bereich von Wänden, Stützen, Installationen, Türzargen und dergleichen sind durch die Anordnung von Randdämmstreifen zu unterbinden.

Der vorliegende Beitrag stellt einen Auszug aus den beiden Planungsbroschüren dar:

Bauen mit Brettsperrholz im Geschoßbau
Fokus Bauphysik
Martin Teibinger, Irmgard Matzinger
HFA-Schriftenreihe 40
Holzforschung Austria (Hg.), Wien 2013

Holzrahmenbau im Geschoßbau
Fokus Bauphysik
Martin Teibinger, Irmgard Matzinger,
Franz Dolezal
HFA-Schriftenreihe 47
Holzforschung Austria (Hg.), Wien 2014

 

Online-Plattformen

www.dataholz.com
Katalog bauphysikalisch und ökologisch geprüfter Holzbauteile. Die Kennwerte können als Grundlage für die Nachweisführung gegenüber österreichischen Baubehörden herangezogen werden.

www.infoholz.at
Interaktiver Fragen- und Infoservice

Text

Martin Teibinger
  • geboren 1972 
  • Studium der Holzwirtschaft an der Boku Wien 
  • 2004 Promotion an der TU Wien
  • seit 1996 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Holzforschung Austria, Bereichsleiter Bauphysik
  • Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Salzburg, der TU Wien und der Universität für Bodenkultur

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