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Sanierung

Jugendstilhotel Paxmontana

Beat Lauber
Erschienen in
Zuschnitt 54: Holzdecken
Juni 2014, Seite 26

Das Hotel Paxmontana, seit 1993 ein denkmalpflegerisches Schutzobjekt von nationaler Bedeutung, wurde kürzlich mit einem Kostenaufwand von 26 Mio. chf umgebaut und saniert. Das bisher nur als Sommerhotel genutzte Gebäude wurde auf sämtliche technischen und betrieblichen Anforderungen eines Ganzjahresbetriebs angepasst, ohne dabei die historische Glaubwürdigkeit des Jugendstilhotels zu verlieren. In 18-monatiger Bauzeit wurde das Hotel in der Dreistern-Plus-Kategorie radikal erneuert. Die wichtigsten Infrastrukturen wie auch der Gästebereich wurden erweitert und alle 83 Hotelzimmer mit neuen Bädern komplettiert. Die einmalige sechsgeschossige Holzbauweise erwies sich auch nach fast 120-jähriger Existenz als durchweg anpassungs- und entwicklungsfähig und zeigte im Planungs- wie im Ausführungsprozess ihre wahren Stärken. Die präzisen Tragwerksteile – die alten wie die neuen – und die Trocken- und Montagetechnik erlaubten eine optimale Synthese der Erfordernisse von Architektur, Funktion, Gestaltung, Haustechnik sowie Brand- und Schallschutz. Dank der Tauglichkeit des historischen Holztragwerks konnte die Zimmerstruktur in den vier Obergeschossen mit sämtlichen historischen Gipsdecken und deren vielfältigen Jugendstil-Deckenmalereien bewahrt werden.

Die alten Balken dienen als Unterkonstruktion für die historischen Gipskartondecken, die neuen Balken tragen die Lasten.

Bestandsaufnahme

Die detaillierte Bestandsaufnahme und die Erfahrungen aus dem Umbau der Musterzimmer waren die Grundlage für die sorgfältige Planung des Gesamtumbaus. Es gab keine größeren Überraschungen, und so konnten das Timing und der Ablauf der auszuführenden Arbeiten optimal vorbereitet werden. Das Ausmaß der Eingriffe konnte früh festgelegt und der Umfang der Arbeiten genau abgegrenzt werden, was wesentlich zur Kostensicherheit des Sanierungs- bzw. Renovierungsprojekts beitrug.

Kleinere Überraschungen waren zum Beispiel unerwartete Stahlbauteile in der Ebene der Holzbalkenlage. Aber selbst die vier übereinanderliegenden Bodenbeläge in einigen Zimmern brachten niemanden mehr zum Staunen.

Tragwerk

Die durch die Erweiterung von 1906 entstandene Mehrlast verursachte im unteren Bereich der Tragkonstruktion große Eindrückungen, Risse und Durchbiegungen. Diese Verformungen waren zum Teil auf Schwachstellen im Unter- und Erdgeschoss zurückzuführen sowie auf vorhandene Schwächungen der Bauteilquerschnitte. Die Tragstruktur im unteren Bereich war nicht dafür ausgelegt, die Auf- und Nutzlasten aus den zusätzlichen drei Obergeschossen aufzunehmen. Aus diesem Grund musste die Tragstruktur zur Aufnahme der Vertikallast verstärkt werden.
Weiter musste die Steifigkeit des ganzen Gebäudekomplexes für die Aufnahme der Windkräfte und die Erdbebenbelastungen über alle Geschosse erhöht werden. Dies erfolgte durch Deckenscheiben und durch die Ausbildung von tragenden Querwänden pro Ebene.
Durch den Einbau neuer Balken in den Decken für die Abtragung der Nutzlasten fungieren die bestehenden Balken nun als Unterkonstruktion für die Untersicht. Dadurch konnte die Erhaltung der wertvollen Gipsdecken garantiert und die Steifigkeit der Decken erhöht werden.
Ein spektakuläres Novum war die Holzkonstruktion des neuen Liftschachtes über sechs Geschosse. An diesem Bauwerk zeigt sich, was der Holzbau und gutes Handwerk wert sind und hervorzubringen vermögen – in der Vergangenheit ebenso wie heute.

Schallschutz

Zusätzlich zu den statisch notwendigen Maßnahmen wurden Verstärkungen an mehreren Bauteilen vorgenommen. Die Decke im Speisesaal sowie die Decken in den Zimmern mussten in Bezug auf Gebrauchstauglichkeit und Schallanforderungen ertüchtigt werden. Die Trittschalldämmung wurde durch einen zweischaligen Deckenaufbau gewährleistet, was später durch Schallmessungen bestätigt wurde. Aufgrund der höheren Bodenaufbauten wurde der Einbau neuer Fenster und Türen nötig.

Brandschutz

Gemäß den Richtlinien der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen ist ein Holztragwerk für einen sechsgeschossigen Beherbergungsbetrieb (Hotel) standardmäßig nicht bewilligungsfähig. Deshalb wurde in Absprache mit der Bauherrschaft, der Denkmalpflege und der Brandschutzbehörde ein objektbezogenes Brandschutzkonzept erstellt. Das Gebäude wurde zusätzlich zu den konventionellen Brandschutzmaßnahmen mit einer Sprinklervollschutz- und einer Brandmeldeanlage ausgerüstet.

Werkstoff Holz

Der Werkstoff Holz als nachwachsender Rohstoff hat nicht nur in ökologischer Hinsicht Vorteile gegenüber mineralischen Baustoffen. Auch die heute viel genannten Vorteile eines guten Raumklimas in Holzhäusern beschreiben den Holzbau nicht abschließend. Holz als Konstruktionsmaterial zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Bearbeitung mit einfachen Werkzeugen möglich ist. Ein Holzbau ist nahezu beliebig erweiterbar, die Ausführung der Verbindungen unterschiedet sich nicht, ob sie bei der Errichtung oder erst später beim Umbau realisiert wird. Das duktile Verhalten von Holzbaukonstruktionen nützt auch bei Umbauten. Die Eigenschaft, dass sich ein Bruch im Vorfeld durch Verformungen ankündigt, macht den Holzbau vorhersehbar. So kann vor dem Versagen einzelner Bauteile eingegriffen und die Konstruktion lokal verstärkt werden.

Fotos

© Francesca Giovanelli

Text

Beat Lauber
gelernter Zimmermann, Tragwerksplaner, seit 1997 eigenes Ingenieurbüro für Holzbau & Bauwerkserhalt in Luzern

Sanierung Jugendstilhotel Paxmontana

Standort

Dossen 1, Flüeli-Ranft/CH

Bauherr

Hotel Paxmontana ag, Flüeli-Ranft/CH, www.paxmontana.ch

Planung

Pfister Schiess Tropeano & Partner Architekten, Zürich/CH, www.pstarch.ch

Statik

Lauber Ingenieure für Holzbau & Bauwerkserhalt, Luzern/CH, www.wwwlauber.ch

Holzbau

Holzbau Kayser ag, Stans-Oberdorf/CH, www.kayser.ch; Holzbau Bucher ag, Kerns/CH, www.holzbau-bucher.ch, Josef Rohrer ag, Flüeli-Ranft/CH, www.rohrex.ch

Fertigstellung

Dezember 2011