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Wertschöpfungskette

Die Angst vor dem Borkenkäfer

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 54: Holzdecken
Juni 2014, Seite 29

Mit dem Borkenkäfer ist es so wie mit den Motten im Kleiderschrank. Oft bemerkt man sie zu spät. Denn man muss schon genau hinschauen, um die ersten Anzeichen eines Befalls zu erkennen. Nur 3 mm groß sind die Löcher, die die Käfer in die Baumrinde bohren, um darunterkrabbeln zu können. Unübersehbar hingegen ist der Befall durch Borken-käfer, sobald die Nadeln vergilben und die Rinde aufplatzt. Dann ist es für den Baum aber schon zu spät. Die nächste Generation ist längst geschlüpft, ausgeflogen und hat sich auf anderen Bäumen angesiedelt. 2013 musste in Österreich über 1 Million Kubikmeter Schadholz wegen Borkenkäferbefalls geerntet werden. Das sind etwa 20 Prozent des
Gesamtschadholzanteils.

Für heuer befürchtet man noch Schlimmeres. In einigen Gegenden Österreichs, zum Beispiel in Kärnten, gab es in diesem Winter viel Schnee- und Windbruch. Die abgebrochenen Wipfel stellen ideales Brutmaterial für die Käfer dar. Durch Trockenheit oder Sturm geschwächte Bäume können ohnehin leichter vom Käfer befallen werden. Zudem hat heuer der Frühling sehr früh eingesetzt. Die Käfer beginnen aktiv zu werden, sobald es mehr als drei Tage lang mindestens 17 Grad warm ist. Kommt dann noch einmal eine empfindliche Frostperiode, ist der Käfer nicht mehr durch seine Frostresistenz geschützt. Der Spätfrost schadet nicht nur dem Käfer, sondern auch den Bäumen, die schon ausgetrieben haben. Trotzdem habe man heuer »auf so eine späte Frostperiode nach den warmen Tagen gehofft«, wie Hannes Krehan, Abteilungsleiter des Instituts für Waldschutz und Borkenkäferspezialist beim Bundesforschungszentrum für Wald, sagt. Doch die ist ausgeblieben, die Käfer sind drei Wochen früher als sonst ausgeschwärmt, möglicherweise wird es heuer eine weitere, eine dritte Generation geben. »Wenn man jetzt nicht drauf achtet, potenziert sich das Borkenkäfer-Aufkommen bis zum nächsten Jahr«, so Krehan, »und dann ist dem kaum mehr Herr zu werden.« Dann kann der Käfer Wälder großflächig zerstören und beschert den Waldbesitzern hohe wirtschaftliche Verluste. Buchdrucker und Kupferstecher – so heißen die in Österreich am häufigsten vorkommenden Borkenkäferarten – siedeln sich besonders gern auf der Fichte an. Sie bohren sich durch die Rinde und zerstören das für den Baum lebensnotwendige Bastgewebe. In der Folge sterben die Bäume ab.

Wenn man bedenkt, dass jedes Käferpaar innerhalb einer Generation dreißig bis sechzig Nachkommen produzieren kann und dass unter einem Quadratmeter Rinde hundert Brutplätze liegen können, erkennt man, dass sich so eine Käferpopulation explosionsartig vermehren kann. Jeder Waldbesitzer ist deshalb aufgerufen, mit großer Sorgfalt seine Bäume im Wald zu beobachten und Schadholz durch Wind und Schnee aufzubereiten sowie von Borkenkäfern befallene Bäume sofort zu entfernen. Die Forstwirte versuchen, die Borkenkäfer mithilfe von Fangbäumen und so genannten Fangzelten anzulocken und zu vernichten. Auf der Internetseite www.borkenkaefer.at sind die Fangstellen der Landes- bzw. Bezirksforstdienste und der Landwirtschaftskammern genau dokumentiert. Sie geben auch Auskunft darüber, welche Käferart gerade wo ausschwärmt.

Weil seine Gänge wie gedruckt aussehen, wurde der Käfer Buchdrucker getauft. Diese parallelen Gänge schneiden dem Baum die Saftadern ab. Weiter Infos unter: www.borkenkaefer.at

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at