Inhalt

Holzmaß statt Mittelmaß

Mittelschule Doren

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 55: Holz bildet
September 2014, Seite 20f.

Der Schulbau der Mittelschule in Doren stammt aus den frühen 1970er Jahren. Um eine zentrale Halle herum hat Architekt Jakob Albrecht die zweistöckigen Klassentrakte und die Sporthalle gruppiert und die Gebäude geschickt in den ansteigenden Hang integriert. So wie viele Schulen landauf, landab sanierungsbedürftig sind, war es auch diese Schule. Das Architekturbüro Fink Thurnher wurde beauftragt, den Schulbau energetisch zu sanieren. Mit der Landwirtschaftsschule in Altmünster hatten die Vorarlberger Architekten bereits ein Paradebeispiel für Holz im Schulbau geschaffen.

Doch in Doren sollte es nicht bei einer reinen Sanierung bleiben, denn Direktor Arno Eugster wollte die Sanierung auch dafür nutzen, ein neues pädagogisches Schulkonzept räumlich umzusetzen. Dazu hatte er schon sehr genaue Vorstellungen entwickelt. Heute hat jeder Jahrgang seinen eigenen Gebäudeflügel. Zwischen den Klassenräumen liegt die so genannte Lernlandschaft – ein großzügiger Raum mit Computerarbeitsplätzen an den Rändern, der individuell genutzt und möbliert werden kann. Im Schulalltag funktioniert das laut Direktor Eugster so, dass die Schüler in ihren Klassen Inputs bekommen und sich dann in der Klasse oder in der Lernlandschaft einen Arbeitsplatz suchen, um in Einzel- oder Gruppenarbeit die Aufgaben zu lösen. Die Architekten haben den Bestand mit einer hinterlüfteten Holzfassade thermisch saniert und hangaufwärts um eine neue Sporthalle – eine reine Holzkonstruktion – ­erweitert. Mit neuer Raumaufteilung und reduzierter Materialwahl ist es den Architekten gelungen, die räumlichen Qualitäten der alten Hallenschule zu erhalten und um neue haptische und atmosphärische Qualitäten zu ergänzen.

Es gebe weniger Aggressionen unter den Schülern, weil alle mehr Platz hätten, erzählt Direktor Eugster. »Wir fühlen uns sehr wohl. Wir haben überall Holzfußböden, die schaffen eine gute Atmosphäre – eine, die man nicht so einfach schildern kann. Wenn man in den Lernlandschaften steht, nimmt man nicht den typi­schen Schulgeruch wahr, sondern einen angenehmen Geruch«, so Eugster. Auch mir fällt der gute Geruch sofort auf, als ich mitten in den Schulferien, an einem verregneten Julitag, mit dem Bürgermeister von Doren, Guido Flatz, durch die Mittelschule in Doren gehe. Es ist ein angenehmer, nicht aufdringlicher Geruch nach Holz. Nicht nur die Fußböden, auch die Fenster, Türen und Ein­bau­­möbel sind aus sägerauem, unbehandeltem Holz: der Fußboden aus Esche, die Fenster, Türen und die Einbaumöbel aus Weißtanne. Aus Weißtanne sind ­sogar die Tischplatten der Schultische – eine Sonderanfertigung, die gleich dem ganzen Klassenraum eine ­höhere Wertigkeit verleiht. Mit einem unbehandelten Fußboden, einer Rarität im österreichischen Schulbau, hat die Gemeinde Doren schon Erfahrung. Die Architekten Cukrowitz Nachbaur, die vor zehn Jahren hier in Doren die Volkschule errichteten, setzten dabei erstmals einen unversiegelten, lediglich gehobelten Holzfußboden ein. Auch zehn ­Jahrer später war hierfür eine Sondergenehmigung erforderlich, da dies noch immer nicht den Schulbaurichtlinien enstpricht, ­erzählt Guido Flatz. Dabei sei das Reinigen so einfach. Einmal im Jahr werde gewischt, ansonsten täglich gesaugt, erzählt er. Den Schulräumen wie dem Boden sieht man jedenfalls nicht an, dass die Schule nach der Sanierung schon wieder zwei Jahre lang in Betrieb ist.

Die Gemeinde legt Wert darauf, dass die verwendeten Baustoffe aus der eigenen Region stammen und ökologisch sind. »Die ­Gesundheit unserer Kinder steht im Vordergrund«, sagt Bürgermeister Flatz. »Wichtig war uns eine gute Innenraumluftqualität«, ergänzt ­Architekt Markus Thurnher. Deshalb habe man nur unbehandelte Materialien nehmen wollen. 200 Schüler im Alter von zehn bis 14 gehen ab September hier wieder ein und aus. Aber nicht nur die. Die Sanierung der Schule hat sich schon herum­gesprochen. Im Herbst erwartet Flatz wieder einmal eine Bürgermeisterdelegation aus Süddeutschland.

Aus der ehemaligen Turnhalle wurde im Zuge der Sanierung ein Werkraum – mit sägerauem Holz an Boden, Wand und Decke.

»Wichtig war uns eine gute Innenraumluft­qualität, deshalb haben wir nur unbehandelte Materialien ausgewählt.«

Fotos

© Robert Fessler, Roswitha Natter

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at

Mittelschule Doren

Standort

Kirchdorf 200, Doren/A

Bauherr

Standortgemeinde Doren, Doren/A, www.doren.at

Planung

Fink Thurnher Architekten, Bregenz/A, www.fink-thurnher.at

Holzbau

Zimmerei Österle e. U., Doren/A, www.zimmerei-oesterle.at;
oa.sys baut GmbH, Alberschwende/A, www.oa-sys.com

Fertigstellung

2012