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Im Wald

Klangvolles Wachsen

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 56: Holz hören
Dezember 2014, Seite 24

Normalerweise werden Fichten nach 80 bis 120 Jahren gefällt. Der Zuwachs der Fichte ist zwischen dem vierzigsten und dem achtzigsten Lebensjahr am höchsten, danach wächst sie nur mehr gering. Im Laternser Wald aber stehen Fichten, die 200 bis 300 Jahre alt sind, die zur Zeit Maria Theresias oder noch früher aus Naturverjüngung aufgewachsen sind. Die Gemeinde ist sich der besonderen Qualität des Holzes und der Tradition bewusst und hat sich daher gegen ein früheres Schlägern entschieden. Früher hat man in Laterns das Holz an Küblereien verkauft. Heutzutage braucht jedoch kaum jemand mehr Holzgefäße. Vor etwa vierzig Jahren wurden Orgelbauer auf das Holz in Laterns aufmerksam, in der Folge auch Klavier- und Geigenbauer. Sie alle schätzen das Holz aus Laterns, weil es besonders feinjährig und gerade gewachsen ist und sich besonders gut für den Bau von Instrumenten eignet.

Laterns hat 570 ha eigenen Wald, doch nur in etwa einem Fünftel davon wächst derartiges Qualitätsholz. Förster Gerhard Vith begleitet uns in den so genannten Stürcherwald – einen Teil des Gemeindewaldes. Der Wald liegt auf 1.300 bis 1.600 Metern Seehöhe, ist sanft hügelig und in ihm stehen Bäume, die kerzengerade gen Himmel wachsen. Der Wald ist von alten und jungen Bäumen durchmischt, ein wichtiges Kriterium dafür, dass die Bäume im Halbschatten feinastig heranwachsen können, sagt Vith. Weitere Kriterien sind eine naturnahe Waldbewirtschaftung, wenig Wind – und damit wenig Drehwuchs – sowie die so genannten Feuchtgebiete: 
In diesem Wald gibt es etwa ein Dutzend moorige Inseln, die den umliegenden Boden sauer und feucht halten, was dazu führt, dass die Bäume sehr langsam und gleichmäßig wachsen.

Im Ort gibt es auch eine Sägerei, einen Familienbetrieb. Das Sägewerk Nesensohn verarbeitet pro Jahr etwa 1.200 m3 Holz. Bevor aus den Fichtenstämmen Bretter gesägt werden, werden sie halbiert oder geviertelt. Erst während des Sägevorgangs entscheidet der Säger, wofür er das nächste Brett verwenden kann. Er untersucht den Stamm auf Asteinschlüsse, Verfärbungen und Harzgallen und schneidet dann das nächste Brett in der entsprechenden Dicke ab: 16 mm für Resonanzböden, 32mm für Klaviertasten und weitere Dicken für minderwertigere Anwendungen. Jedes Brett wird dann auf den entsprechenden Stapel gelegt. Das ist Handarbeit und weit entfernt von der Automatisierung großer Sägewerke. Bis zu 800 Euro pro Kubikmeter Holz kann der Säger für das besonders hochwertige Holz verlangen. Der Festmeterpreis für normales Fichtenholz liegt derzeit bei ca. 100 Euro.

Manchmal will ein Klangholzhändler seinen Baum selbst im Wald aussuchen. Wird er nicht fündig, gibt es noch die Wertholzsubmission, die auch heuer wieder in der Gemeinde Laterns stattgefunden hat.

Mehr Infos über den Laternser Wald: www.laterns.at

Fotos

© Gassner Redolfi

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at