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Begutachtung von Holzkonstruktionen

Florian Tscherne
Erschienen in
Zuschnitt 57: Altes Holz – neu gedacht
März 2015, Seite 11

Im Zuge der Sanierung von Holzkonstruktionen muss immer der Zustand des Holzes bewertet werden. Einerseits muss überprüft werden, ob Fäulnis- oder Insektenschäden vorliegen, anderseits muss generell die Funktionsfähigkeit der Konstruktion überprüft werden, zum Beispiel hinsichtlich aufgegangener Holzverbindungen. Das Ergebnis einer solchen Schadensbegutachtung dient als Grundlage für statische Berechnungen beziehungsweise für das Sanierungskonzept. Um Holzkonstruktionen auf Schäden durch Pilze oder Insekten zu untersuchen, können verschiedene Methoden angewandt werden. Ist das Holz frei zugänglich, kann ein erfahrener Gutachter die Schäden entweder augenscheinlich oder durch Anbeilen zum Beispiel mit einem Spitzhammer sehr gut in ihrer Art und ihrem Ausmaß bestimmen. Dabei trägt das Gehör wesentlich dazu bei, versteckte Schäden am Bauteil einschätzen zu können. Ein tiefer, dumpfer Ton weist auf einen geschwächten Querschnitt hin. Die direkte Begutachtung wird bei frei liegenden Konstruktionsteilen von Dachstühlen sowie freigelegten Holzdecken angewandt.

Bei verdeckten Bauteilen kann die Bautechnische Endoskopie als zerstörungsfreie Methode eingesetzt werden. Dabei werden die Holzteile angebohrt, anhand des Bohrwiderstandes und des Zustandes der anfallenden Bohrspäne wird auf den Zustand des Holzes geschlossen. Mit dem Endoskop werden zudem nicht von außen zugängliche Holzteile in Hohlräumen wie Trame von Deckenkonstruktionen hinsichtlich Schäden durch Pilze und Insekten inspiziert. Die Bautechnische Endoskopie wird hauptsächlich bei der Untersuchung von Deckenkonstruktionen angewandt, die nicht freigelegt sind, bzw. bei Deckenbalken, die durch einen Wasserschaden durchfeuchtet wurden. Diese Methode kann auch bei bewohnten Objekten ohne besondere Schmutz- oder Lärmbelastung durchgeführt werden. Zusätzlich sollte immer auch die Holzfeuchtigkeit der Konstruktionsteile bestimmt werden, da ab einer Holzfeuchtigkeit von 20 Prozent die Gefahr besteht, dass auch bis dahin nicht geschädigte Holzteile von holzzerstörenden Pilzen befallen werden. Nach einer erfolgten Trocknung von durchfeuchteten Deckenkonstruktionen kann es zielführend sein, die Holzfeuchtigkeit durch einen unabhängigen Gutachter überprüfen zu lassen.

Die Holzforschung Austria untersucht jährlich über hundert Holzkonstruktionen. Den Großteil machen dabei Decken und Dachstühle in Wiener Gründerzeitbauten aus, die im Zuge von Sanierungen und Dachgeschossausbauten hinsichtlich Fäulnis- und Insektenschäden untersucht werden. Bei der Begutachtung werden mit den oben beschriebenen Methoden die Art und das Ausmaß der Schädigungen aufgenommen. Die Ergebnisse werden zusammen mit den notwendigen Sanierungsmaßnahmen in einer gutachtlichen Stellungnahme zusammengefasst.

Info

Holzforschung Austria, www.holzforschung.at

Text

Florian Tscherne
studierte Holzwirtschaft an der BOKU Wien und ist seit 1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Holzforschung Austria und seit 2000 mitverantwortlich für die Bauschadensanalyse von Holzkonstruktionen.