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Für die Öffentlichkeit

Das Bauernhaus wird der Gemeinde übergeben und kann dank unterschiedlicher Nutzungen erhalten und erweitert werden.

Walter Hauser
Erschienen in
Zuschnitt 57: Altes Holz – neu gedacht
März 2015, Seite 21

Felixé Mina, Tochter von Felix Schmid und letzte Bewohnerin des Hauses, verstarb 1990 im Alter von neunzig Jahren. Die Erben übergaben das Anwesen im Ortskern von Tannheim, das für seine reiche historische Ausstattung regional bekannt war, an die Gemeinde und den Museumsverein. Dies geschah in der Absicht, es der Nachwelt zu erhalten. Das gegen 1700 errichtete, für das Tannheimertal typische Mittelflurhaus wurde – wie datierte Holzteile belegen – um 1813 und 1893 umgebaut und dabei mit einem Quergiebel versehen. Damals wurde auch ein neuer Stall angebaut. Während das Wohnhaus über drei Jahrhunderte kontinuierlich ausgestattet und gepflegt wurde, war der Stall in den 1990er Jahren bereits in desolatem Zustand und galt für viele als abbruchreif.

Um eine Erhaltung finanzieren zu können, wurde lange nach einer geeigneten Verwendung gesucht. Obwohl das denkmalgeschützte Wohnhaus ein Museum per se darstellt, kam eine rein museale Adaptierung nicht infrage. Zahlreiche neue Funktionen sollten im Gebäude untergebracht werden: Musikprobelokal mit Pavillonfunktion, Bauernmarkt, Bücherei, Naturschutzräumlichkeiten und ein Ausstellungs- und Besucherbereich. Wie so oft bei öffentlichen Gebäuden sollte sich der Rucksack an neuen Anforderungen als groß erweisen.

2009 initiierte die Dorferneuerung einen Architektenwettbewerb, den Richard Freisinger aus Innsbruck gewann. Sein Entwurf sah die Nutzung des alten Wohnhauses als Museum und die Erhaltung des Stadels als wichtige zweite Haushälfte vor. Andererseits plante er einen zusätzlichen Neubau, der als einziger Bauabschnitt eine Beheizung erhielt. Der Stadel und sein rückseitiger Anbau nehmen das geforderte Raumprogramm auf, ohne das vorbildlich denkmalgerecht sanierte Wohnhaus in seiner Erscheinung allzu sehr zu beeinträchtigen. Die glückliche Verbindung von Alt und Neu zeichnet das Projekt aus.

Text

Walter Hauser

ist im Bundesdenkmalamt Landeskonservator für Tirol und Mitherausgeber des Buches „Weiterbauen am Land. Verlust und Erhalt der bäuerlichen Kulturlandschaft in den Alpen“.

Felixé Minas Haus

Standort

Oberhöfen 45, Tannheim/A

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Bauherr

Tannheimer Kommunalbetriebe GmbH & Co kg, Tannheim/A, www.tannheim.tirol.gv.at

Planung

Richard Freisinger, Innsbruck/A, www.rfa.at

Holzbau

Holzbau Zobl GmbH, Tannheim/A, www.holzbau-zobl.at

Konstruktionsart

Holzständerbauweise (Stall), Blockbau (Wohngebäude)

Fertigstellung

Erbaut ca. 1698, Umbau 2010