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Im Wald

Der Kärntner Waldpflegeverein

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 57: Altes Holz – neu gedacht
März 2015, Seite 23

»ÖKO« steht in leuchtend rosa Schrift auf dem Baumstamm. Gerhard Schoffnegger sind diese Buchstaben gleich aufgefallen. Der Landwirt aus Grafenstein ist etwas später zu seinem Sohn und dem Waldpflegetrainer Thomas Kummer in den Wald gekommen. Die beiden haben bereits begonnen, jene Bäume zu markieren, die heute oder in den nächsten Tagen gefällt werden sollen, und dabei auch den Baum markiert, der stehen bleiben soll, obwohl er abgestorben ist. Totholz ist wichtig für die Biodiversität. Damit »der Wandersmann nicht denkt, der Waldbesitzer ist nur zu faul, den Baum zu fällen«, markiert Thomas Kummer solche Bäume immer ganz deutlich: Mal schreibt er »Specht« oder »Biodiversität« oder auch »ÖKO« drauf. Kummer ist Mitarbeiter des Kärntner Waldpflegevereins, der eine in Österreich einzigartige Dienstleistung anbietet. Die Mitarbeiter des Vereins beraten Waldbesitzer bei der Waldpflege, indem sie bei der Dickenpflege, Erstdurchforstung sowie der Laubholzpflege aktiv helfen und dabei ihr Wissen über moderne Waldpflegemethoden vermitteln.

»Wenn ich den Waldbesitzer nur berate und dann wieder weggehe, macht er es nachher doch anders oder gar nicht«, erzählt Kummer. Das gemeinsame Arbeiten im Wald bietet die Möglichkeit, Wissen auszutauschen und einen neuen Blick auf den eigenen Wald zu gewinnen. »Letztes Jahr war Kummer schon bei uns«, erzählt der Land- und Forstwirt Schoffnegger, »und eigentlich wollten wir mit ihm in einem anderen Teil unseres Waldes arbeiten. Doch dann hat er dieses Waldstück hier gesehen und gesagt, dass ein Pflegeeingriff hier notwendiger wäre.« 80 Stunden pro Jahr kann ein Waldbesitzer einen Mitarbeiter vom Kärntner Waldpflegeverein buchen, wobei die Mitarbeit des Kunden Pflicht ist (learning by doing).

Die Nachfrage ist seit der Gründung des Vereins 2001 stetig gestiegen. Inzwischen nehmen jährlich über 600 Waldbesitzer in Kärnten dieses Angebot in Anspruch. 28 Mitarbeiter – über ganz Kärnten verteilt – arbeiten für den Verein, diese sind fachlich und pädagogisch ausgebildete Waldpflegeprofis. 2014 wurde der Waldpflegeverein mit dem Staatspreis für beispielhafte Waldwirtschaft ausgezeichnet. Im Mai dieses Jahres laufen die bisherigen Förderungen von der Europäischen Union, dem Lebensministerium und dem Land Kärnten jedoch aus. Noch ist die Zukunft ungewiss: Um neue Förderungen wird derzeit angesucht, weil die Kosten für diese Dienstleistung zum überwiegenden Teil über Förderungen finanziert werden müssen.

Man rufe sich die Ergebnisse der letzten Waldinventur in Erinnerung, laut der rund vier Fünftel der gesamten Waldflächenzunahme im bäuerlichen Kleinwald stattfinden und die darauf hinwies, dass generell die Kleinwaldbesitzer zu mehr Nutzung motiviert werden sollten. Der Kärntner Waldpflegeverein leistet einen wichtigen Beitrag zur Weiter- und Fortbildung auch von hoffernen Waldbesitzern.

www.waldpflegeverein.at

Eins-zu-eins-Training im Wald: Landwirt Gerhard Schoffnegger und Sohn (re) mit Thomas Kummer (li.) vom Waldpflegeverein.

Ein Drittel aller Waldbesitzer in Österreich hat keinen forstlichen Hintergrund mehr und ist an einer kontinuierlichen Holznutzung nur wenig interessiert.

40 % traditionelle Waldeigentümer
28 % Übergangstypen – Berufsaussteiger, Kleinstädter mit landwirtschaftlichem Hintergrund
32 % neue Waldeigentümer – landwirtschaftsfern und urban, Hofaussteiger

Quelle: Karl Hogl, Michael Pregernig und Gerhard Weiß (2003): Wer sind Österreichs WaldeigentümerInnen?
Einstellungen und Verhalten traditioneller und »neuer« Waldeigentümergruppen im Vergleich, Discussion Paper des Instituts für Sozioökonomik der Forst- und Holzwirtschaft, Wien 2003

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© Anne Isopp

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Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at