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Doppelfassade mit Isolierglasfenstern

Erste Campus in Wien

Karin Triendl
Erschienen in
Zuschnitt 58: Holzfenster
Juni 2015, Seite 9

Das neue Headquarter der Erste Group auf dem Areal des ehemaligen Südbahnhofs hat die Größe einer Kleinstadt und wird in Zukunft über 4.500 Mitarbeiter an einem Standort vereinen. Die organisch geschwungenen Baukörper sind vollständig verglast und wirken je nach Lichtsituation fast transparent. Sie überzeugen durch maximale Offenheit ohne sichtbare Konstruktion. Den Architekten Henke Schreieck ist es durch den Einsatz von raumhohen Holzfassadenelementen gelungen, für rund 40.000 m2 Fassadenfläche ein überzeugendes Verhältnis zwischen Funktion und atmosphärischer Qualität sowohl nach innen als auch nach außen zu finden. Die vorgefertigten Elemente haben eine Breite von 1,3 Metern und entsprechen damit dem ausgeklügelten Gebäuderaster von 2,6 Metern, der sowohl offene Bürostrukturen als auch den Anschluss von Trennwänden für Einzelbüros ermöglicht.

Den Raumabschluss bildet eine klassische Doppelfassade mit zwei Ebenen, die jeweils unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Die äußere Haut (Prallscheibe) wehrt auftretende Umwelteinwirkungen ab und besteht aus geschosshohen VSG-Gläsern. Diese wurden auf einem mittels Isokorb befestigten Betonfertigteil montiert und geschossweise versetzt angeordnet, um eine schuppenartige Wirkung der Hülle zu erreichen. Die eigentliche Wärmedämmschicht liegt 60 cm weiter hinten und ist aus Holz konzipiert. Die 1,3 Meter breiten Rahmenelemente aus heimischer Lärche wurden im Werk vorgefertigt und aus logistischen Gründen erst nach der Montage vor Ort von innen verglast. Die schmalen Öffnungsflügel sorgen für ein heterogenes Fassadenbild und sind abwechselnd als Holzfenstertüren bzw. Holzpaneltüren mit innen liegender Akustikverkleidung ausgeführt. Aufgrund der geringen Breite ermöglichen sie das individuelle Öffnen der Fassade vom Arbeitsplatz aus, ohne dass Möbel verschoben werden müssen.

Die Erfahrung mit Holzfassaden dieser Größenordnung ist in Österreich noch gering, daher gab es bis zuletzt Zweifel, ob es gelingen würde, einen konkurrenzfähigen Hersteller zu finden, der in der Lage ist, in kürzester Zeit 7.000 Fensterelemente zu produzieren. Für das Architekturbüro bedeutete dies die parallele Planung von Alu- und Holzfensterdetails. Die Anstrengung aller Beteiligten hat sich gelohnt, eine vorbildhafte Holzfensterkonstruktion wurde ausgeführt und der Erste Campus erhielt bereits das Vorzertifikat in Gold der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft.

  1. VSG (Prallscheibe)
  2. Lüftungslamellen zur Zwischenraumbelüftung
  3. Stahlkonsolen mit Luftabschottungen (abwechselnd Zuluft, Abluft)
  4. Stahlbetonkragplatte auf »Isokorb«-Konsolen
  5. Sonnenschutz, elektrischer Raffstore mit intelligenter Steuerung
  6. Wartungssteg, Alugitterrost 30/30 mm
  7. Fensterflügel aus Lärche mit Isolierverglasung
  8. Bodenkonvektoren mit Heizregister

Fenstertyp Doppelfassade mit Isolierglasfenster
Holzart Lärche
Verglasung VSG (außen), zweifach (innen)
Öffnungsart Drehfenster
Oberfläche Lärchenöl, getaucht und gespritzt
U-Wert Uw = 0,96W/m2K
Schalldämmwert Rw = 42 dB


Fotos

© Toni Rappersberger

Text

Karin Triendl
Architektin, seit 2007 Bürogemeinschaft mit Arch. Patrick Fessler, schreibt als freie Autorin über aktuelle Stadt(Räume) und Architekturen
www.triendlundfessler.at

Erste Campus in Wien

Standort

Am Belvedere 1, 1030 Wien/A

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Bauherr

Erste Campus Immobilien GmbH & Co KG, Wien/A

Planung

Henke Schreieck Architekten, Wien/A, www.henkeschreieck.at

Fertigstellung

2015