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Holzfenster

Eine Systemübersicht

Erschienen in
Zuschnitt 58: Holzfenster
Juni 2015, Seite 6f.

Einfachfenster

Einfachfenster bestehen aus einem einfachen Stockrahmen und einer Einfachverglasung. Sie sind noch für Gebäudeteile zugelassen, die keine Auflage der Wärmeschutzverordnung erfüllen müssen, wie Keller oder Garagen.

Isolierglasfenster (IV)

Das Einfachfenster mit Isolierverglasung, kurz IV genannt, wird heute oft als Isolierglasfenster bezeichnet. Es hat sich als Standardfenster durchgesetzt, weil es einfach zu bedienen und zu reinigen ist. Isolierglasfenster werden heute überwiegend mit Dreischeibenisolierverglasung verbaut, wodurch hohe Wärmeschutzanforderungen erfüllt werden.

Kastenfenster

Kastenfenster sind Doppelfenster mit voneinander unabhängig bedienbaren Flügeln, die an einem beide Ebenen verbindenden »Kasten« angeschlagen sind. Kastenfenster spielen im historischen bzw. denkmalgeschützten Objekt eine große Rolle, werden aber auch in zeitgenössischen Bauwerken eingesetzt und verfügen zumindest auf der raumzugewandten Ebene über Isolierscheibenverglasung. Bei modernen Kastenfenstern handelt es sich um besonders hoch entwickelte Fenster, die durch die dämmenden Eigenschaften der Luftschicht zwischen den beiden Flügelebenen insbesondere in Hinblick auf den Schallschutz exzellente Werte liefern.

Verbundfenster

Als Verbundfenster werden Fenster bezeichnet, deren beide Flügelebenen in geringem Abstand miteinander verbunden sind und die über einen gemeinsamen Drehpunkt bewegt und bedient werden. Zum Putzen kann der innere Flügel vom äußeren getrennt geöffnet werden. Moderne Verbundfenster sind auf der inneren Ebene immer mit Isolierglas versehen, der Sonnenschutz kann in den Zwischenraum integriert werden, wodurch Windschäden und starke Verschmutzung vermieden werden.

Holzarten

In Österreich werden Holzfenster nahezu ausschließlich aus lamellierten, keilgezinkten Fensterkanteln produziert. Das dafür verwendete Holz stammt zu mehr als drei Vierteln von Fichte und Tanne, der Rest überwiegend von Lärchen. Aber auch Kiefer, Eiche, Douglasie und Hemlock, eine nordamerikanische Holzart, kommen zum Einsatz. Eine Variante ist die Verwendung unterschiedlicher Hölzer für Innen- und Außenseite. Modifizierte Hölzer wie Thermoholz werden hierzulande für den Fensterbau kaum verwendet.

Fenstermarkt 2014 – Materialanteil in %

Quelle: Kreutzer Fischer & Partner Consulting GmbH:
Branchenradar Fenster & Hebeschiebetüren in Österreich.

Fensterprofile

In den letzten zehn Jahren erfolgte eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Fensterprofile: Waren früher nur innen und außen flächenbündig versetzt ineinandergreifende Profile erhältlich, so ist jetzt der Einbau von flächenbündig abschließenden Fenstern mit vollverdeckt liegenden Beschlägen möglich. Zusätzlich können die Profile mit Dämmung ausgestattet werden.

Beschichtungsarten

Gemäß ÖNORM B 3803 sind unbehandelte Holzfenster nicht zulässig. Holzfenster und Holz-Alu-Fenster müssen durch eine Beschichtung geschützt und regelmäßig gewartet werden. Die Beschichtung übernimmt dabei die Aufgabe des Witterungs- und Feuchteschutzes, wodurch das Quellen und Schwinden des Holzes wesentlich reduziert und die Rissbildung der Oberflächen verhindert werden. Die Wahl einer geeigneten Oberflächenbehandlung ist ausschlaggebend für die Funktionstauglichkeit, das bauphysikalische Verhalten und das Abwitterungsverhalten der Fenster.

Deckende Lacke

Deckende Lacke bilden einheitlich gefärbte Oberflächen, die Holzstruktur scheint nicht durch. Sie bieten einen besonders guten UV-Schutz, ergeben daher einen sehr dauerhaften Anstrich und sind in vielen Farbtönen erhältlich.

Lasuren

Lasuren bilden halbtransparente Anstrichfilme, durch welche die Holzstruktur erkennbar bleibt. Sie bieten nur mit transparenten Eisenoxid-Pigmenten einen ausreichenden UV-Schutz, daher beschränkt sich die anwendbare Farbtonpalette auf Gelb-, Rot- und Brauntöne. Dunkle Brauntöne sind dauerhafter als helle. Helle Lasurfarbtöne ergeben ohne zusätzliche transparente Lichtschutzmittel und aus-reichende Schichtdicke einen zu geringen Lichtschutz.

Transparente/farblose Beschichtungen

Sie erscheinen auf dem Holzuntergrund so weit transparent, dass der natürliche Farbton des Holzes erhalten bleibt. Sie sind nur mit transparenten Lichtschutzmitteln und einer Schichtdicke von >30 μm anwendbar. Es sollten nur Produkte mit geprüfter Witterungsbeständigkeit (zwei Jahre Freilandbewitterung gemäß ÖNORM EN 927-3) angewendet werden. In der Regel gewährleisten sie eine geringere Witterungsbeständigkeit als Lasuren und deckende Lacke und die Instandhaltung gestaltet sich schwieriger.

Öle, Dünn- und Mittelschichtlasuren

Diese entsprechen in der Regel nicht den Anforderungen der gültigen Normen. Sie dürfen in Österreich nur im Einvernehmen mit dem Hersteller angewendet werden und der Endverbraucher muss nachweislich auf damit verbundene Folgen wie z. B. kürzere Wartungsintervalle, Rissbildung und Erosion an den bewitterten Oberflächen hingewiesen werden. Unter der Bezeichnung »Öle« wird eine große Palette verschiedener Produkte angeboten. Sehr viele Öle für Holz im Außenbereich werden farblos, d. h. unpigmentiert eingesetzt, was deren Dauerhaftigkeit im Vergleich zu pigmentierten Beschichtungen stark beeinträchtigt.

Vorteile von Holz

  • Holz hat die geringste Größenausdehnung aller Fenstermaterialien und benötigt die geringste Berücksichtigung von temperaturbedingten Dimensionsänderungen.
  • Holzfenster laden sich nicht elektrostatisch auf und ziehen keine kleinen Schmutzpartikel an, sodass die Reinigung von Holzfenstern einfach ist.
  • Holzfenster brennen wesentlich langsamer, schmelzen nicht, bleiben länger stabil als andere Materialien und emittieren keine hochgiftigen Dioxine. Der Fluchtweg bleibt länger erhalten.
  • Holzfenster sind besonders langlebig. Die Nutzungsdauer von Fenstern liegt bei allen Materialien bei ca. 25 bis 30 Jahren. Die Lebensdauer von Holzfenstern aber liegt bei 80 bis  100 Jahren, wenn diese regelmäßig gewartet sowie Isoliergläser und Beschläge ausgetauscht werden.

Öffnungsarten