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Sanierung von Holzfenstern

Werkbundsiedlung Wien

Iris Meder
Erschienen in
Zuschnitt 58: Holzfenster
Juni 2015, Seite 22

Als Josef Frank 1932 für die deutsche Zeitschrift »die neue linie« die Frage »Ist die moderne Architektur monoton?« beantworten sollte, führte er als Beispiel die Vielfalt zeitgenössischer Fensterlösungen an: »Da sind Fenster aus Holz und Metall, Fenster mit Flügeln, zum Klappen und Schieben nach oben und unten und nach der Seite. […] Wie viel verschiedene Grundlagen gibt es da, das beste Fenster zu berechnen!«

Auch in der zur Zeit von Franks Artikel gebauten Wiener Werkbundsiedlung war die Ausführung der Fenster den einzelnen Architekten anheimgestellt und Vielfalt gewünscht, wie Richard Bauer, Chefarchitekt des Bauträgers gesiba und als solcher selbst an der Siedlung beteiligt, darlegte: »Normale Doppelfenster, nach innen aufgehend, wechseln mit nach außen aufgehenden, Schiebefenster aus Holz mit solchen aus Eisen, horizontal und vertikal verschiebbar; am häufigsten jedoch sind Verbundfenster. Alle Holzteile sind mit Ölfarbe grundiert, mit Kitt überzogen, zweimal mit Ölfarbe gestrichen und lackiert.«

Die Fenster boten den Architekten Raum für ästhetische Statements: Während Josef Hoffmann seinem Ruf als »Quadratl-Hoffmann« gerecht wurde, setzten Adolf Loos und Heinrich Kulka auf die Loos-typische kleinteilige Sprossung im oberen Teil der grün lackierten Wohnzimmerfenster. Arthur Gruenberger und Josef Wenzel verwendeten strukturierend dichte weiße Sprossen, während Richard Bauer, Oswald Haerdtl und Oskar Wlach ele-gante französische Fenster planten. Walter Loos entwickelte für die Küchen seiner Häuser Fenster mit Fixverglasung im unteren Teil. So konnte das Fenster geöffnet werden, ohne dass die Arbeitsfläche abgeräumt werden musste. Mehrere Architekten setzten auf Fensterbänder mit dunklen Rahmen. Auch mehrere andere Architekten ließen die Holzkastenfenster mit den äußeren Flügeln nach außen aufschlagen, was den Fassaden ein reizvolles Relief verlieh.

Neben Holzfenstern gab es in der Siedlung vereinzelt auch Metallprofile, etwa in den Stiegenhäusern von Josef Hoffmann, die – wie auch manche Türen – im Winter regelmäßig vereisten. 1985 wurde daher Isolierglas in die alten 25 x 25mm T-Profile eingesetzt, was sich jedoch langfristig ebenfalls als unzureichend erwies. In der Siedlung gingen schon während des Bombardements im Zweiten Weltkrieg zahlreiche der ursprünglichen Fensterscheiben zu Bruch. Bei der Sanierung von 1985 durch Otto Kapfinger und Adolf Krischanitz wurden die erhaltenen Fenster mit Isolierglas instand gesetzt und die Holzfenster rekonstruiert, wo sie durch Plastikfenster ersetzt worden waren.

Glasscheiben von 1932 sind kaum noch erhalten. Bei der gegenwärtigen Sanierung durch Praschl-Goodarzi Architekten wird bei den Kasten- und Verbundfenstern im Regelfall außen normales Floatglas und innen K-Glas (beschichtetes Einscheibenglas) eingesetzt, das sich mit seinem guten Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) speziell für historische Verbund- und Kastenfenster eignet und sich dank seiner Stärke von nur 4 mm auch in schmale Rahmen einsetzen lässt. Weiters werden die Fenster mit einem Dichtungsprofil aus Silikon ausgestattet, und um Schimmelbildung zu vermeiden, werden alle Häuser mit einer Lüftungsanlage oder zumindest mit Abluftventilatoren versehen. Die Oberflächen der Fenster werden im Zuge der Sanierung wie damals mit Leinölfarben gestrichen. Erst werden die Rahmen thermisch entschichtet und nach einer Grundierung mit Leinölfirnis drei Farbschichten aufgetragen. Diese Oberflächenbehandlung gewährleistet aufgrund der Elastizität der Farbe eine längere Haltbarkeit der Fenster. Im dritten Teilabschnitt der Sanierung werden nun die Leinölfarben durch Alkydharzfarben ersetzt, da die lange Trocknungszeit zu Problemen mit den Mietern geführt hat.

Sanierung von Stock, Rahmen, Profilen

  • lockere Holzverbindungen neu verleimen
  • Unebenheiten und Ausbrüche mit Leinölkreidekitt schließen
  • bestehende Beschichtungen thermisch entfernen
  • neue Beschichtung
  • Glasleisten mit Leinölkitt neu verkitten
  • Fuge zwischen Stock und Mauerwerk mit Dämmung ausstopfen
  • Dichtungen umlaufend am raumseitigen Falz einfräsen

Sanierung von Beschlägen und Wetterschenkeln

  • vorhandene Farbschichten abnehmen
  • Deformierungen ausrichten, Fehlteile ergänzen
  • gangbar machen und neu beschichten
  • Wetterschutzschenkel, Regenschutzschiene
  • und Sohlbank beschichten

x    neues K-Glas

Fenstertyp Verbund- und Kastenfenster
Holzart Lärche
Verglasung K-Glas (Einscheibenverglasung beschichtet)
Öffnungsart Drehflügel
Oberfläche früher Leinölfarbe, heute Alkydharzfarbe
U-Wert Uw = 2,7W/m2K (vor der Sanierung), Uw = 1,9W/m2K (nach der Sanierung)

Fotos

© Martin Praschl

Text

Iris Meder
Studium der Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft, Dissertation zur Wiener Schule um Frank und Strnad. Ausstellungskuratorin unter anderen für Wien Museum, Künstlerhaus und Jüdisches Museum Wien. Zahlreiche Publikationen zur Architektur und Landschaftsarchitektur der mitteleuropäischen Moderne. 

Werkbundsiedlung Wien

Standort

Veitingergasse, 1130 Wien/A

[auf Google Maps anzeigen]

Planung - Sanierung 1 (1983-1985)

Adolf Krischanitz, Wien/A, www.krischanitz.at; Otto Kapfinger, Wien/A

Planung - Sanierung 2 (ab 2011)

Praschl-Goodarzi Architekten, Wien/A, www.pgood.at

Bauherr 

wiseg Wiener Substanzerhaltungsg.m.b.H. & Co kg, Wien/A, www.wiseg.at

Informationen zur Werkbundsiedlung

www.werkbundsiedlung-wien.at

Fertigstellung

1930 – 32, der 1. Abschnitt der letzten Sanierung wurde 2013 fertig gestellt