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Kastenfenster

Erich Bernard
Erschienen in
Zuschnitt 58: Holzfenster
Juni 2015, Seite 16

Einfachfenster mit Einfachglas waren bis ins erste Viertel des 19.  Jahrhunderts Standard. Bei Bedarf begann man in der kalten Jahreszeit von außen oder innen ein Vor- oder Winterfenster als zusätzliche Fensterebene beizufügen, was zur Entstehung des Kastenfensters führte. Das Kastenfenster basiert auf der Idee, an einer Zarge zwei Fensterebenen hintereinander zu montieren, um durch den entstehenden »kastenartigen« Zwischenraum zusätzliche Wärmedämmung zu erreichen. Kastenfenster entsprachen wesentlich besser den Anforderungen an Wärmedämmung, Winddichtheit und Schallschutz als Einfachfenster. Das hölzerne Kastenfenster ist ein sehr leistungsfähiger Bauteil, der eine Vielzahl an Variationen aufweist und eine Vielzahl an unterschiedlichen Funktionen erfüllt. Der Zwischenraum zwischen den beiden Fensterebenen kann zur Anbringung eines Sonnenschutzes genutzt werden, ohne dass sich das äußere Erscheinungsbild dabei verändert. Holz-Kastenfenster weisen hervorragende Dämmwerte auf – insbesondere an den Anschlüssen zur Laibung übertreffen sie auch alle Arten von Einfachfenstern mit Isolierverglasung. Gut gepflegte Holz-Kastenfenster können eine Lebensdauer von bis zu 200 Jahren erreichen und auch durch Isolierglasscheiben in der raumseitigen Fensterebene aufgerüstet werden. Die Verbindung des sanier- und erneuerbaren Werkstoffs Holz mit Einfachglas macht das Kastenfenster nicht nur im bauphysikalischen und ökologischen Sinne, sondern auch im ökonomischen Sinne – in Bezug auf die Anschaffungs- und Renovierungskosten – zum Fenstertyp mit der größten Nachhaltigkeit.

Text

Erich Bernard

geboren 1965 in Graz, ist Architekt in Wien, führt mit drei Partnern das Büro BWM Architekten und die bwmretail, und ist Gastprofessor an der NDU – New Design University St. Pölten.