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Was sonst, wenn nicht Holz?

Status quo im Wiener Wohnbau

Franziska Leeb
Erschienen in
Zuschnitt 58: Holzfenster
Juni 2015, Seite 11

Versucht man in den Wiener Magistratsabteilungen Argumente für das Holzfenster im Wohnbau abzufragen, ist die Reaktion stets die gleiche: Es gibt kaum Alternativen. Das ist vor allem deshalb so, weil sich die Stadt seit Beginn der 1990er Jahre der kommunalen PVC-Vermeidung verschrieben hat. Im Jahr 2003 wurden die Kriterien des Programms ÖkoKauf Wien für die Beschaffung als verbindlich erklärt. Sie gelten auch bei ausgewählten Förderungsprogrammen der Stadt Wien, etwa für die thermische Wohnbausanierung, wo halogenhaltige Kunststoffe nicht mehr zulässig sind. Für den geförderten Wohnbau definiert die Neubauverordnung 2007 als ökologische Mindestanforderungen, dass u. a. auf PVC-haltige Baumaterialien zu verzichten ist, sofern entsprechende Alternativprodukte vorhanden sind.

Bauträger Winfried Kallinger stört diese Einschränkung nicht. Die Haltbarkeit der im Preisranking in der Regel immer am besten abschneidenden Kunststofffenster ist begrenzt. Seiner Erfahrung nach liegen die Schwächen vor allem in den Fugen und im Bereich der Beschläge. Sobald hier irgendetwas aufgeht, ist ein Fenstertausch notwendig. Für sein Unternehmen Kallco sind Kunststofffenster höchstens im Segment des ganz günstigen frei finanzierten Wohnbaus ein Thema. Die Komponenten von Holzfenstern seien diesbezüglich stabiler. Generell zählen die technischen Qualitäten wie Wärmeschutz, Winkelfestigkeit und die Robustheit der Oberfläche, die gerade im städtischen Bereich hohen Belastungen (»saurer Regen«) ausgesetzt sei. Es gebe bei allen Materialien ansprechende Lösungen. Im Wohnbau fänden Alufenster, abgesehen vom Kostenargument, aber wenig Akzeptanz, da sie eine zu hohe Coolness ausstrahlten. Bei Holzfenstern sei auch im Hinblick auf die Optik der Variantenreichtum am größten.

Im Allgemeinen würden Investoren aus Gründen der Wartungsfreiheit Holz-Alu-Fenster bevorzugen, weil das Klischee des »morschenden Holzfensters« nach wie vor zu Unrecht verbreitet sei. Winfried Kallinger persönlich bevorzugt reine Holzfenster, deren Eigenschaften seiner Erfahrung nach heute weitaus besser seien als vor zehn bis 15 Jahren.

Dies bestätigt auch Martin Groyß, der in der Wiener Magistratsabteilung 25 (Stadterneuerung und Prüfstelle für Wohnhäuser) unter anderem für die begleitende technisch-wirtschaftliche Baukontrolle im großvolumigen, geförderten Wohnhausneubau verantwortlich ist. Die früher eingesetzten transparenten Dickschichtlasuren waren bei Weitem nicht so dauerhaft wie die heutigen. Hagel und Sonneneinwirkung konnten da große Probleme verursachen und dazu führen, dass schon nach ein paar Jahren ein neuer Anstrich notwendig war.

Ein Schwachpunkt – bei jeder Fensterart – seien natürlich die Bauwerksfugen, egal ob die Fensterstöcke überdämmt oder außen bündig in die Dämmebene geschoben werden. Hier beobachte er aber schon, dass bei den Anschlussdetails die Genauigkeit zusehends höher werde und die meisten Firmen durchwegs wüssten, worauf es ankommt. Mittlerweile gebe es ausgereifte standardisierte Lösungen, und wenn die Anputzleisten entsprechend den Verarbeitungsrichtlinien verwendet würden, sollte es keine Probleme geben. Diese träten gelegentlich bei wenig routinierten, kleinen Baufirmen auf oder bei Sonderlösungen. Die Chance, dass Einbaufehler rechtzeitig erkannt und behoben werden, ist groß, seitdem die MA 25 vor drei Jahren die Qualitätskontrollen intensiviert hat.

Fotos

© Hertha Hurnaus

Text

Franziska Leeb
geboren 1968, Architekturpublizistin, lebt in Wien 

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