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Ökobilanzierung und ­-zertifizierung

Franz Dolezal
Erschienen in
Zuschnitt 59: In Zukunft Stadt
September 2015, Seite 30
Die Wohnhausanlage in der Breitenfurter Straße in Wien, ist bis auf den Sockel ein reiner Holzbau.

Europaweit werden dem Bauwesen etwa 40 Prozent aller Energie- und Stoffströme zu­geschrieben. Unter den größten Verursachern von Treibhausgas-Emissionen finden sich ­neben dem Verkehr die Raumwärme sowie die Industrie und das produzierende Gewerbe. Diese Daten belegen den dringenden Hand­lungs­bedarf, den Energieverbrauch nicht nur in der Nutzungsphase eines Gebäudes zu ­reduzieren, sondern in den gesamten Lebenszyklen aller in der Konstruktion eingesetzten Bauprodukte. In diesem Prozess spielt die ­Anwendung von Ökobilanzen eine zentrale Rolle, weil damit von der isolierten Betrachtung des Energieverbrauchs während der Gebäudenutzung abgegangen wird und erweiterte Systemgrenzen festgelegt werden. Die neuen Systemgrenzen einer Bilanzierung sind die Schnittstellen zur Natur (Entnahme von Rohstoffen, Rückführung von Emissionen) sowie der gesamte Lebenszyklus (»von der ­Wiege bis zur Bahre«).

Zur weiteren Reduktion von Umweltbelastungen sind daher die verwendeten Baustoffe näher zu ­betrachten. Hier schneidet in Ökobilanzen von Gebäuden kein Baustoff besser ab als Holz. Gebäudezertifizierungssysteme, wie sie auf ­nationaler und internationaler Ebene in den letzten Jahren verstärkt entwickelt wurden, beruhen auf der ganzheitlichen Ausrichtung der Lebenszyklus­analyse. Sie stellen detaillierte Leitfäden dar, die alle notwendigen Nach­haltigkeitsaspekte umfassen und deren Um­setzung im Bauprozess quantifizierbar und vergleichbar ver­anschaulichen.

Text

Franz Dolezal
ist Mitarbeiter der Holzforschung Austria.

Wohnbau Breitenfurter Straße in Wien

Standort

Breitenfurter Straße 450-454, Wien/A

Fertigstellung

Juni 2013