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Editorial

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 64: Laubholz
Dezember 2016, Seite 3

So wie viele Gespräche fängt auch dieser Text mit dem Wetter an. Die kommenden Sommer werden voraussichtlich noch heißer und trockener als bisher. Das bedeutet Stress für die Fichten in niedrigen Lagen, gefällt aber wiederum der Rotbuche, die gemeinhin als Buche bezeichnet wird.

In Österreich ebenso wie in der Schweiz und in Deutschland zeichnet sich schon jetzt der Trend ab, dass die Nadelholzbestände zurückgehen und die Laubholzbestände – allen voran die Buchen-bestände – weiter wachsen. Doch was tun mit dem Laubholz?

Derzeit werden in Österreich zwei Drittel der Laubholzernte der energetischen Verwertung zugeführt, der Rest dient als Industrie- und als Sägerundholz. Generell soll auch beim Laubholz die stoffliche Verwertung forciert werden. Ein Potenzial liegt in der konstruktiven Verwendung, weshalb sich dieser Zuschnitt dem Bauen mit Laubholz widmet – wenn auch diese Entwicklung noch am Anfang ist.

Wenn wir von Laubholz-Tragkonstruktionen sprechen, dann meinen wir die Buche und nicht die Eiche, Esche, Erle oder Birke. Die Buche ist die häufigste Laubholzart in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Die anderen Holzarten sind ebenfalls gut für den konstruktiven Einsatzbereich geeignet, sind aber entweder für andere Einsatzbereiche wie Parkett und Möbel gefragt (Eiche) oder hierzulande eher selten (Esche, Erle, Birke).

Aus gutem Grund hat man in der Vergangenheit nie mit Buche gebaut, sondern Buche als Brennholz, für Innenausstattungen und im Möbelbau verwendet. Doch moderne Holzwerkstoffe, die in den letzten Jahren industriell entwickelt wurden, wie Buchen-Furnierschichtholz oder Buchen-Brettschichtholz, ermöglichen jetzt auch den konstruktiven Einsatz der Buche. Das Einsatzspektrum und die Produktpalette werden sich in naher Zukunft noch erweitern, darauf deuten die laufenden Forschungsaktivitäten und Produktentwicklungen hin.

Damit ist der moderne Holzbau um eine Facette reicher geworden. Bauprodukte aus Buche haben eine hohe Sichtqualität und erlauben aufgrund ihrer höheren Festigkeitswerte schlankere Konstruktionen. Dies ermöglicht dem Holzbau eine neuartige, elegante Architektursprache. Noch sind Bauprodukte aus Buchenholz Nischenprodukte, daher ist die Auswahl an gebauten Beispielen gering. Architekten und Tragwerksplaner haben das Potenzial aber schon erkannt.

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at