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Essay

Auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft

Uwe Möller
Erschienen in
Zuschnitt 65: Kreislauf Holz
März 2017, Seite 4

Auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft

Schon 1972 wies der Club of Rome darauf hin, dass die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht sein würden, wenn die Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält. An der Brisanz der Situation hat sich bislang wenig geändert. Uwe Möller, Mitglied des Club of Rome, erklärt, warum Holz und Holzbau bei der Klimastabilisierung eine wesentliche Bedeutung zukommt.

Die existenzielle Bedrohung, die der Klimawandel für die Zukunft der Menschheit darstellt, wird in der Öffentlichkeit zunehmend erkannt. Auch bei der Politik ist diese alarmierende »Botschaft« inzwischen »angekommen«. Die Folgen der Erderwärmung werden zunehmend sichtbar – und auch schmerzhaft fühlbar. Die Erderwärmung führt zum Ansteigen des Meeresspiegels, zum Abschmelzen der Polkappen, zu wiederkehrenden Dürren, der Ausbreitung von Wüsten, zum Rückgang der Gletscher sowie zu vermehrten Wetterextremen. Die für die Ernährung der Menschen so wichtigen Ökosysteme werden dadurch immer stärker belastet und zerstört.

Die gegenwärtige Weltbevölkerung von 7,5 Mrd. Menschen überstrapaziert »unsere Mutter Erde« inzwischen mit dem Faktor 1,5. Bis 2050 werden noch mindestens 2 Mrd. Weltenbürger hinzukommen. Verbunden mit den wachsenden materiellen Ansprüchen insgesamt müssten letztlich zu deren Deckung die Ressourcen von drei Planeten Erde zur Verfügung stehen – eine Herausforderung, die in den nächsten Jahrzehnten eine Revolution in der Steigerung der Ressourcen-Effizienz sowie die Einführung immateriell orientierter Lebensstile dringend erforderlich macht. Heute leben mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung in Städten und städtischen Agglomerationen, 2050 wird ihr Anteil bei 75 Prozent liegen. Heute entstehen dort bereits 80 Prozent der wirtschaftlichen Wertschöpfung, ihr Anteil am gesamten Ressourcenverbrauch beträgt 70 Prozent, sie verursachen 75 Prozent der Emissionen von CO2, dem wichtigsten Treibhausgas. Fast 40 Prozent des gesamten Ressourcenverbrauchs (Baumaterialien und Energie) entfallen auf den Bausektor, der damit auch einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Ressourcen-Effizienz leisten muss. Die Holzwirtschaft bietet für diese Aufgabe ein großes, nachhaltiges Entwicklungspotenzial, das immer noch nicht hinreichend erkannt wird. Holz ist ein nachwachsender, vielseitig verwendbarer (und wiederverwendbarer) Rohstoff, zudem versehen mit einem erheblichen Potenzial, CO2 zu speichern (Holz besteht zu 50 Prozent aus Kohlenstoff). Holz kann damit in den kommenden Jahrzehnten – in der Übergangsphase zum Solarzeitalter – als eine wesentliche klimastabilisierende Senke für CO2-Emissionen dienen.

Dazu muss dringend den profitorientierten Abholzungspraktiken in den tropischen Regenwäldern entsagt werden und – im Gegenteil – dieses Speicherpotenzial durch umfassende globale Wiederaufforstungsprogramme gestärkt werden. Geeignete Flächen stehen hinreichend zur Verfügung – in der Größenordnung der Fläche Gesamteuropas. Holz als nachwachsender und klimaneutraler Baustoff kann aber vor allem im Wohnungsbau einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die herkömmlichen »energiefressenden« Baumaterialien mit ihrem um ein Vielfaches höheren ökologischen Fußabdruck zu ersetzen. Hinzu kommt, dass bei der stark expandierenden Bautätigkeit, vor allem in den aufstrebenden großen Schwellenländern, sich das Sandangebot vor Ort verknappt. Dieser »Baustoff«, der für die Herstellung von Beton benötigt wird, muss zunehmend von weit her über längere Seewege herangeführt werden. Holz steht hingegen in vielen Regionen dezentral zur Verfügung. Der Massiv-Holzbau findet zunehmend Aufmerksamkeit und Interesse, befindet sich aber insgesamt immer noch in einer »Pionierphase«. Vielfältige Projekte demonstrieren inzwischen in überzeugender Weise die Vorzüge dieser nachhaltigen Bautechnologie – nicht zuletzt auch in Design und Ästhetik –, die vor allem in Ländern mit traditioneller Holzwirtschaft zum Einsatz kommt. In Europa spielt Österreich dabei eine besondere Rolle.

Text

Uwe Möller

ehem. Generalsekretär The Club of Rome, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft The Club of Rome