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Logistikhalle Schachinger

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 65: Kreislauf Holz
März 2017, Seite 8 - 9
Schachinger Logistik aussen

Für Logistikhallen gibt es zahlreiche Bausysteme 
aus Sandwichpaneelen und Beton, die es erlauben, in kürzester Zeit eine neue Halle zu errichten. Die Logistikbranche ist eine von kurzfristigen Verträgen und damit großen Unsicherheiten geprägte Branche, in der wenig Zeit bleibt, sich mit anderen Bauweisen auseinanderzusetzen. Das oberösterreichische Logistikunternehmen Schachinger hat trotzdem über den Tellerrand geschaut und nach nachhaltigen und energieeffizienten Bauweisen gesucht. Entstanden ist an ihrem Hauptsitz in Hörsching ein beeindruckendes Hochregallager in Holzbauweise. Die knapp 12.000 m2 große und 14 Meter hohe Halle dient als zentrales Warenlager und beherbergt neben Lagerfläche und Anlieferung auch einen dreigeschossigen Bürotrakt.

Die Halle ist in Holzskelettbauweise errichtet, mit Außenwänden in Holzrahmenbauweise und einer Fassade aus Weißtanne. Das Gebäude erreicht den Passivhausstandard – auch dies ist bei Logistikhallen nicht üblich. Für die hier gelagerten Lebensmittel muss 
eine konstante Temperatur von 14 bis 18 Grad garantiert werden, die Energieversorgung für das Heizen und Kühlen wird über die auf dem Dach installierte Photovoltaikanlage und über Wärmepumpen und free cooling generiert. Die Holztragstruktur, die Lichtkuppeln und die farbig gestalteten Wände schaffen eine helle, freundliche Atmosphäre im Inneren. Die Mehrkosten der Holzhalle von ca. 6 Prozent gegenüber einer Standardbauweise sollen sich laut Bauherr in höchstens acht Jahren amortisiert haben. Schon jetzt hat die Logistikhalle in Holzbauweise viel Aufmerksamkeit erregt und zum nachhaltigen Image der Firma beigetragen.

„In dieser Halle wirst du viel mehr als Mensch angesprochen“

Max Schachinger, Miteigentümer und Beiratsvorsitzender der Schachinger Logistik, 
über die Logistikhalle aus Holz:

„Wir bauen seit Beginn unserer Firmengeschichte Lagerhallen. 
Es wird in unserer Branche so billig wie möglich gebaut. Zeit, an die Betriebskosten zu denken, hat man nicht, weil die Branche schnelllebig und unverbindlich ist. Ein Dreijahresvertrag ist schon ein Rekord. Normalerweise lässt man die Halle von einem Standard-Anbieter bauen. Nach einem langen Leidensdruck mit dem Standard – unsere Erfahrungen sind alle ernüchternd, weil sie von schlechten Energiewerten und vielen Baumängeln geprägt sind – haben wir begonnen, nach zukunftsfähigeren Bauweisen zu suchen. Wir sind zu Kongressen wie den World Sustainable Energy Days oder den Passivhaustagen gegangen. Dort haben wir entdeckt, welche Qualitäten wir in Mitteleuropa in Bezug auf nachhaltige Produkte, Baufirmen und Architekten zu bieten haben.

Im Zuge einer Projektstudie haben wir uns dann mit dem Holzbau und der Passivhausbauweise auseinandergesetzt. Auf den Holzbau aufmerksam geworden bin ich bei einer Podiumsdiskussion des ORF in Linz, bei der Erich Wiesner, Obmann des Fachverbandes der Holzindustrie, gesagt hat, dass kein anderes Baumaterial eine so hohe Leistungsfähigkeit bei geringem Eigengewicht hat wie Holz. Da habe ich mir gedacht, das ist für eine Logistikhalle genauso interessant. Zudem nimmt man, wenn man Holz verwendet, aktiv CO2 aus der Luft und bekommt eine andere Arbeitsatmosphäre auch noch dazugeschenkt.

Unser Vertriebsmann hat während dieser Zeit Firmen, mit denen er in Verhandlung war, von unserer Überlegung erzählt, eine Lagerhalle aus Holz zu bauen. Eine der beiden Firmen hat das sehr interessiert und sie hat uns sieben Wochen später den Zuschlag erteilt. Dabei haben wir unterschreiben müssen, dass wir ihre Ware in einer Holzhalle lagern werden. Jetzt haben wir das Gebäude in Holz bauen müssen, und das auch noch superschnell. Mitte Oktober haben wir die Unterschrift geleistet und im Juli sollten die ersten Waren eingelagert werden.

Der Neubau hat im Vergleich mit dem Standardangebot aus Sandwichpaneelen auf der grünen Wiese 6 Prozent mehr gekostet. 
Da rede ich jetzt nicht von Lebenszykluskosten, sondern nur von Errichtungskosten. Ich würde sagen, 10 bis 15 Prozent sollte man einplanen. Das ist aber für Logistikunternehmen immer noch viel. Je nachdem, wie diszipliniert man ist, arbeitet man das in vier bis elf Jahren herein. Durch den Passivhausstandard ist dann das eigene Verhalten auf einmal der größte Kostenfaktor. Sobald ein Tor länger offensteht, macht das einen riesigen finanziellen Unterschied aus. Ich bin überzeugt davon, dass in dieser Holzhalle die Qualität der Arbeit besser ist. In dieser Halle wirst du viel mehr als Mensch angesprochen, der Respekt voreinander, vor der eigenen Arbeit und vor dem Produkt ist höher. Hier strahlt die Umgebung das Niveau aus.“

Ökobilanz

  • Treibhauspotenzial: 1,55 kg CO2-equiv.⁄m3BRIa
  • Primärenergie, erneuerbar: 7,1 kWh⁄m3BRIa
  • Primärenergie, nicht erneuerbar: 0,5 kWh⁄m3BRIa
  • Berechnung Ökobilanz: BZB Projektmanagement GmbH, Linz⁄A, www.bzb-projekt.at; RM-Engineering, Graz⁄A, www.rm-e.at
  • nach folgenden Richtlinien: DIN EN ISO 14040 und DIN EN ISO 14045
  • Betrachtungszeitraum: 20 Jahre
  • Baudatenbank: Ökobaudat, www.oekobaudat.de

Gebäudekennwerte

  • Bruttogeschossfläche (BGF): 12.117 m2 (davon ca. 1.000 m2 Büro)
  • Bruttorauminhalt (BRI): 138.913 m3
  • Heizwärmebedarf: 4,0 kWh⁄m2a (Büro), 10,3 kWh⁄m2a (Lager)
  • Endenergiebedarf: 10,7 kWh⁄m2a
  • Primärenergiebedarf: 28,0 kWh⁄m2a
  • Stromerzeugung: Photovoltaikanlage (optional), Ökostrom, Geothermie⁄Grundwasser

Konstruktion

  • Außenwand: Holzrahmenbau mit 24 cm Mineralwolldämmung und Holzfassade in Weißtanne
  • Wandstärke: 38,75 cm U-Wert 0,14 W⁄m2K (Lager), 0,18 W⁄m2K (Büro)
  • Dach: Leimbinder, 28 cm Mineralwolldämmung, EPDM-Folie
  • Dachaufbau: 59 cm U-Wert 0,14 W⁄m2K

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at

Büro- und Lagergebäude, Hörsching bei Linz/A

Standort

Hörsching bei Linz/A

Bauherrschaft

Schachinger Logistik (Hörsching/A)
www.schachinger.com

Architektur

Poppe*Prehal Architekten ZT GmbH (Steyr/A)
www.poppeprehal.at

Statik

Krückl-Seidel-Mayr & Partner ZT-GmbH (Perg/A)
http://www.ksm-ingenieure.at/

FS1 Fiedler Stöffler, Innbruck/A
http:www.fs1-gmbh.at

Holzbau

MHB – Holz und Bau GmbH (Waidhofen/Ybbs/A)
www.mhb.co.at

Gebäudedaten

12.117 m2 Bruttogeschossfläche davon ca. 1000 m2 Büro  

verbaute Menge Brettsperr- und Brettschichtholz

  • Brettschichtholz: 1250 m3
  • Brettsperrholz: 350 m3
  • Konstruktionsvollholz: 470 m3    

Energiekennzahl

10,3 kWh/m3 (Passivhausstandard)  

Fertigstellung

Oktober 2013