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Dort, wo Wien am dichtesten ist

Gabriele Kaiser
Erschienen in
Zuschnitt 66: Dichter in Holz
Juni 2017, Seite 14

Mariahilf ist einer der dichtestbebauten Bezirke in Wien. Hier stand eine verfallene Werkstattbaracke im Hinterhof zum Verkauf. Mit dem Abbruch wäre das Baurecht erloschen, daher kam nur ein stückweises Abtragen und Erneuern des Bestands in den vorhandenen Umrissen infrage. Die Bauherrin erkannte das Wohnpotenzial des Ortes und ­beauftragte die Architekten Froetscher Lichtenwagner. Diese entschieden sich nicht zuletzt aufgrund der schwierigen Baustellensituation (keine direkte Straßenanbindung, winziger Bauplatz) für eine Holzständerbauweise. Für das Versetzen der Elemente kam ein am Nachbargrundstück vorhandener Baukran wie gerufen. Dem Wunsch der Bauherrin nach »separaten Zimmern« folgend, entwarfen die Architekten auf einer mineralisch beschichteten Bodenplatte ein lockeres Gefüge aus schlichten, frei stehenden Wohn-Boxen, die wie die Fas­sade mit vertikalen Lärchenholzleisten bekleidet sind. Die Bereiche zwischen den Boxen sind verglast und können über große Schiebe­Flügel geöffnet werden. Ein Dachfenster sorgt zudem über den gesamten Tagesverlauf für ausreichende Belichtung. Es sind also nicht nur die Rohdachböden der Gründerzeithäuser, sondern auch unscheinbare Hinterhöfe, die erstaunliche Raumreserven bereit halten.

Foto

© Stephan Huger

Text

Gabriele Kaiser
freie Architekturpublizistin und Kuratorin; 2010–2016 Leiterin des architekturforum oberösterreich (afo); seit 2009 Lehrauftrag an der Kunstuniversität Linz; lebt und arbeitet in Wien.

Dort, wo Wien am dichtesten ist

Standort

Millergasse, Wien/A

Bauherr

privat

Planung

Froetscher Lichtenwagner Architekten, Wien/A, www.froetscherlichtenwagner.at

Statik

Werkraum Ingenieure, Wien/A, www.werkraum.com

Holzbau

Kreativer Holzbau e. U., Zwettl/A, www.kreativerholzbau.at

Fertigstellung

2008