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Weiterbauen mit Holz

Frank Lattke
Erschienen in
Zuschnitt 66: Dichter in Holz
Juni 2017, Seite 6–7

Die Zukunft des Bauens liegt im Weiterbauen des Gebäudebestands. Das gilt nicht nur für den urbanen Raum, auch in ländlichen Gebieten geht es darum, durch den respektvollen Umgang mit dem Bestand die vorhandene lokale Identität zu bewahren und angemessen weiterzuentwickeln. In den dicht besiedelten Stadträumen sind kaum noch Flächen für Neubauten vorhanden. Statt in die Breite zu wachsen, wird sich die Stadtentwicklung in Zukunft darauf konzentrieren, die Höhe zu nutzen und Restflächen zu aktivieren. Bestehende Gebäude und Quartiere bieten ein großes Potenzial zur Nachverdichtung.

Der Holzbau, vor allem der vorgefertigte Holzbau, eignet sich besonders für das Bauen im Bestand, weil hier wirtschaftliche, schnelle, störungsarme und präzise Bauweisen gefragt sind. Außerdem zeichnet
sich der regenerative Baustoff Holz gegenüber anderen Materialien durch sein geringes Gewicht aus.

Das Weiterbauen mit Holz erlaubt den respektvollen Umgang mit vorhandener Baukultur und steht ­zugleich für einen ökologischen Ansatz, da durch den Erhalt der Bausubstanz und die Verwendung nachwachsender Rohstoffe der Gebäudelebenszyklus deutlich verlängert wird. Die vorgefertigte, elementierte Holzbauweise ist geradezu prä­destiniert für die innerstädtische Verdichtung, weil gerade in beengten ­Verhältnissen die Vorteile des ­durchgängig geplanten Bauablaufs unter Berücksichtigung der Baustellenlogistik vollständig ausgelotet werden können.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Text „Neues Bauen im Bestand“, erschienen in Bauen mit Holz. Wege in die Zukunft, ­Hermann Kaufmann, Winfried Nerdinger (Hg.), München 2016.

Warum Holz sich für Nachverdichtung in Ballungszentren gut eignet:

Konstruktion

  • leichte Bauweise (gerade bei Bestandsbauten mit geringen statischen ­Reserven von Bedeutung)
  • erlaubt individuelle ­Lastenverteilung auf bestehende Tragstruktur – auch bei größeren Spannweiten

Ausführung

  • durchgängig planbarer Bauablauf
  • hoher Vorfertigungsgrad
  • von der Jahreszeit weit­gehend unabhängige Bauzeit
  • hohe Präzision und Qualität

Gestaltung

  • keine gestalterischen Einschränkungen in Bezug auf Form, Fassade und Innengestaltung
  • Die Dimension der ­Bauteile muss an Baustellengegebenheiten und Transportmöglichkeiten angepasst werden. (Nachteil)

Logistik

  • schnelle Bauzeit durch ­hohe Vorfertigunggeringe Störung des Wohnumfelds durch schnelle Bauweise
  • Die Bauarbeiten können auch im bewohnten Zustand des Objekts stattfinden.
  • keine langfristige Baustelleneinrichtung erforderlich (gerade Baustelleneinrichtungen auf öffentlichem Grund sind mit hohen Kosten verbunden)

Nachhaltigkeit

  • Der Lebenszyklus des ­Bestandsgebäudes wird ­verlängert.
  • Holz ist ein klimaneutraler Baustoff
  • Das Bauwerk kann wieder rückgebaut unddie Bauteile aus Holz können weiterverwertet werden.
Anbauten
Baulücke
Implantat
Aufstockung

Literatur

Text

Frank Lattke
ist selbstständiger Architekt in Augsburg und Partner im Europäischen Forschungsprojekt leanWOOD.
www.lattke-architektur.de