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Bauen mit Raummodulen 1

Stadt Zürich

Marcel Bächtiger im Gespräch mit Peter Ess
Erschienen in
Zuschnitt 67: Raumstapel
September 2017, Seite 6f.

Ein Gespräch mit Peter Ess, dem ehemaligen Zürcher Stadtbaumeister

Peter Ess, die Entwicklung eines Schulpavillons für die Stadt Zürich fand zu Beginn Ihrer Amtszeit als Direktor Amt für Hochbauten statt. Was war der Auslöser?

Als ich 1997 mein Amt antrat, wurde neben dem Schulhaus Aemtler gerade einer der damals üblichen Baustellencontainer aufgestellt. Das ärgerte mich schrecklich. Bei einem Stadtbaumeistertreffen in Thun sahen wir im Sommer 1997 einen frisch erstellten Kindergartenpavillon im Modulbau. Diese Idee wollte ich weiterverfolgen, und so begannen wir, mit Bauart an einem neuen Schulpavillon für Zürich herumzudenken. Ende des Jahres kam prompt eine Bestellung einer Schule für Provisorien. Das Modulsystem von Thun wurde in Rekordzeit überarbeitet und weiterentwickelt. Pünktlich zu Schulbeginn waren die ersten Züri-Modular-Pavillons bezugsbereit.

Was zeichnete den Schulpavillon aus?

Der Pavillon ist wie ein gut gestyltes Auto: ein in sich schlüssiges, attraktives Stück Architektur. Wichtig war uns, dass die Pavillons energetisch à jour waren, also gut isoliert und mit angenehmem Raumklima. Bauökologie und Nachhaltigkeit waren Themen, bei denen wir eine Pionierrolle einnahmen.

Ein Bauart-Pavillon war aber auch teurer als ein Baucontainer.

Die Kosten gaben im Vorfeld natürlich zu reden. Die geplanten Pavillons waren etwa 25 Prozent teurer als ein Baustellencontainer. Es gab Widerstand, vor allem von bürgerlicher Seite. In der vorbereitenden Gemeinderatskommission fragte ich in die Runde, wer wo in die Schule gegangen sei. Da gerieten die Kommissionsmitglieder ins Erzählen, lauter nostalgische Erinnerungen an die Schulräume der Kindheit kamen hoch. Als sie fertig waren, sagte ich: Seht ihr, genau darum geht es. Die räumlichen Erfahrungen in euren Schulen gehen euch nicht mehr aus dem Kopf. Es könne darum nicht sein, dass man ein Kind für seine gesamte Schulzeit in einen trostlosen Container stecke. 
Die Kommission hieß das Geschäft gut.

Und wie fielen schließlich die Reaktionen auf die ersten fertiggestellten Züri-Modular-Pavillons aus?

Bei der Lehrerschaft kamen sie unglaublich gut an, vom ersten Tag an. Vorher hatte die Frage immer gelautet: Wer muss ins Provisorium? Das änderte sich mit dem Züri-Modular. Lehrerinnen und Schulkinder fanden die Pavillons lässig, wie ein schönes Zelt. Das Image war gut. Sie haben tatsächlich etwas Zeitloses, sie gefallen mir immer noch.

Es sind auch noch alle in Betrieb.

Natürlich. Wir haben keinen einzigen entsorgen müssen. Die Pavillons sind auf zwanzig bis 25 Jahre ausgelegt, aber wir waren schon damals überzeugt, dass sie länger bestehen. Finanziell hat sich Züri-Modular also schon längst ausbezahlt. 
Die Erfolgsgeschichte hatte aber auch eine Kehrseite: Gewisse Politiker fanden plötzlich, dass man statt richtiger Schulhäuser einfach Pavillons bauen sollte, weil sie günstiger seien. Das stimmt so aber nicht. Die Lebensdauer ist im Vergleich doch beschränkt und der Landbedarf ist wegen der tiefen Geschossigkeit viel größer. Auf längere Dauer sind Provisorien nie besonders günstig, sie sind nur schnell verfügbar. Auch auf der gesellschaftlichen Ebene kann der Pavillon das Schulhaus nicht ersetzen.

Zuerst erschienen im Themenheft von Hochparterre, Bauen mit System, Mai 2017 und auf modulart.ch.

»Der Pavillon ist wie ein gut gestyltes Auto: ein in sich schlüssiges Stück Architektur.«
Peter Ess

Bauherr

Amt für Hochbauten Stadt Zürich, Zürich/CH

Planung

System Bauart Architekten und Planer, Bern, Neuchâtel, Zürich/CH, www.bauart.ch

Holzbau

Wey Modulbau AG, Wohlen/CH, www.weyag.ch (bis 2011); Blumer-Lehmann AG, Gossau/CH, www.blumer-lehmann.ch (seit 2012)

Foto

© Stadt Zürich

Interview

Marcel Bächtiger, Redakteur bei Hochparterre.wettbewerbe