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Editorial

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 67: Raumstapel
September 2017, Seite 3

Die Hallen des Holzbaubetriebs liegen gleich neben dem Brettsperrholzwerk. Diese Woche ist hier wenig los, es wird nur ein kleiner Auftrag von 28 Raummodulen fertiggestellt. Erst nächste Woche läuft die Produktion wieder richtig an, dann werden auf den am Boden montierten Schienen bis zu vier Boxen pro Tag gefertigt, insgesamt 120 bis Ende September. Sobald die Zimmerer die Wände aus Brettsperrholz zusammengebaut haben, kommt der Installateur für die Rohinstallationen, dann werden die Vorsatzschalen montiert sowie Fenster und Türen eingebaut. Haben die Boden- und Fliesenleger Split, Estrich, Abdichtung und die Bodenbeläge verlegt, kommt schon der Tischler für die Einbaumöbel. 
Ist ein Raum fertig und die Qualität kontrolliert, wird die Tür abgeschlossen und die Box verpackt. Kann mit der Montage begonnen werden, wird die Box auf einen Lkw gehoben und zur Baustelle transportiert. Bauen mit Raummodulen ist wie Bauen mit Lego. Es gibt ein bindendes Raster, aber innerhalb dieser engen und seriellen Vorgaben bietet sich eine große Bandbreite an Möglichkeiten. Für die Holzbaubranche ist das Vorfertigen von ganzen Räumen in der Halle ein Schritt zu einer noch höheren Vorfertigung. Oder wie Architekt Matthias Sauerbruch sagt: »Während die Industrie über ‚Industrie 4.0‘ nachdenkt, ist die Architektur allmählich bei der ‚Industrie 2.0‘ angekommen.«

Die zunehmende Nachfrage nach dieser Bauweise führt dazu, dass immer mehr Holzbaufirmen beginnen, Raummodule zu produzieren. Die einen bevorzugen Brettsperrholz, die anderen Holzrahmenwände. Auch der Vorfertigungsgrad variiert. Die enorme Bauzeitverkürzung bei zugleich hoher Ausführungsqualität macht die Bauweise für Bauherren wirtschaftlich interessant. Wir zeigen in diesem Zuschnitt, wo es sinnvoll ist, in Raummodulen zu bauen, und wo die Grenzen dieser Bauweise liegen.

Überall dort, wo politische Vertreter oder Behörden nach Auswegen aus der Wohnungskrise suchen, wird von modularen und seriellen Baulösungen gesprochen. Dies ist natürlich materialunabhängig – doch der Holzbau ist hier mit seinen Möglichkeiten der Vorfertigung, dem geringen Gewicht, der Haptik und den ökologischen Werten unschlagbar. Nicht vergessen werden darf dabei, dass nicht die Quantität über den Erfolg einer Bauweise entscheidet, sondern die Qualität.

»Die Geschwindigkeit ist der große Vorteil des Modulbaus. Dazu kommt die hohe Qualitätskontrolle, die bei der Vorfertigung im Werk möglich ist.«
Oskar Leo Kaufmann

»… eine auf das Minimum reduzierte Belästigung durch die Baustelle für die daneben lebenden Bewohner«
Johannes Kaufmann

»… kürzere Realisierungszeit, die geringeren Kosten sowie die Wiederverwendbarkeit an einem neuen Standort«
Bauart Architekten und Planer

»… die Möglichkeit, anhand eines Mustermoduls gemeinsam mit dem Bauherrn und den Handwerkern letzte Optimierungen vorzunehmen«
sitka.kaserer.architekten

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at