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Wohnmodul + Badmodul = Zwei- bis Dreizimmerwohnung

Wohnanlage in Finnland

Tarja Nurmi
Erschienen in
Zuschnitt 67: Raumstapel
September 2017, Seite 8f.

Der Knick in der Mitte der Fassade irritiert. Ist dieser Wohnbau wirklich aus immer gleichen, rechteckigen Raummodulen aufgebaut? Von außen ist dies nicht zu erkennen. 2015 wurde das in Jyväskylä stehende Mehrfamilienhaus fertiggestellt. Es nennt sich Puukuokka, hat acht Stockwerke und ist aus Raummodulen in Brettsperrholzbauweise errichtet. Die hofseitige Fassade mit den in unregelmäßiger Folge vorgehängten Balkonen ist mit unbehandeltem Lärchenholz verkleidet, während die straßenseitige Fassade mit den Loggien schwarz gestrichen wurde.

Die insgesamt 58 Wohnungen, die sich über einem Sockelgeschoss aus Beton befinden, sind 57 bis 76 m2 groß. Sie bestehen immer aus zwei Raummodulen: einem für Wohn- und Schlafzimmer mit Balkon bzw. Loggia und einem für Küche, Bad und Vorzimmer. Die Flurdecken lagern zwischen den Raummodulen der Wohnungen auf. Die Installationen sind im Hausflur untergebracht und ermöglichen so eine Wartung, ohne die Bewohner stören zu müssen. 
Die Innenwände sind aus brandschutztechnischen Gründen mit Gipskarton verkleidet. Die Raummodule wurden in einer nahe gelegenen Produktionshalle gefertigt, sodass die Bauzeit auf ein Minimum beschränkt werden konnte.

Was das Projekt auszeichnet, ist, dass es ein ökologischer Bau mit hochwertigen und zugleich bezahlbaren Wohnungen ist. Die Bewohner müssen vor dem Einzug nur eine geringe Anzahlung leisten, der restliche Kaufbetrag wird mit monatlichen Mietzahlungen über einen Zeitraum von ca. zwanzig Jahren abgetragen. Deshalb spielte auch die Wirtschaftlichkeit der Bauweise eine große Rolle. Die Energieeffizienz des Gebäudes, die Vorfertigung, die die Bauzeit vor Ort um die Hälfte reduzierte, die hohe Ausführungsqualität, die sich auf lange Sicht bezahlbar machen wird, und die Tatsache, dass die einzelnen Elemente die tragende Struktur bilden, haben laut Architekt Anssi Lassila vom Architekturbüro oopeaa zur ökonomischen Effizienz der Bauweise beigetragen.

Die fertiggestellte Anlage wird aus insgesamt drei Häusern bestehen, die der Kontur eines auf dem Grundstück befindlichen Naturfelsens folgen. Der zweite Baukörper wird Ende des Jahres fertiggestellt werden, der dritte im Sommer 2018. Das Konstruktionsprinzip der vorfabrizierten Raummodule bleibt auch bei den beiden folgenden Baukörpern das gleiche, es werden jedoch mehr kleinere Wohneinheiten angeboten.

Anssi Lassila hält das Bauen mit Massivholz-Raumelementen für sinnvoll und empfehlenswert: »Wenn man es schafft, die technischen Möglichkeiten auszunutzen und sich nicht nur mit Nachahmung zufriedenzugeben, wird auch die Raummodulbauweise eine durchaus realistische Option für viele (Holzbau-) Projekte.«

Text

Tarja Nurmi

ist eine finnische Architektin, Architekturkritikerin und journalistin. Sie schreibt für die Tageszeitung Kauppalehti und andere Printmedien, für finnische und internationale Architekturmagazine und produziert TV-Dokumentationen.

Wohnanlage in Finnland

Standort

Väinönkatu/Yliopistonkatu, Jyväskylä/FI

Bauherr

Lakea Oy, Seinäjoki/FI, www.lakea.fi

Planung

oopeaa, Helsinki/FI, www.oopeaa.com

Statik

Sweco, Helsinki/FI, www.sweco.fi

Holzbau

Stora Enso Wood Productions GmbH, Helsinki/FI, www.clt.info

Fertigstellung

2015