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Elmgreen & Dragset

Stefan Tasch
Erschienen in
Zuschnitt 68: Holztür
Dezember 2017, Seite 28

Elmgreen & Dragset

Das dänisch-norwegische Künstlerduo Elmgreen & 
Dragset unterwandert mit seinen Skulpturen, Installationen und Performances das Alltägliche und uns Vertraute mit gesellschaftskritischem Witz und subversivem Humor. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählt die 2005 in der texanischen Wüste errichtete Prada-Boutique »Prada Marfa«. Mitten im Nirgendwo kann der Besucher durch zwei große Schaufenster die Herbst/ Winterkollektion des Modelabels sehen, ohne jedoch das Geschäft betreten zu können. Die Eingangstür ist versiegelt. Das absurde Setting von »Prada Marfa« ist allerdings weniger als Konsumkritik zu verstehen, sondern setzt sich vielmehr mit dem kunsthistorischen Erbe des Minimalismus – in Marfa befindet sich auch die Chinati Foundation, ein dem Künstler Donald Judd gewidmetes Museum – und dem »White Cube« als idealtypischen Ort für zeitgenössische Kunst auseinander.

Die kritische und ironische Hinterfragung zeitgenössischer Dogmen und deren Präsentationsformen war auch Gegenstand ihrer letzten großen Einzelausstellungen im Ullens Center for Contemporary Art (UCCA) in Peking 2016. Elmgreen & Dragset konzipierten unter dem Ausstellungstitel »The Well Fair« eine vermeintlich kommerzielle Verkaufsmesse. Unter Verwendung einer konventionellen Messearchitektur waren allerdings nicht wie üblich Arbeiten unterschiedlicher Künstler zu sehen, sondern ausschließlich das Werk des Künstlerduos – eine Art Retrospektive ihres Schaffens der letzten zwanzig Jahre. Mit dieser begehbaren Installation thematisieren die Künstler nicht nur die strategischen Verflechtungen zwischen Institutionen und dem Kunstmarkt, sondern fordern auch den Besucher heraus, seine Sehgewohnheiten zu hinterfragen: Der Besucher befindet sich in einer Situation, in der zwar vieles an eine normale Kunstmesse erinnert, aber nichts so ist, wie es scheint, und institutionelle sowie architektonische Parameter ad absurdum geführt werden.

Die hier abgebildete Arbeit »Plus One« von 2015 ist eine Tür, auf der das Akronym vip für very important person zu lesen ist. Sie verweist auf ironisch-bissige Weise auf die elitären Auswüchse kommerzieller Kunstmessen. Mit jeweils gespiegelten Türschnallen links und rechts sowie den dazugehörigen Scharnieren auf beiden Seiten ist es allerdings unmöglich, diese Tür zu öffnen – dem vip und seiner Begleitung (Plus One) ist der Eintritt verwehrt. 
Indem Elmgreen & Dragset diese Kunstmesse, 
auf der man nichts kaufen kann, in einem institutionellen Rahmen zeigen, verweisen sie auf die wechselseitigen Abhängigkeiten im Kunstbetrieb zwischen Museen, Kuratoren und Sammlern (vip).

»Plus One« auf der Ausstellung »The Well Fair«, 2015

Elmgreen & Dragset

Michael Elmgreen, geboren 1961 in Kopenhagen, Dänemark

Ingar Dragset, geboren 1969 in Trondheim, Norwegen

leben und arbeiten in Berlin

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 2017 Die Zugezogenen, Museum Haus Lange, Krefeld
  • 2016 Van Gogh’s Ear, Public Art Fund, New York; The Well Fair, Ullens Center of Contemporary Art (UCCA), Peking
  • 2015 Stigma, Massimo De Carlo, London; Aéroport Mille Plateaux, plateau, Samsung Museum of Art Seoul, Seoul
  • 2014/15 Biography, Statens Museum for Kunst, Kopenhagen; The Old World, Galerie Emmanuel Perrotin, Hongkong
  • 2013 Tomorrow, Victoria and Albert Museum, London

 Gruppenausstellungen (Auswahl)

  • 2017 15th Istanbul Biennial, 
Istanbul (Kuratoren); ARoS Triennial, the garden – End of Times; Beginning of Times, Aarhus
  • 2016 The Others, curated by Elmgreen & Dragset, König Galerie, Berlin; Warten. Zwischen Macht und Möglichkeit, Hamburger Kunsthalle, Hamburg
  • 2015/16 Slip of the Tongue, Punta Della Dogana, Venedig; Panorama, High Line Art, New York
  • 2014 Attention Economy, Kunsthalle Wien, Wien; côté intérieur, Kunstpavillon, Innsbruck
  • 2013 Mom, am I barbarian?, 13th Istanbul Biennial, Istanbul auf Zeit. Was hinter dem Putz steckt, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, Baden-Baden 

Text

Stefan Tasch

Studium der Kunstgeschichte in Wien und Edinburgh, Arbeit in verschiedenen Museen und Galerien