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Holz im Rampenlicht

Türen im Wohnbau

Esther Pirchner
Erschienen in
Zuschnitt 68: Holztür
Dezember 2017, Seite 16f.

Wohnbauten, sagt Johannes Wiesflecker, hätten ab einer gewissen Größe die Eigenschaft, dass man als Architekt städtebaulich einen Mehrwert schaffen könne. So ist auch das Projekt am Innsbrucker Fürstenweg 49 mit seinen knapp hundert Wohnungen, das Wiesflecker gemeinsam mit Michael Kritzinger umgesetzt hat, ein städtebaulicher Beitrag zur Tiroler Landeshauptstadt mit ihren heiß umkämpften Bauflächen. Den Architekten ging es – wie auch bei anderen Projekten – jedoch nicht nur um Aussage und Wirkung des urbanen Äußeren, sondern um eine Schichtung vom öffentlichen und halböffentlichen Raum über die Erschließungszonen bis zu den Wohnungen. Eine besondere Rolle spielen dabei die Inszenierung der Räume und die Wahl der Materialien, was am Fürstenweg unter anderem an der Gestaltung der Türen abzulesen ist.

Während die Hauseingangstüren aus Metall sind – passend zu den Metallverkleidungen der Fassade – und die Zimmertüren weiß beschichtet, markierten die Architekten den Übergang vom Urbanen zum Privaten durch die Kombination von Sichtbeton und Holz. Als jenes »Element, das die Wohnung sinnlicher macht«, zeigt sich das Holz zuerst in den Handläufen im Stiegenhaus, »ein ganz kleines, aber wichtiges Detail«, wie Johannes Wiesflecker ausführt. Seinen großen Auftritt hat das Material dann bei den Wohnungstüren, die in Eiche längsfurniert sind und einen eleganten Kontrast zum sie umgebenden Sichtbeton bilden. Besonderen Wert legten die Architekten darauf, dass die Türen als »Entree oder Visitenkarte der Wohnung« Großzügigkeit ausstrahlen und sauber detailliert sind. Sie entschieden sich schlußendlich gegen die Idee, die Türen raumhoch auszuführen, erzielten die gleiche ästhetische Wirkung aber durch einen Kniff: Oberhalb der Türen wurden Nischen im Rohbeton ausgespart, die mit dem gleichen Holz verkleidet sind und in ihrem Inneren ein Licht verbergen – ein starker Akzent in dieser Inszenierung der Räume und Materialien, der auch beim privaten Bauträger großen Anklang fand.

Die Zufriedenheit der Auftraggeber ist für die Architekten umso erfreulicher, als über den Einsatz von Holztüren aus Kostengründen anfangs heftig diskutiert worden war. Dass der Bauherr schließlich den Eichenfurniertüren gegenüber den günstigeren weiß beschichteten den Vorzug gab, bestärkt die Architekten darin, auch bei zukünftigen Wohnbauten weiterhin ungewöhnliche Lösungen zu suchen und umzusetzen.

 

Text

Esther Pirchner
ist Journalistin mit Schwerpunkt Musik, Lektorin und Autorin von Programmbüchern. 

Wohnbau Fürstenweg 49 + 49a-c

Standort

Fürstenweg 49 + 49a-c, Innsbruck/A

Bauherr

Weinberg Bauträger und Projektentwicklungs Gmbh, Innsbruck/A, www.weinberg.at; Rieder Gmbh & Co KG, Ried im Zillertal/A, www.rieder-zillertal.at

Planung

wiesflecker-architekten, Innsbruck/A, www.wiesflecker-architekten.com, 
Michael Kritzinger Architekt, Innsbruck/A, www.michaelkritzinger.at

Statik

Gerhard Neuner, Rum/A, www.nzt.at

Innentüren

Johann Huter & Söhne, Innsbruck/A, www.huter.soehne.at

Fertigstellung

2016

Innentür/Wohnungseingangstür

Funktion

Wohnungseingangstür

Öffnungsart

Drehflügeltür

Flügelanzahl

Einflügelig

Durchgangslichte

90 x 210cm

Türblattdicke

70mm

Falzquerschnitt

Zweifach gefälzt

Türblattkonstruktion

Vollbautür

Oberfläche

Eichenfurnier

Türzarge

Pfostenstock Massivholz in Eiche

Wärmedämmung

Ud < 1,4 W/m2K

Schallschutz

Rw = 42dB

Brandschutz

EI2 30C-Sm (zum Stiegenhaus) bzw. EI 30 (zum Gang)