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Thomas Schütte

Stefan Tasch
Erschienen in
Zuschnitt 69: Bauen am Berg
März 2018, Seite 28

Thomas Schütte

Das Werk des Künstlers Thomas Schütte berührt nahezu alle Bereiche der bildenden Kunst. Bereits in seiner Studentenzeit an der Kunstakademie in Düsseldorf beschäftigte er sich mit Zeichnungen, Skulpturen, Installationen und architektonischen Modellen. Vor allem das Spannungsverhältnis von Skizze und Modell zu ihrer potenziellen Realisierung wurde zu einem zentralen und immer wiederkehrenden Aspekt in seiner Arbeit. In den frühen 1980er Jahren begann Schütte – auch als Reaktion auf seine ersten, ernüchternden Erfahrungen mit Großausstellungen wie Westkunst (Köln 1981) – an den »Bunker Modellen« zu arbeiten. Aus Gips, Farbe und Papier fertigte Schütte diese Rückzugs- bzw. Schutzorte und reagierte damit nicht nur auf ein Grundbedürfnis des Menschen nach Selbsterhalt und Sicherheit, das im Kalten Krieg (1947–89) besonders ausgeprägt schien, sondern thematisierte damit auch die künstlerische Autonomie, die immer wieder aufs Neue zu verteidigen ist. Zwischen 2002 und 2009 entstanden die »Kreuzzug Modelle«, die vor dem Hintergrund des Anschlags auf das World Trade Center unterschiedliche Formen architektonischer und gesellschaftspolitischer Ideologien durchdeklinieren. Die ersten Modelle aus dieser Serie, das »Ferienhaus für Terroristen« oder »One Man House II«, wurden etwas später von Sammlern des Künstlers in Tirol und Roanne tatsächlich gebaut. Charakteristisch für alle realisierten Häuser Schüttes ist, dass ihnen mehrere Modelle im Maßstab 1:10 oder 1:20 vorausgehen. Sie beinhalten in der Regel bereits alle architektonischen Lösungen, die weniger auf permanente Nutzung und Ökonomie ausgerichtet sind, als vielmehr die eigenständigen und unkonventionellen Ideen Schüttes unterstreichen. Die hier abgebildete Arbeit von 2014 »Kristall II (Modell 1:1)« wurde 2017 im Rahmen der Gruppenausstellung »Elevation 1049 – Avalanche« im öffentlichen Raum gezeigt. Gstaad, in den Schweizer Alpen gelegen, war der Ausstellungsort dieses zwischen Skulptur und Architektur konzipierten »Modells«. Geringfügig adaptiert, wurde »Kristall II (Modell 1:1)« auf einen Holzsockel platziert und wirkte wie ein Basislager oder Schutzhaus für Wanderer und Bergsteiger. Die aus Holz konstruierte begehbare Skulptur ist außen mit Kupfer verkleidet und innen mit einer Sitzbank ausgestattet, von der aus man in die Landschaft sowie auf eine Keramik von Schütte blicken kann. Die künstlerische Freiheit Schüttes ermöglicht einen ungewöhnlichen und von bürokratischen Zwängen losgelösten Zugang zur Architektur. Fern von Macht- und Zweckdenken steht immer der Mensch im Mittelpunkt der Überlegungen.

Zwischen Skulptur und Architektur: Kristall II (Modell 1:1)

Thomas Schütte

geboren 1954 in Oldenburg
lebt und arbeitet in Düsseldorf

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 2018 Thomas Schütte Stiftung, Skulpturenhalle, Neuss
  • 2017 carlier | gebauer, Berlin
    Frith Street Gallery, London
  • 2016/17 United Enemies, Moderna Museet, Stockholm
  • 2016 Konrad Fischer Galerie, Düsseldorf
  • 2015 Bernier/Eliades Gallery, Athen
    Crystal, site-specific installation, The Clark Art Institute, Williamstown/US
  • 2014 Cahiers d’Art, Paris
  • 2013/14 Houses, Kunstmuseum Luzern, Luzern
    Figur, Fondation Beyeler, Basel
    Frauen, Museum Folkwang, Essen Gruppenausstellungen (Auswahl)

Gruppenausstellungen (Auswahl)

  • 2018 The Playground Project, Bundeskunsthalle, Bonn
    Papier.Salon, Wentrup Gallery, Berlin
  • 2017 Skulptur Projekte, Münster
    moving is in every direction, Hamburger Bahnhof, Berlin
  • 2016 Wolke & Kristall – Die Sammlung Dorothee und Konrad Fischer, Kunstsammlung Nord-rhein-Westfalen, Düsseldorf
    With a touch of pink – with a bit of violet – with a hint of green – Dorothee Fischer – in memoriam, Konrad Fischer Galerie, Düsseldorf
  • 2015 A Few Free Years: Von Absalon bis Zobernig, Hamburger Bahnhof, Berlin
    Passagen. Kunst im öffentlichen Raum Hamburg seit 1981, Kunsthaus Hamburg
  • 2014 The Human Factor: The Figure in Contemporay Sculpture, Hayward Gallery, Southbank Centre, London

Fotos

© Bildrecht, Wien/Rupert Huber (oben)
© Bildrecht, Wien/André Morin (unten)

Text

Stefan Tasch
Studium der Kunstgeschichte in Wien und Edinburgh, Arbeit in verschiedenen Museen und Galerien