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Nachgefragt

Wie kann man die Planungsprozesse im Holzbau effizienter gestalten?

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 70: Planungsprozesse
Juni 2018, Seite 10f.

Wie kann man die Planungsprozesse im Holzbau effizienter gestalten? Welche Stellschrauben sind entscheidend?

Andreas Wabl: Für viele Bereiche, insbesondere bei Brettsperrholz, bezieht sich nach wie vor jeder Hersteller auf seine eigenen Erfahrungen, Prüfungen und Unterlagen. Eine Vereinheitlichung im eigentlichen Sinne gibt es bislang noch nicht.

Florian Nagler: Eigentlich müsste die komplette Planungsstruktur geändert werden und der zumindest bei öffentlichen Bauvorhaben in Deutschland übliche Ablauf von Planung, Ausschreibung, Angebot, Umplanung, Nachtrag, Ausführung und Streit durchbrochen werden!

Wolfgang Aigner: Die entscheidende Stellschraube zur Effizienzsteigerung im Holzbau ist eine Zusammenarbeit des Architekten und Holzbauunternehmens zu einem bereits sehr frühen Zeitpunkt – idealerweise schon in der Entwurfsphase. Dies setzt aber einerseits das Know-how des Holzbauunternehmens voraus, andererseits ein entsprechendes Architekturverständnis des Holzbauers.

Simon Speigner: Man muss gemeinsam im Team mit kompetenten Fachplanern früh die richtige Systemwahl treffen.

Johann Saurer: Aus meiner Sicht ist für eine effizientere Errichtung von Holzbauten entscheidend, dass die ausführenden Firmen so früh wie möglich eingebunden werden. Weiters ist in der Lehre noch sehr viel zu tun, weil es in Bezug auf Holz sehr wenige gut ausgebildete Planer – sowohl Fachplaner als auch Architekten – gibt.

Bernd Troppmann: Der BIM-Prozess wird auch bei uns in Österreich immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die Skandinavier leben uns die Einfachheit und Selbstverständlichkeit in dieser Hinsicht vor. Schnittstellen werden dadurch reduziert. Dies sehe ich als wesentliche Stellschraube, um zu durchgängigen Abläufen für alle Beteiligten zu gelangen.

Konrad Merz: Die entscheidenden Stellschrauben sind die Kompetenz (Ausbildung und Erfahrung) der Planer, angemessene Honorare und vernünftige Planungszeiten. Probleme gibt es, wenn Leistungen nicht oder zu spät erbracht werden und wenn, meistens aus Unerfahrenheit, schlechte Arbeit geleistet wird.

In welcher Konstellation, Kooperation bzw. welchem Verfahren haben Sie bisher die beste Erfahrung in Bezug auf Planungsprozesse von Holzbauten gemacht?

Bernd Troppmann: Das Zur-Verfügung-Stellen von technischen Lösungen, kostenlose Bemessungssoftware und noch viele andere Tools helfen allen Beteiligten, den Grad der Standardisierung zu verbessern und dadurch auch einfacher zu werden.

Konrad Merz: In vielen verschiedenen Konstellationen, vom ‚konventionellen‘ Planungsprozess bis hin zu TU-Modellen. Welches Model das geeignete ist, hängt auch entscheidend von Randbedingungen (Bauaufgabe, Planungszeit, Region, Bauherrschaft usw.) ab. Der Erfolg ist weniger von den Verfahren abhängig als vielmehr von der Kompetenz der Beteiligten.

Johann Saurer: Die beste Erfahrung bei der Umsetzung von Holzbauprojekten und einer konsequenten Planung haben wir unter anderem dort gemacht, wo wir sehr früh eingebunden waren. Weiters haben wir einmal ein Ausschreibungsverfahren initiiert, bei dem sich ein Architekt und ein Holzbauer zu einem Team zusammentun und einen Entwurf samt Fixpreis abgeben mussten. Diese Projekte sind wirtschaftlich am interessantesten, weil bereits in der Planungsphase wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden. Auch der Bauherr weiß, welche Kosten auf ihn zukommen.

Simon Speigner: Gegenseitiges Verständnis und lösungsorientierte Zusammenarbeit führen zu besten Ergebnissen – aus dieser Erfahrung heraus haben wir auch den Wohnbau Hummelkaserne in Graz als Team aus Planer und Ausführenden angeboten und den Wettbewerb gewonnen. So konnten wir von Anfang an gemeinsam die Planung vorantreiben und die Gestaltungsqualität bis zur Ausführung sichern. Wesentlich ist darüber hinaus, dass der Bauherr hinter der Ausführung des Gebäudes als Holzbau steht und diese Komplexität mitträgt.

Wolfgang Aigner: Die besten Erfahrungen bei Planungsprozessen machen wir immer dann, wenn die Planer bereits in einem sehr frühen Vorentwurfsstadium zu uns kommen.

Andreas Wabl: Wir sehen die besten Erfahrungen in einer engen Abstimmung zwischen den Projektbeteiligten und der Industrie. Es ergibt Sinn, wenn sich der Generalunternehmer um die Detailplanung kümmert und die entsprechenden und nötigen Schnittstellen koordiniert. Systeme und Details können schnell und effektiv adaptiert werden, wenn die Beteiligten von einem Verantwortlichen instruiert werden.

Florian Nagler: Am meisten Freude haben uns die Projekte gemacht, bei denen wir gemeinsam mit den Handwerkern die Details entwickelt und dann umgesetzt haben. Das ist bei öffentlichen Bauvorhaben in Deutschland aufgrund des Vergaberechts leider fast nicht möglich. Wenn man so arbeiten darf, merkt man erst, wie effizient gemeinsame Arbeit sein kann und wie viel Freude eine solche gemeinsame Arbeit macht!

Wolfgang Aigner, Meiberger Holzbau GmbH
www.holzbau-meiberger.at

Konrad Merz, Tragwerksplaner
www.mkp-ing.com

Florian Nagler, Architekt
www.nagler-architekten.de

Johann Saurer, Kulmer Holz-Leimbau GesmbH
www.kulmer-bau.at

Simon Speigner, Architekt
www.sps-architekten.com

Bernd Troppmann, Stora Enso Wood Products GmbH
buildingandliving.storaenso.com

Andreas Wabl, KLH Massivholz GmbH
www.klh.at

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at