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Planen im Holzbau

Ein Ländervergleich

Sonja Geier
Erschienen in
Zuschnitt 70: Planungsprozesse
Juni 2018, Seite 18f.

In den Ländern des D-A-CH-Raumes, Deutschland (D), Österreich (A) und der Schweiz (CH), ist das Planen zwar national durch Begrifflichkeiten, Bezugsgrößen und normative sowie gesetzliche Regelungen unterschiedlich geprägt, dennoch gibt es viele Gemeinsamkeiten: Das sequenzielle, phasenorientierte Vorgehen zur Detaillierung der Planung und die damit verbundenen Kostenermittlungen sind sehr ähnlich strukturiert. Auch das öffentliche Vergabewesen ist im D-A-CH-Raum auf den Grundprinzipien des freien Wettbewerbs aufgebaut, um die wirtschaftliche Mittelverwendung zu sichern.

Traditionelle Modelle der Vergabe und der Zusammenarbeit werden immer wieder als wenig geeignet für den vorgefertigten Holzbau deklariert, weil die Integration des notwendigen Know-hows z. B. durch die Einbeziehung eines Holzbauunternehmens in eine frühe Planungsphase wegen der Grundprinzipien der Gleichbehandlung und Transparenz im öffentlichen Vergabewesen ein rechtlicher Balanceakt ist. Kritische Stimmen sehen in diesem sogenannten Frontloading den baukulturell bedeutenden Entwurfsprozess im Korsett früher Produktbindung und überzogener Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen. Dass es rechtlich einwandfreie Handlungsspielräume und Lösungen gibt, die auch den Anforderungen des vorgefertigten Holzbaus entgegenkommen, ist weniger bekannt oder zu wenig als Routine etabliert.

Eine Lösung stellt die Einbeziehung eines Holzbauingenieurbüros nach Schweizer Vorbild dar. In der Schweiz etabliert sich zudem mit dem Gesamtleistungswettbewerb nach sia 142 ein Verfahren für integrative Teams von Planenden und Unternehmen, das für Holzbauprojekte gut geeignet ist.

Sehr ähnlich funktioniert in Österreich z. B. in der Steiermärkischen Wohnbauförderung das Generalübernehmermodell. In beiden Modellen arbeiten Architekturbüros und Holzbauunternehmen bereits im Wettbewerbsentwurf zusammen. Ein Nachteil beider Modelle ist der größere Aufwand für die Erarbeitung der eindeutigen Aufgabenstellung, insbesondere bei komplexen Projektanforderungen. Die notwendige Jury für den Vergabeentscheid ermöglicht – parallel zur preisorientierten – eine qualitative Bewertung des eingereichten Projekts.

Auch die Beratung durch Holzbauunternehmen vor der Vergabe muss nicht rechtswidrig sein, wenn transparent allen Anbietenden das Wissen zur Verfügung gestellt wird. Beispielsweise wurde in die Planung des Gymnasiums in Diedorf ein Holzbauunternehmen beratend einbezogen. Die Leistungen wurden vergütet und das Wissen allen Bietenden zur Verfügung gestellt. Das Vorgehen ermöglichte eine präzise Ausschreibung der Leistungen – mit vielen Vorteilen: eindeutige Unterlagen für die anbietenden Unternehmen und hohe Kostensicherheit für die Bauherrschaft.

In allen D-A-CH-Ländern ist die Möglichkeit von vorgezogenen Planungsleistungen gegeben. Diese Freiheit bieten die Ordnungen, Normen oder Modelle des D-A-CH-Raumes – oft genügt es, Teile der Ausführungsplanung vorzuziehen.

Während in allen drei D-A-CH-Ländern, unabhängig vom Holzbau, schon sehr detaillierte technische Informationen bereits zur Baubewilligung erforderlich sind, gehen Länder wie Großbritannien einen anderen Weg. In Großbritannien wird die Baubewilligung in einem zweistufigen Verfahren durchgeführt: In der »Planning Phase« werden die architektonische Gestaltung und die Einfügung in den städtebaulichen Kontext festgelegt. Erst wenn diese Bewilligung vorliegt, werden in der »True Design Phase« die konstruktiv-technischen Details geplant. Der Vorteil dabei ist, dass mit der ersten Stufe die grundsätzliche Entscheidung für das Projekt und damit eine sichere Basis für die weitere Detaillierung der Planung vorliegt. Im D-A-CH-Raum, insbesondere in der föderalistischen Umgebung der Schweiz, scheuen sich viele Bauherrschaften vor umfassenden Investitionen in integrale Planungsteams.

Großbritannien hat sich mit der gesetzlich verordneten Verwendung von Building Information Modeling (BIM) schon früh positioniert. Aufgrund dessen wurde im riba Plan of Work mit der Revision 2013 die Phase 0 eingeführt. Diese Phase thematisiert sehr konkret die Bedeutung der Bedarfsplanung, der strategischen Ausrichtung und vor allem die geeignete Teamzusammensetzung vor dem eigentlichen Projektstart. Das Pendant findet sich in Österreich im Leistungsmodell »Projektentwicklung (lm.pe)«. In Deutschland wird mit der Leistungsphase O »Projektvorbereitung« Ähnliches diskutiert.

Die sukzessive Implementierung von BIM wird ein Umdenken in Bezug auf die bisherigen Arbeitsweisen, unabhängig vom Holzbau, bedingen. Während die traditionellen Modelle der Vergabe eher die Trennung von Planenden und Unternehmen zur Sicherung der wirtschaftlichen Mittelverwendung fokussieren, hat BIM einen weitaus inklusiveren Charakter. Die automatisierte Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Gebäudemodell bedarf integrativer Planungsansätze. Die Grundprinzipien von holzbaugerechten Planungsprozessen und BIM weisen also in dieselbe Richtung. Und sie stellen bisherige Routinen und Vorgaben zu sequenziellen Planungsabläufen immer mehr infrage – unabhängig von den nationalen Rahmenbedingungen.

Quelle

leanWOOD.
www.holz.ar.tum.de/leanwood/final-report/
Final Report WoodWisdom-Net Projekt leanWOOD, 7 Bände, München-Luzern 2017:
Buch 2 – Rahmenbedingungen. Teil A und B: Analysen und Praxisspiegel, Sonja Geier, Frank Keikut;
Buch 3 – Teil A und B: Ausbildung, Sonja Geier, Frank Keikut, Manfred Stieglmeier;
Buch 4 – Teil A: Prozess, Wolfgang Huß, Manfred Stieglmeier;
Buch 5 – Teil A: Das Prinzip in der Ausführungs- und Werkstattplanung, Frank Lattke, Maximilian Schlehlein.

Vom Holzbau-Totalunternehmer zum Holz-Bauteam – alternative Vergabemodelle im Holzbau, 22. Internationales Holzbau-Forum ihf 2016, Sonja Geier, Garmisch-Partenkirchen 2016.

Evaluation of Collaboration Models. FP 7-E2ReBuild Report, Sonja Geier, Doris Ehrbar, Peter Schwehr

Text

Sonja Geier

studierte Architektur an der TU Graz und  ist stellvertretende Leiterin am Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur an der Hochschule Luzern
https://www.hslu.ch/de-ch/technik-architektur/forschung/kompetenzzentren/typologie-und-planung/