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Wohnbau in Serie

Begriffe und Initiativen

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 71: Wohnbau mit System
September 2018, Seite 24

In vielen Städten Europas, in Berlin, Wien, München oder Zürich, gibt es zu wenig leistbaren Wohnraum. Das Thema ist schon seit mehreren Jahren präsent. Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum wird von einigen deutschen Politikern auch als Antwort auf die soziale Frage unserer Zeit gesehen. Politik und Wohnungswirtschaft stehen unter großem Druck, sozial verträglich Wohnraum zu schaffen und anzubieten. Der Ruf nach einer seriellen Bauproduktion wird dabei immer lauter. Dabei werden jedoch oft Begriffe wie Standardisierung, serielle Fertigung und Bausysteme als Synonym für eine vorgefertigte Bauweise verwendet, ohne präzise zu unterscheiden, wofür die einzelnen Begriffe stehen. Um hier Klarheit zu schaffen, definierte die TU München im Zuge des Forschungsprojekts »Bauen mit Weitblick« diese Begriffe näher:

Standardisierung

Nach einem Muster vereinheitlichen. Eine Standardisierung und Modularisierung ermöglicht eine Kostensenkung bei großer Stückzahl und eine Aufwandsreduktion.

Industrialisiertes Bauen

Standardisierung sowohl des Planungs-, Produktions- als auch des Bauprozesses mit dem Ziel maximaler Rationalisierung

Serielles Bauen

Überbegriff für Bauweisen, die – im Gegensatz zum individualisierten Bauen – aufgrund von Standardisierungen einen Wiederholungsfaktor implizieren, mit dem Versprechen von Vereinfachung und damit Kostenersparnis.

System

Ein System ist ein aus mehreren Teilen bestehendes geordnetes Ganzes.

Bausystem

In einem Bausystem wird die Summe aller Elemente sowie deren Kombination planmäßig festgelegt.

Baukasten

Ein Baukasten ist eine Sammlung einer gewissen Anzahl verschiedener Elemente, aus welchen sich verschiedene Dinge zusammensetzen lassen.

Baukastensystem

Ein Baukastensystem besteht aus einer Anzahl von Bausteinen, die anwendungsspezifisch ausgewählt und unter Beachtung von Verträglichkeiten miteinander kombiniert werden, um in einem begrenzten Anwendungsbereich Baukastenprodukte zu konfigurieren. Die Bausteine besitzen normierte Gestalt- und Werkstoffeigenschaften und sind aufeinander abgestimmt.

Systembaukasten

Ein Systembaukasten ist ein Baukastensystem eines spezifischen Systems, beispielsweise eines speziellen Bausystems. Mit einem Systembaukasten können Produkte in einem Anwendungsfeld wie dem industrialisierten sozialen Wohnungsbau erstellt werden. Ein Systembaukasten ist also ein mögliches Baukastensystem in einer Bauweise.
Die große Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt in Kombination mit den hochentwickelten technischen Möglichkeiten des Holzbaus sind eine ideale Voraussetzung und Chance für den Holzbau, sich im Wohnungsbau zu etablieren. Große Holzbaufirmen und produzenten haben längst ihre eigenen Systeme entwickelt. Es gibt auch immer mehr Firmen, die in die Entwicklung von Raummodulsystemen investieren.

Siehe auch:

Bauen mit Weitblick – Systembaukasten für den industrialisierten sozialen Wohnungsbau

In einem Forschungsprojekt der Technischen Universität München wurde ein Baukasten entwickelt, mit dessen Hilfe Wohnbau
in serieller Bauweise schnell und günstig errichtet werden kann. Forschungsbericht zum Download: www.bauen-mit-weitblick.tum.de

Deutsche Wohnbau-Initiative »Serielles Bauen«

Die deutsche Wohnungswirtschaft unterzeichnete im Juni 2018 eine Rahmenvereinbarung für neun serielle und modulare Wohnungsbaukonzepte. Mit diesem europaweiten Wettbewerb will sie den Bau preisgünstiger Wohnungen in hoher Qualität beschleunigen. Öffentliche Wohnungsunternehmen haben nun die Möglichkeit, ohne weitere Verfahren Angebote aus der Rahmenvereinbarung lokal angepasst direkt zu realisieren. Im Zuge dieses europaweiten Ausschreibungsverfahrens für serielles und modulares Bauen erhielten neun Bieter den Zuschlag, darunter sind drei Unternehmen mit Bausystemen in Holzbauweise, in Holzmodulbauweise bzw. in Holz-Hybridbauweise. web.gdw.de/seriellesbauen

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at