Inhalt

Editorial

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 72: Das Ornament
Dezember 2018, Seite 3

Ein Ornament an einem Haus spricht den Betrachter an, es will ihm etwas erzählen, Assoziationen wecken oder eine bestimmte Wirkung hervorrufen. Dabei überdeckt die Wirkung die Tatsache, dass die Entwicklung und Ausführung dieses Ornaments viel handwerkliches Können erforderte oder zumindest viel Gedanken- und Entwicklungsarbeit. Der Mehrwert entsteht durch Mehraufwand. Das Ornament, das Muster oder der Zierrat will diese Mühe gar nicht thematisieren, es wohnt ihm eine Selbstverständlichkeit inne, eine Freude am Dasein. Diese Freude am schönen Objekt hat auch uns bei der Konzeption und Ausführung dieses Hefts begleitet.

Aber was ist überhaupt ein Ornament? Was unterscheidet es von einem Muster? Wir baten Architekten, Gestalter, Architekturtheoretiker und publizisten um ihre Interpretation. Wir hielten nach Ornamenten im Holzbau Ausschau und begegneten einer großen Vielfalt: Einmal ist das Ornament eine im wahrsten Sinne des Wortes oberflächliche Verzierung, einmal hat es eine Funktion, mal spielt es mit Assoziationen, mal vermittelt es einen religiösen Code. Im einen Fall ist es zweidimensional, im anderen räumlich konstruktiv. Bei jedem Projekt, das wir Ihnen vorstellen, finden Sie Anschauungshinweise: Wir zeigen, was man sieht (Titel), wie es gemacht ist (Untertitel), warum und wie der Architekt diesen Ausdruck gewählt hat (Text) und welche Wirkung es hat (Bild).

Es ist ein Heft voller Anregungen und Möglichkeiten, neue Blickwinkel und Perspektiven auf Bekanntes zu werfen. Es ist ein Heft, das in erster Linie Spaß machen soll beim Schauen und Lesen.

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at