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Ein Jahr voller Schadholz II

Nachgefragt

Alois Pumhösel
Erschienen in
Zuschnitt 72: Das Ornament
Dezember 2018, Seite 26f.

Rudolf Freidhager, Vorstandssprecher und Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz bei den österreichischen Bundesforsten

Auswirkungen

Wir hatten Trockenschäden, Windwurf und ab August große Borkenkäfermengen. In ganz Mitteleuropa fielen 50 Millionen Festmeter Schadholz an. Zu 80, 90 Prozent ist das die Fichte. Das Logistiksystem war stark unter Druck. Gleichzeitig sinken die Holzpreise. Bei uns lagen dabei die Holzerntekosten in diesem Jahr um drei Euro pro Festmeter höher als budgetiert – die Zusatzkosten lagen bei etwa 4,5 Millionen Euro.

Strategien

Ich verstehe, dass die Fichte für die Industrie eine wesentliche Baumart ist. Doch wenn die Bestände nicht mehr ausreichend wachsen, werden wir uns mit der Industrie abstimmen müssen. Wir bemühen uns, möglichst viele Baumarten zu haben, die die Industrie braucht.

Herbert Jöbstl, Vorsitzender des Verbandes der österreichischen Sägeindustrie

Auswirkungen

Frischholz ist in den betroffenen Gebieten Mangelware und der hohe Anteil an niedrigen Qualitäten stellt für die Sägebetriebe eine Herausforderung dar. Positiv ist, dass wir einerseits neue Märkte erschließen – zum Beispiel in Südostasien – und andererseits neue Produkte entwickeln konnten, die auch mindere Qualitäten zulassen. Das war eine Grundvoraussetzung, um diesen hohen Anteil an Käferholz überhaupt verarbeiten zu können.

Strategien

Da das Schadholzaufkommen in der Regel regional und zeitlich begrenzt ist, wird es notwendig sein, die Rundholz-Logistik zu verbessern. Des Weiteren spielen auch kurzfristig verfügbare Zusatzlager eine sehr wichtige Rolle bei der Abfederung des Problems. Damit sich unsere Wälder den Klimaveränderungen anpassen können, wird ihnen eine »gesunde Holzartenmischung« gut tun. Trotzdem sollte die Fichte aufgrund ihrer extrem guten Eigenschaften die Hauptholzart bleiben.

Franz Kepplinger, Vorstand des Waldverbands Oberösterreich

Auswirkungen

Die Borkenkäferpopulationen sind so stark, dass man selbst mit intensiver Arbeit kaum nachkommt. Der Druck ist enorm. Das Arbeitsaufkommen ist nicht planbar. Selbst kleine Waldbesitzer müssen Arbeitskraft zukaufen, um die Arbeit zu bewältigen, was sich negativ auf das Einkommen auswirkt. Auf dem Markt gibt es Abfuhrverzögerungen, teilweise ist die Qualität schlechter.

Strategien

Wir können nicht mehr nur auf eine Baumart setzen. Viele sagen: Lieber ein bisschen weniger Erlös, dafür auch weniger Käferrisiko. Wir versuchen seit 20 Jahren, die Tanne mehr in die Höhe zu bringen. Auch die Industrie wird sich auf die Tanne einstellen müssen. Die Baumart ist für Seehöhen unter 500 Metern gut geeignet. Auch anderes Nadel- und Laubholz werden dazukommen.

Felix Montecuccoli, Präsident der »Land & Forst«-Betriebe

Auswirkungen

Es gibt Kleinbetriebe, die ihr ganzes Waldvermögen verloren haben; drei, vier Hektar, auf denen kaum noch etwas steht. Das Gesamtaufkommen an Schadholz kennen wir noch nicht, in Österreich sind es zumindest 4 Millionen Festmeter.
Es wurde deutlich mehr Holz auf den Markt gebracht, als die mitteleuropäische Sägeindustrie verarbeiten konnte. Die Abfrachtung hat lange gedauert, das Holz wurde kreuz und quer durch ganz Europa geschickt.

Strategien

Wir werden die Sägeindustrie weiterhin ausreichend mit Fichtenholz versorgen können. Aber auch jüngere Bestände wird man Richtung Mischwald pflegen. Man wird im Ausmaß von 10 bis 50 Prozent andere Baumarten beimischen. Neben
der Qualität müssen wir in Zukunft verstärkt auf die Vitalität der Bäume schauen. Dazu brauchen wir auch weiterhin eine gute Infrastruktur, eine Verdichtung des Forststraßennetzes und mehr Lagerkapazitäten.

Prognose für 2018

 

Schadholz in Festmetern (fm) aufgrund des trockenen Sommers u. a.

Österreich: 4,8 Mio. fm
Deutschland: 27 Mio. fm
Schweiz: 1,7 Mio. fm
Tschechische Republik: bis zu 20 Mio. fm

Hinzu kommen noch die Schäden aufgrund des Sturms Vaia Ende Oktober 2018

Südtirol: 1,5 Mio. fm
Kärnten: 1 Mio. fm
Osttirol: 400.000 fm
Steiermark: 250.000 fm
Slowenien: 250.000 fm
Schweiz: 200.000 fm
Tirol: 100.000 fm
Bayern: 100.000 fm

Quellen:

Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (bmnt), Destatis (DE), Czech Statistical Office (CZ), Bundesamt für Statistik (CH)

Prognosen:

Holzkurier, Schadholz-Zentraleuropa, Gerd Ebner, 18.09.2018, Holzkurier, Schadausmaß, Gerd Ebner, 14.11.2018

Text

Alois Pumhösel
ist freier Journalist mit Schwerpunkt Wissenschaft, Umwelt und Technologie.