Inhalt

Richard Artschwager

Stefan Tasch
Erschienen in
Zuschnitt 72: Das Ornament
Dezember 2018, Seite 28
Richard Artschwager vor seiner »Door }«, 1983/84

Richard Artschwager wurde 1923 in Washington, D.C., als Sohn eines deutschen Botanikers und 
einer ukrainischen Malerin geboren. Er studierte zunächst Biologie, Chemie und Mathematik an der Cornell University in Ithaca, New York, bis er 1944 von der US-amerikanischen Armee zum Militärdienst eingezogen und nach Europa geschickt wurde. Nach Stationen in Frankfurt und Kassel arbeitete Artschwager in der Spionageabwehr in Wien, wo er auch seine erste Frau Elfriede Wejmelka kennenlernte. Sie bestärkte Artschwager nach dem Krieg, die Wissenschaft zugunsten der Kunst auf-zugeben, und so begann Artschwager in New York beim französischen Maler Amédée Ozenfant zu studieren. Um den Lebensunterhalt für sich und seine Familie zu verdienen, eröffnete er in den 1950er Jahren eine kommerzielle Werkstatt für Möbelbau. Sein Interesse an industriellem Material wie Resopal/Formica oder Celotex-Dämmplatten, das er in weiterer Folge auch für seine Kunst einsetzte, stammt aus dieser Zeit. Artschwagers Werk kann sowohl unter den Gesichtspunkten der Pop-Art als auch unter jenen des Minimalismus und der Konzeptkunst gesehen werden. In den meisten seiner Arbeiten verschieben sich die Grenzen zwischen Bild, Skulptur und Gebrauchsgegenstand wie in »Table with Pink Tablecloth« (1964), einem Holzkubus, den Artschwager so mit Formica überzog, dass er wie ein Tisch mit rosa Tischdecke aussieht. Artschwager: »It’s not sculptural. It’s more like a painting pushed into three dimensions. It’s a picture of wood.« Auch in der hier abgebildeten Arbeit »Door }« von 1983/84 wirkt die Oberfläche der Tür, die die natürliche Maserung des Holzes simuliert, künstlich und übertrieben. An die Stelle des Realen tritt das Künstliche in Form einer ornamenthaften Interpretation. Auch die Funktion der Tür wird ad absurdum geführt, weil sie zwar mit einem eleganten Glasknauf ausgestattet ist, sich aber nicht öffnen lässt. Die Gewohnheiten der Wahrnehmung sowie die ästhetischen, materiellen und räumlichen Erfahrungen von Kunst und Alltag stehen bei Artschwager dabei immer im Zentrum seiner künstlerischen Überlegungen.

Richard Artschwager

geboren 1923 in Washington, D.C., gestorben 2013 in Albany, New York

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 2019 Primary Sources, Gagosian, 980 Madison Avenue, New York
  • 2016 Books, Punctuation, Splats & Time, Krakow Witkin Gallery, Boston
    Sculpture/Eye/Painting/Touch, Peder Lund, Oslo
  • 2015 Punctuating Space: 
The Prints and Multiples 
of Richard Artschwager, 
The Frances Lehman Loeb Art Center at Vassar College, Poughkeepsie
  • 2014 No More Running Man, Gagosian, 980 Madison Ave, New York
    Nouveau Musée National Monaco, Monaco
  • 2013/14 Haus der Kunst, München
  • 2013 Hammer Museum, Los Angeles
    portraits!, Sprüth Magers, London
    One more show (Arch, Drum, Selfportrait), the National Exemplar, Gallery 2, New York
  • 2012/13 Whitney Museum of American Art, New York

Gruppenausstellungen (Auswahl)

  • 2018 concentration – a tribute, Gesellschaft für projektive Ästhetik, Georg Kargl, Wien
    From the Collection/Against the Wall?, Stedelijk Museum voor Actuele Kunst (s.m.a.k.), Gent
  • 2017 Art And Alphabet, Hamburger Kunsthalle, Hamburg
    Screen Memory, Simon Lee Gallery, London
  • 2016 Drawing Dialogues. Selections from the Sol LeWitt Collection, The Drawing Center, New York
    Ordinary Pictures, Walker Art Center, Minneapolis
  • 2015/16 Future Present. Die Sammlung der Emanuel Hoffman-Stiftung, Schaulager, Basel
  • 2015 Greater New York, MoMA ps1, New York
  • 1968 – 92 Teilnahme an der 4., 5., 7. ,8. und 9. documenta

Text

Stefan Tasch

Studium der Kunstgeschichte in Wien und Edinburgh, Arbeit in verschiedenen Museen und Galerien