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»Man schmeckt’s«

Käserei in Radenthein – Holzart Fichte

Albert Kirchengast
Erschienen in
Zuschnitt 74: Im Innenraum
Juni 2019, Seite 8f.

Das Holz liefern die Käsegenossenschafter aus dem eigenen Wald. Fichte für die Wände, Lärche für die Böden. So wie es beim traditionellen Bauernhaus in der Gegend üblich war, von dem auch die Lab’n stammt. Der Vielzweckraum trennt hier allerdings Käserei und Käseladen. Auch die Einbauschränke sind aus den Fichten der umgebenden Nockberge gezimmert, die stärker beanspruchten Bänke und Tische wiederum aus Lärchenbrettern. Am 8. Dezember dann das Bangen: Schneeregen. Feierliche Eröffnung im Bergbaustädtchen Radenthein mitten in Kärnten. Matsch auf den Schuhen.

Die Dielen aber liegen da, wie das Sägewerk sie geschaffen hat. Hätte man sie wenigstens geölt, flucht die Sorge! Bald schafft die Seifenlauge jene vergrauende Einheitlichkeit, Monate intensiven Gebrauchs jene Patina, die sich über die Einmaligkeit jedes Bretts legt. Eine ganz besondere Beschichtung. Der Baum bleibt am Leben.

Rund 200 Besucher kommen täglich in die Schaukäserei. »Besser als erwartet«, kommentiert man dort heute den Alterungsprozess nicht ohne Augenzwinkern; auch das Salz im Winter sei »völlig problemlos«, »gut abwaschbar« die Fichtenvertäfelung, die sanfter nachdunkeln darf als die beanspruchte Lärche. Sogar die jungen Gäste übten Zurückhaltung, hätten noch keine Oberfläche bemalt. Aber das ist nicht verwunderlich, denn das Holz präsentiert seine Maserung wie ein Ornament. Das erfreut die Besucher und erfüllt den Raum mit Wärme. Die Oberflächen der Wände und Decken wurden gebürstet – man spürt’s –, die Böden gehobelt.

Jede Diele ist 18cm breit und bis zu 5,5 Meter lang. Kein Brett ging verloren: Das schmale, das blaustichige, allzu astige verschwand in der Diagonalschalung der Wände. Hinter Anstrichen oder Farbschichten versteckt sich nichts. Dem Spuk, der Holz nach lang geübtem Brauch zu Kunststoff wandelt, ist ein freudiges Ende gesetzt. Das Prinzip lautet Körperhaftigkeit und Unmittelbarkeit ganz nach dem Vorbild der silolosen Heumilch.

Beim Primärtragwerk greift man ganz pragmatisch auf Leimbinder und Stahlverbindungen zurück. Ihr Skelett ist im Inneren ablesbar, bildet mit der Vertäfelung eine Fläche. Abstrakt wirkt das nicht, aber auch für Rustikalität ist kein Platz.

Wie ist die Kaslab’n? Direkt und unverblümt, voller Lust am Analogen, angetrieben vom Wunsch, im Tun zu begreifen, aus Prozessen zu lernen – in einer Landschaft, die durch achtsame Bewirtschaftung schön wird wie das Haus in ihr. Die Käsemacher sagen: »Man schmeckt’s.« Die Architekten meinen: »Das Haus reift.«

Dach

Dachdeckung Lattung 40mm
Konterlattung 80mm
Nageldichtband
Diffusionsoffenes Schalungsband Vollschalung 23mm
Sparren 280mm, dazwischen Steinwolle, zweilagig
Dampfbremse, verklebt
Streuschalung aus Fichte, sägerau 23mm
Querlattung aus Fichte 50x30mm
Schiffboden aus Fichte, Nut und Feder, gebürstet 19mm

Wand

Lärchenschalung, sägerau 23mm
Querlattung aus Fichte 50x30mm
Hinterlüftung aus Fichte 50x30mm
Windbremse, verklebt
Diagonalschalung aus Fichte, sägerau
Holzrahmenbau aus Fichte 60x200mm, dazwischen Steinwolle, einlagig
Dampfbremse, verklebt
Diagonalschalung aus Fichte, sägerau 23mm
Lattung aus Fichte 50x30mm
Schiffboden aus Fichte, Nut und Feder, gebürstet 19mm

Boden

Schiffboden aus Lärche, Nut und Feder 25 mm
Polsterhölzer aus Fichte 50x70mm, dazwischen Heizestrich 70mm
PAE-Folie, einlagig
OSB-Platte, Nut und Feder 22mm
Trittschalldämmung 20mm
gebundene Schüttung
Stahlbetondecke

Text

Albert Kirchengast
ist Architekturtheoretiker und Publizist. Er arbeitet am Kunsthistorischen Institut in Florenz (Max-Planck-Institut) und unterrichtet an der TU Wien und der FH Kärnten; Bücher zum Thema: »Landschaft und Lebenssinn«, »Franz Riepl baut auf dem Land. Eine Ästhetik des Selbstverständlichen«.

Käserei in Radenthein

Standort

Mirnockstraße 19, Radenthein/AT

Bauherr

Kaslab’n Nockberge, Radenthein/AT, www.kaslabn.at

Planung

Hohengasser Wirnsberger Architekten, Spittal an der Drau/AT, www.hwarchitekten.at

Statik

Alfred Lagger, Millstatt/AT

Holzbau

Holzbau Tschabitscher GmbH, Steinfeld/AT, www.drautalhaus.at

Innenausbau

Tischlerei Warum, Radenthein/AT, www.tischlerei-warum.com

Boden

Massivholzdielen aus Lärche, gehobelt, unbehandelt, Reinigung mit Wasser und Seife

Wand/Decke

Massivholzbretter aus Fichte, gebürstet, unbehandelt

Möbel

Dreischichtplatten aus Fichte, unbehandelt, Massivholz aus Fichte, unbehandelt, Massivholz aus Lärche, unbehandelt (Tische)

Fertigstellung

2016