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Doug Aitken

Stefan Tasch
Erschienen in
Zuschnitt 75: Potenzial Holz
September 2019, Seite 28

Der in Kalifornien geborene Künstler und Surfer Doug Aitken thematisiert in seinen Arbeiten die Auswirkungen menschlicher Zivilisation auf die Umwelt und die Natur. Mittels Film, Architektur, Performance und Skulptur schafft Aitken synästhetische Environments. Vor allem seine Arbeiten im öffentlichen Raum verdeutlichen sein Konzept des räumlichgrenzenlosen Ausstellens. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt die Aktion »Station to Station« von 2013, die aus einer Zugfahrt von New York nach San Francisco mit insgesamt neun Stationen bestand. An dem nomadischen Happening mit Konzerten, Performances und temporären Ausstellungen waren unzählige Künstler beteiligt. Ein weiteres Beispiel für Aitkens Interesse an unkonventionellen Ausstellungsorten ist »Underwater Pavilions« von 2016. Aitken kreierte drei polygone Skulpturen circa 5 Meter unter der Meeresoberfläche. Nur im Tauchgang ließen sich diese Arbeit, die Reflexionen des Sonnenlichts und des Meeresuntergrundes an der verspiegelten Innenfläche betrachten.

In vielen Arbeiten Aitkens sind die Übergänge von Innen- und Außenräumen fließend. Die hier abgebildete Arbeit »Mirage« entwarf Aitken 2017 für Desert X, ein Ausstellungsprojekt in der Wüste des Coachella Valley in Südkalifornien. Die Form des Hauses bezieht sich auf die in dieser Gegend omnipräsenten Einfamilienhäuser im »Ranchstyle«. Mit einfachsten Mitteln und unter sparsamem Einsatz lokaler Materialien wie Lehmziegeln und Holz erlebte diese Bauform ihren Höhepunkt in den 1950er und 1960er Jahren. Die Raumflüsse, horizontale Linienführung sowie Flach- oder Walmdach sollten das Gebäude möglichst unauffällig in die Landschaft integrieren. Aitken steigerte diese Prinzipien noch einmal radikal, indem er das ganze Haus bis auf den Holzboden zur Gänze mit Spiegelpaneelen verkleidete. Mirage funktioniert wie ein begehbares Kaleidoskop, das weder Fenster noch Türen aufweist und sich ständig verändert, abhängig von der Lichtsituation, dem Wetter und der Tageszeit. Wie in einem Dialog spiegeln sich das Coachella Valley und die Besucher in der Außenfassade, werden Teil der begehbaren Skulptur, und die Skulptur wird Teil der Landschaft. Aitken hat »Mirage« auch noch in anderen Zusammenhängen gezeigt, zuletzt 2019 in der verschneiten Landschaft von Gstaad in der Schweiz.

Doug Aitken

geboren 1968 in Redondo Beach, Kalifornien, lebt und arbeitet in Venedig und New York

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 2019 Mirage Gstaad, Elevation 1049, Frequencies, Gstaad
  • 2018 New Era, 303 Gallery, New York
  • 2017 Mirage, Desert X, Palm Springs
  • 2016/17 Electric Earth, Museum of Contemporary Art, Los Angeles
  • 2015 Schirn Kunsthalle, Frankfurt

Gruppenausstellungen (Auswahl)

 

  • 2019 303 Gallery: 35 Years, New York
  • 2018 Oceans. Imagining a Tidalectic Worldview, Museum of Modern Art Dubrovnik, Dubrovnik
  • 2017 14th Lyon Biennale: Floating Worlds, Lyon
  • 2016 Summer Exhibition 2016, Royal Academy of Arts, London

Text

Stefan Tasch

Studium der Kunstgeschichte in Wien und Edinburgh, Arbeit in verschiedenen Museen und Galerien