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Nachgefragt

Was sind die Forschungsfragen der Zukunft?

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 75: Potenzial Holz
September 2019, Seite 24

Worin sehen Sie im Hinblick auf einen sparsamen Ressourcenverbrauch und das sich ändernde Holzartenangebot Forschungsbedarf?

Alfred Teischinger: Effizienter Ressourcenverbrauch und ein sich änderndes Holzartenangebot sind zum Teil miteinander verknüpfte und zum Teil voneinander unabhängige Entwicklungen.

Auf der Basis von Forschungen zur Material- und Technologieentwicklung lässt sich der Rohstoff Holz effizienter nutzen. Je nach Fortschritten in der Technologie über alle Holznutzungen hinweg können zwischen 25 und 50 Prozent an Rohstoffeinsatz eingespart werden. Neue Technologien der Rohstoffaufbereitung bzw. umwandlung stehen dabei im Vordergrund, auch die Entwicklung leistungsfähiger Holzwerkstoffe und Werkstoffverbunde wird vorangetrieben. Dazu kommen Forschung und Technologieentwicklung in Bezug auf neue Holzarten für Baustoffe und Bauteile sowie der kombinierte Einsatz unterschiedlicher Holzarten und anderer Werkstoffe. Höchste Priorität hat aber ein Design für Wiederverwendung und Recycling. Dieses schafft einen gänzlich neuen sekundären Rohstoffpool für die Zukunft, auch wenn der Mix von Holzarten und anderen Materialien Forscher dabei vor größere Herausforderungen stellt.

Manfred Brandstätter: Im Zuge des unumgänglichen Waldumbaus ist bei der Baumartenauswahl auch darauf zu achten, dass das Holz der zukünftig verfügbaren Bäume für die Verwendung im modernen Holzbau geeignet ist. Das betrifft vor allem die technologischen Eigenschaften, aber auch die Wuchsform und die Verarbeitbarkeit in industriellen Anlagen. Da die Holzartenvielfalt zunehmen wird, wird sich auch die Frage nach der Kombination unterschiedlicher Holzarten in den Bauteilen stellen.

Um den Ressourcenverbrauch zu minimieren, sind Bauteile hinsichtlich des Materialeinsatzes zu optimieren. Material soll nur dort verwendet werden, wo es wirklich nötig ist. Auch wenn Holzbauten eine lange Nutzungsdauer haben, werden uns die Möglichkeiten eines Rückbaus, der Zerlegung in Einzelteile und eine Wiederverwendung der Einzelkomponenten zunehmend beschäftigen.

Stefan Winter: Unter dem Druck des Klimawandels wächst das Interesse am Holzbau und der Ressource Wald. Daher müssen wir unbedingt in die Entwicklung neuer, ressourceneffizienter Werkstoffe und Komposite investieren. Im Mittelpunkt stehen hybride Materialien aus Nadel- und Hartholz sowie Bauteilquerschnitte, die anders als Brettsperrholz heute Material nur dort aufweisen, wo es zur Lastabtragung erforderlich ist. Die damit entstehenden Hohlräume machen jedoch erweiterte Brandschutzmaßnahmen nötig, um das Eindringen eines Brandes zu verhindern. Zugleich erfordern die neuen Werkstoffe erweiterte Kenntnisse zu Herstellung, Verarbeitung und Verbindungstechnologie, einschließlich IT und roboterbasierter Fertigung.

Manfred Brandstätter, Leiter der Holzforschung Austria

Alfred Teischinger, Holztechnologe und Professor am Institut für Holztechnologie und Nachwachsende Rohstoffe der Universität für Bodenkultur Wien

Stefan Winter, Professor für Holzbau und Baukonstruktion an der TU München

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at