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Das Steildach

Bauphysik

Julia Bachinger
Erschienen in
Zuschnitt 76: Steildach
Dezember 2019, Seite 22f.

Bei der bauphysikalisch richtigen und damit schadensfreien Konstruktion von Steildächern muss besonderes Augenmerk auf die Ausführung der Hinterlüftung, den Feuchteschutz und die Winddichtigkeit gelegt werden. Planungshinweise zu einer fachgerechten Ausführung eines Steildachs hat die Holzforschung Austria hier zusammengefasst.

Unterdach

Das Unterdach übernimmt im Steildachaufbau mehrere wichtige Aufgaben:
_ Es dient der provisorischen Regenabdichtung während der Bauphase (maximal vier Wochen)
_ Es stellt eine zweite regensichere Schicht im Bauteilaufbau dar: Regen, Flugschnee, rückstauendes Wasser etc.
_ Wenn es diffusionsoffen ist, erlaubt es ein Abtrocknen von Feuchte aus dem Bauteil in die Hinterlüftungsebene (= feuchtetechnisch robustes Bauteil).
_ Es übernimmt die Aufgabe der Winddichtheit.
_ Es stellt die Durchsturzsicherheit sicher, um Arbeiten auf dem Dach zu ermöglichen.

Die Sicherstellung einer guten Qualität des Unterdachs ist daher für die Funktionsfähigkeit und Langlebigkeit des Steildachs besonders wichtig.

Feuchteschutz

Der Feuchteschutz im Bauteilaufbau wird bei Steildächern im Holzbau üblicherweise mit dem einfachen Grundsatz der außenseitigen Diffusionsoffenheit erreicht: Außenseitig wird ein diffusionsoffenes Unterdach (sd-Wert ≤ 0,5 Meter) ausgeführt, innenseitig eine diffusionsbremsende Schicht. Die diffusionsbremsende Schicht gewährleistet zugleich meist die Luftdichtheit. So wird das Eindringen von Feuchte in den Bauteilaufbau reduziert und ein Abtrocknen nach außen in die Hinterlüftungsebene ermöglicht.

Vorsicht ist bei Dachaufbauten mit außenseitig diffusionsbremsenden oder dichteren Schichten geboten (sd ≥ 0,5 m):
_ Bei Unterdächern mit sd-Werten ≥ 0,5 Meter ist ein Feuchteschutznachweis erforderlich
_ Bei nicht ausreichender Hinterlüftungsebene kann es auch zu einem geringeren Diffusionsstrom nach außen kommen (insbesondere bei Blecheindeckungen). Dabei stellen die in der ÖNORM B 4119:2018 vorgegebenen Öffnungsquerschnitte in Verbindung mit den Mindesthöhen der Konterlatten üblicherweise eine ausreichende Hinterlüftung sicher.
_ Bei Dächern ohne Hinterlüftungsebene ist sicherzustellen, dass zwischen Dampfbremse/-sperre und Dachabdichtung keine biogenen Baustoffe angeordnet sind.

sde-Wert außensdi-Wert innen
≤ 0,3m

≥ 2,0m oder
feuchtevariable Dampfbremse

Erforderliche, raumseitige
sdi-Werte in Abhängigkeit von
den außenseitigen sde-Werten
(ÖNORM B 8110-2:2018)
0,3m ≤ sde ≤ 4,0m ≥ 4 x sde und ≥ 2,0m

Hinterlüftung

Die Hinterlüftungsebene eines Steildachs dient der Feuchteabfuhr. Feuchte aus dem Gebäudeinneren kann durch Diffusion in die Hinterlüftungsebene gelangen. Ein weitaus höherer Feuchteeintrag wird durch Flugschnee, Schlagregen oder Sekundärkondensat eingebracht. Durch eine ausreichende Durchlüftung kann die anfallende Feuchte abtransportiert werden.

Die Mindesthöhe der Konterlatten (= Mindesthöhe der Hinterlüftungsebene) wird in ÖNORM B 4119:2018 vorgegeben und ist abhängig von der Dachneigung, der Sparrenlänge und der Schneelast. Eine Verringerung des Öffnungsquerschnitts ist traufseitig auf maximal 50 Prozent des Belüftungsquerschnitts zulässig.

Verringerung des Öffnungsquerschnitts firstseitig in Abhängigkeit von der Dacheindeckung
DacheindeckungSparrenlänge
≤ 10m> 10m

Großer Fugenanteil
(z. B. Dachsteine, Dachziegel)

30%

40%

Faserzementplatten

40%

50%

Alle anderen Eindeckungen
(z. B. Metalleindeckung)

50%

50%

Winddichtheit

Die Winddichtheit des Dachs und der Anschlüsse stellt sicher, dass es zu keiner Durch- bzw. Unterströmung der Wärmedämmung durch kalte Außenluft kommt. Dies würde eine Erhöhung der Wärmeverluste und somit eine Verminderung des Wärmeschutzes bedeuten. Die Winddichtheit des Steildachs wird in der Fläche durch das Unterdach gewährleistet. An den Bauteilanschlüssen Traufe und Ortgang ist je nach Schutz der Fuge (geschützt oder nicht geschützt) eine andere Planung notwendig.

Text

Julia Bachinger
ist Mitarbeiterin der Holzforschung Austria, Leiterin der Fachgruppe Hygrothermik.