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Wohnhaus in London

Massivholz mit Aufdachdämmung

Oliver Lowenstein
Erschienen in
Zuschnitt 76: Steildach
Dezember 2019, Seite 7

Der Londoner Stadtteil Hackney ist zum Synonym für großvolumige Bauten aus Brettsperrholz geworden. Es gibt im Viertel viele Beispiele von Holzbauten unterschiedlichster Typologien. Die Architekten Waugh Thistleton, die neben anderen Architekten wesentlich zur Erfolgsgeschichte von Hackney beigetragen haben, zählen in ihrem Bericht Hackney Timber Builds von 2017 im ganzen Bezirk 26 Holzbauten, darunter Schulen, Gemeinschaftsgebäude, Einzelhäuser und kleinere Wohnungen – ein Zeichen für die steigende Nachfrage und das Interesse am Holzbau.

Eines der jüngsten Beispiele dafür ist das schlanke sechsgeschossige Haus Barrett’s Grove von Groupwork. Es liegt an einer Seitenstraße der Stoke Newington Street, einer der wichtigsten Hackney-Achsen. Fassade und Dach des Hauses sind mit einer nicht tragenden Ziegelsteinfassade umhüllt. Dabei wurden immer zwei Ziegelsteine aufeinander und mit einem Abstand zueinander gesetzt. Da dieser perforierte Sichtschutz das gesamte Gebäude umgibt, ist von außen für den Laien nicht zu erkennen, dass es sich um einen Holzbau handelt. Allein die Balkongeländer aus Weidengeflechten stellen einen Bezug zum nachwachsenden Material der Konstruktion her. Im Inneren bietet sich dem Besucher ein vollkommen anderes Bild: Das Brettsperrholz, aus dem Wände und Decken sind, ist im gesamten Gebäude bis hinauf zur sechsten Etage sichtbar. Auch das Dach mit einer Neigung von 45 Grad und dem großzügigen Oberlicht wurde aus Brettsperrholzplatten zusammengesetzt. Überhaupt wirken die Wohnungen wie aus einem Stück Holz geschnitzt, auch die Fenstersitze, Holzschränke und Türen sind aus Holz.

Dass sich nicht nur das Ziegelmauerwerk, sondern auch die Dacheindeckung in ihrer Materialität gut in die Umgebung einfügt, liegt an Vorgaben, die der Hackney Council gemacht hat. Er hatte gemeinsam mit den Anwohnern eine Materialpalette festgelegt, die zu den viktorianischen Reihenhäusern entlang der Straße und zur unmittelbar östlich gelegenen Schule, einem viktorianischen Ziegelgebäude, passt.

Das 17 Meter hohe Gebäude mit sechs Wohneinheiten wurde mit einem Budget von 1,27 Mio. Pfund im Frühjahr 2016 fertiggestellt. Obwohl es sich um ein Gebäude mit Backsteinfassade handelt, hat der Einsatz von Brettsperrholz den Fußabdruck von Barrett’s Grove deutlich reduziert. Noch nicht erforscht ist, wie auch in diesem Ziegelkontext die eigene Materialität des Holzes besser zum Ausdruck gebracht werden kann. Es liegt nun an anderen, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Text

Oliver Lowenstein

ist Chefredakteur von Fourth Door Review, einem britischen Kultur- und Öko­logiemagazin. www.fourthdoor.co.uk

Wohnhaus Barrett‘s Grove

Standort

Barrett‘s Grove, London/UK

Bauherr

Cobstar Developments Ltd, London/UK

Planung

Groupwork + Amin Taha, London/UK, www.groupwork.uk.com

Statik

Webb Yates Engineers, London/UK, www.webbyates.com

Holzbau

Ecore Construction Ltd, London/UK, www.ecoreconstruction.co.uk

Fertigstellung

2016