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Nachgefragt 4

Erich Wiesner, WIEHAG GmbH

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 73: Unter Spannung
März 2019, Seite 13

Erich Wiesner, WIEHAG GmbH

Wie hat sich der Markt für Ingenieurholzbau entwickelt?

Anfang der 1980er Jahre, als ich in das Unternehmen gekommen bin, wurde Brettschichtholz noch immer fast ausschließlich von Holzbau- und Zimmereibetrieben produziert, also von Betrieben, die dieses dann auch großteils selbst verbaut haben. Mit dem Aufbau der ersten Produktionen von Standardbrettschichtholz hat sich das rasch geändert. Heute verfügt der Holzbau über eine moderne Zulieferindustrie, die ähnlich wie der Betonbau fertige Bauteile an die Bauwirtschaft liefert. Der Markt für Ingenieurholzbauprojekte ist insgesamt größer geworden.

Welche Entwicklungen im Ingenieurholzbau erwarten Sie?

Dass Architekten wie Norman Foster, Shigeru Ban und andere Stars der Architektur den Rohstoff Holz wiederentdeckt haben, ist für uns eine große Chance. Wir konnten dadurch viel Aufmerksamkeit auf uns ziehen, was für die gesamte Holzbranche einen hohen Vorteil bietet. Auch wenn nur ein paar wenige Betriebe diese Speerspitze bilden, öffnen sich damit auch für alle anderen Betriebe neue Märkte und Anwendungsbereiche.

Woran muss aktuell geforscht werden?

Wir haben nun die ersten Freiformen und parametrisierten Projekte erfolgreich abgewickelt und umgesetzt. Dabei stellen die Digitalisierung, die Schließung der CNC-Kette und die Logistik große Herausforderungen dar. Die Digitalisierung im Holzbau geht sicher noch viel weiter. Auch im Bereich der Holzarten und der Kombination mit anderen Materialien sind wir noch lange nicht am Ende. Forschungsbedarf gibt es darüber hinaus in der Verbindungsmitteltechnologie.

Foto

© Magnum Photos/Mark Power

Text

Anne Isopp

ist freie Architekturjournalistin. Sie studierte Architektur an der TU Graz und TU Delft und Qualitätsjournalismus an der Donau Universität Krems. Sie war von 2009 bis 2020 Chefredakteurin der Zeitschrift Zuschnitt.