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Illwerke Zentrum Montafon

Das LCT-System

Das Life Cycle Tower (LCT)-System ging aus dem gleichnamigen Forschungsprojekt hervor, mit dem das Team um Architekt Hermann Kaufmann die Entwicklung eines Holz-Hybrid-Bausystems für bis zu 30 Stockwerken verfolgte. Der Schlüssel, um in die Höhe zu bauen und gleichzeitig den strengen Brandschutzauflagen gerecht zu werden, liegt dabei in einer Holz-Beton-Verbundrippendecke, die die jeweiligen Geschosse durch eine nicht brennbare Schicht konsequent trennt. Die einzelnen Systemkomponenten (Kern, Decke, Fassadenstützen) werden industriell vorgefertigt und sind modulartig einsetzbar.

Zusätzlich ist das flexible Holzfertigteil-Baukastensystem Basis für energieeffiziente, ressourcenschonende Gebäude und das über deren gesamten Lebenszyklus hinweg. Die komplexe Gebäude- und Fassadentechnik garantiert ein hohes Niveau an energetischer Effizienz.

Wettbewerb für ein „horizontales“ LCT-System

Die erste Umsetzung des LCT-Systems erfolgte 2012 mit dem achtstöckigen Bürogebäude LCT One in Dornbirn (Auftraggeber: Rhomberg Bau, Bregenz). Das Demonstrationsgebäude fand 2013 im Illwerke Zentrum Montafon (IZM) mit einer quergelegten Variante des Systems einen raschen Nachfolger. Mit knapp 10.000 m2 Nutzfläche ist der 120 Meter lange Bau eines der größten CO2-neutralen Holzhybridhäuser der Welt.

Der geladene Wettbewerb dazu wurde Ende 2010 von CREE, einem Tochterunternehmen von Rhomberg Bau, ausgeschrieben. Hermann Kaufmann setzte sich mit seinem Holzbau mit großflächig verglaster Skelettstruktur und nachhaltiger Ausrichtung gegen zwölf weitere Teilnehmer aus Österreich, Deutschland und der Schweiz durch. Der Neubau ersetzt zwei bestehende Verwaltungsgebäude der Illwerke Montafon aus den 1940er- und 1970er-Jahren.

Hybrid-Holzkonstruktion und Brandschutz

Das IZM steht mit einem Drittel seiner Länge im Wasser des Ausgleichsbeckens der nebenan liegenden Rodundwerke I und II. Die Entscheidung über den See hinaus zu bauen, hatte praktische Gründe, denn anders hätte der Längsbaukörper in der geplanten Ausrichtung am Gelände keinen Platz gefunden.

Unter- und Erdgeschoss sowie das Stiegenhaus sind in Beton ausgeführt, die vier Obergeschosse als Hybrid-Holzkonstruktion, die in nur sechs Wochen vor Ort aufgebaut wurde. Eine Besonderheit für den großvolumigen Holzbau im LCT-System stellen die unbeplankten tragenden Elemente dar. Auf verleimten, in die Fassade integrierten Holzstützen liegen Holz-Beton-Verbundelemente auf, die in der Mittelachse von Stahlträgern gehalten werden, gestützt auf einer Reihe Stahlbetonsäulen.

Trotz sichtbarer Holzkonstruktion ist der Brandschutz gewährleistet. Einerseits sind das hybride Deckenelement und die vorgehängte Brandschürze im Fassadenbereich wichtige Argumente zur Erreichung der Sicherheitsanforderungen. Andererseits kompensiert eine Sprinkleranlage die Brennbarkeit des Baustoffes.

Heimische Ressourcen nutzen

Die 3000 Festmeter an verbautem Holz stammen aus heimischen bzw. naheliegenden Wäldern: Zwei Drittel des Holzes kommen aus Vorarlberg, das Tannen- und Fichtenholz für die Konstruktion stammt direkt aus dem Montafon. Das Eichenholz für die Fassade und die Möbel kommt aus Süddeutschland. Die 400 Decken- und Fassadenelemente fertigten Holzbaufirmen der Region vor und lieferten diese „just-in-time“ auf die Baustelle. 

Umfassende Zukunftsfähigkeit

Beim IZM als erstes gewerbliches Green Building in Vorarlberg (mittlerweile hat der Bau das Green Building Zertifikat in Gold erhalten) stand ressourceneffizientes, nachhaltiges Bauen im Vordergrund. Das Passivhaus mit gutem AV-Verhältnis und intelligent entwickelter Hüllstruktur gewährleistet minimierte Energieverbrauchs- und Energiekosten: Der Jahresheizwärmebedarf liegt bei 14 kWh/m2, der Jahresprimärenergiebedarf bei 29 kWh/m2. Somit liegt der Energiebedarf bei rund 70 Prozent unter den Energiekennwerten herkömmlicher Bürogebäude. Als Energiequelle dient das Kühlwasser des Rotundwerks I, über eine Wärmepumpanlage wird das Gebäude gekühlt bzw. geheizt. Die Lüftung wird – bei öffenbaren Fenstern – über eine CO2-Messung gesteuert. Auch am Ende des Lebenszyklus ist aufgrund der modularen Bauweise mit einem vergleichsweise geringen Rückbauaufwand zu rechnen.

Zusätzlich zu Energieeffizienz und Lebenszyklusbetrachtungen spielten funktionelle Qualitäten eine zentrale Rolle; vor allem aber auch gesundheitliche Faktoren sowie Überlegungen zu Wohlbefinden, Komfort und Raumqualität, die allesamt bei der Ausarbeitung des Bürokonzepts zum Tragen kamen.

Open Space Bürostruktur

Das neue Bürogebäude der Illwerke Montafon führt die fünf Organisationseinheiten Erzeugung, Engineering Services, Energiewirtschaft, Infrastruktur und administrative Bereiche zusammen. Im Mittelpunkt der Planung standen die rund 270 Mitarbeiter, die in die Ausarbeitung der Bürostruktur sowie in die Auswahl der Kunstobjekte (von Vorarlberger Künstlern) intensiv miteinbezogen wurden. Das Ergebnis ist eine Open Space Struktur mit flexiblen Büros, die Rückzug und ruhiges Arbeiten ebenso erlauben wie bereichsübergreifende Teamarbeit. Ausblicke in den spektakulären Naturraum, in den das Gebäude eingebettet ist, bieten sich von den Arbeitsplätzen sowie vom großräumigen nach Westen geöffneten Foyer. Im Besucherzentrum werden bis zu 15.000 Gäste jährlich erwartet, die sich über Wasserkraft, Energieeffizienz oder Elektromobilität informieren wollen.

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