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BIM-Beispiele: Ausführung und Umsetzung anhand gebauter Beispiel

Abstract und Vortrag: Richard Woschitz

Modul III, Do., 19. April 2018, Planungsprozesse

Tragwerksplaner Richard Woschitz erklärt anhand gebauter Beispiele, wie sein Unternehmen mit BIM arbeitet und welche Erfahrungen es mit bereits umgesetzten Projekten gemacht hat.

Wir arbeiten schon lange mit dreidimensionalen Darstellungen, wobei die Kombination mit Haustechnik, Logistik und Montage immer wichtig ist. BIM ist für uns ein planerisches Tool für die Umsetzung von Systembauten von der ersten Idee bis zur Realisierung. Natürlich ersetzt BIM dabei nicht den Hausverstand, das heißt, man muss die Eckpfeiler genau abstimmen. Wir unterscheiden folgende Formen von BIM:

  • Open BIM – hier werden Softwareprodukte verschiedener Hersteller und offene Formate für den Datenaustausch eingesetzt.
  • Closed BIM – hier werden Softwareprodukte eines einzelnen Herstellers und proprietäre Formate für den Datenaustausch eingesetzt.
  • Little BIM – hier werden BIM-Softwareprodukte als Insellösungen zum Lösen ein spezifischen Aufgabe eingesetzt.
  • Big BIM – durchgängige Nutzung von digitalen Gebäudemodellen über verschiedene Disziplinen und Lebenszyklusphasen.

Realisiertes Projekt in Little Closed BIM

Ein Beispiel für ein Little-Closed-BIM-Projekt ist der Kindergarten in Pötzleinsdorf.

Wir arbeiten im Holzbau mit cadwork. Diese Daten spielen wir immer hin und her. Wir haben eine Schnittstelle zum Architekturmodell und später zum Holzbauunternehmen.
Mithilfe von BIM kann man jedes Detail genau anschauen und die Ablauffolge durchsprechen. Das geht in der kurzen Zeit nur mit BIM. Die an das Holzbauunternehmen übergebenen Daten im cadwork-Format beinhalten

  • 3D-Planung
  • Holzdimensionen
  • Holzqualitäten
  • Holzfestigkeiten

Sie haben vielleicht vom PFERD-Projekt der Stadt Wien gehört, der Erweiterung von Schulen. Diese wurden innerhalb von sechs Monaten von der Planung bis zur Fertigstellung realisiert. Das war nur mit BIM möglich und weil Architekt und Ingenieur von Beginn an zusammengearbeitet haben.

Projektplanung in Big Open BIM

Unser nächstes Projekt setzen wir in Big Open BIM um. Der Vorteil daran ist, dass bestehende und erlernte Programme beibehalten werden können, weil der Datenaustausch mittels IFC funktioniert. Allein in der gesamten Woschitz Group gibt es viele verschiedene Softwares. Der Nachteil ist, dass nicht alle Informationen mittels IFC ausgetauscht werden können. Die große Frage dabei ist, welchen Informationstransport es zu welchem Zeitpunkt geben muss.

Resümee aus unseren BIM-Erfahrungen

  • BIM-Ziele und die Projektanforderungen müssen genau definiert werden.
  • Vollständige Angaben bezüglich Qualität (Attribute) müssen definiert werden.
  • BIM ist im Auftrag zwingend vertraglich zu verankern.
  • Der Bauherrenvertreter muss hinsichtlich der BIM-Prozesse und -Nutzung geschult sein und entsprechende Prüfwerkzeuge besitzen, z. B. Solibri.
  • Offene und produktneutrale Datenformate und Schnittstellen sollten genutzt werden.

BIM wird den Planern irgendwann vorgeschrieben werden. Dann ist BIM gut für die

  • digitale Einreichung (wird kommen)
  • BIM-Kostenkontrolle
  • gesicherte Dokumentation des Bauprozesses

Richard Woschitz

ist Tragwerksplaner. Er steht der Woschitz Group mit ihren sechs Unternehmen vor und ist als Generalkonsulent u. a. in Wien, dem Burgenland, Niederösterreich und Kärnten tätig. Er ist in die Planung vieler großvolumiger Holzbauprojekte involviert, unter anderem des HoHo, des 24-stöckigen Holzhochhauses, das derzeit in Wien im Bau ist.
www.woschitzgroup.com

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