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Planungsprozess im Holzbau (leanWOOD)

Abstract und Vortrag: Frank Lattke

Modul III, Do., 19. April 2018, Planungsprozesse

Frank Lattke ist Architekt in Augsburg und war mit seinem Büro lattkearchitekten Partner im Forschungsprojekt leanWOOD, in dem es um optimierte Planungsprozesse für Gebäude in vorgefertigter Holzbauweise geht. Er erklärt, warum gängige Planungsprozesse für den vorgefertigten Holzbau nicht geeignet sind und wie man diese im vorgefertigten Holzbau gestalten sollte.

Wenn ich von Holzbau spreche, dann meine ich den in der Werkstatt vorgefertigten Holzbau. Die Vorfertigung und die Materialentwicklungen (Brettsperrholz, BSH, …) haben den Holzbau vorangetrieben. Heutzutage ist im Holzbau ein hoher Vorfertigungsgrad üblich. Die vorgefertigte Bauweise erfordert einen anderen Planungsprozess als rein baustellenbasierte Abläufe mit baubegleitender Planung. Viele Entscheidungen müssen früher getroffen werden und dafür braucht es Erfahrung und Kenntnisse aus der Produktion, Montage und Logistik.

Holzbauexpertise früh einbinden

Im Rahmen von leanWOOD haben wir untersucht, wie die Abwicklung eines Holzbauprojekts funktioniert und wer im Planungsprozess was macht. Im klassischen Planungsprozess kommt das Holzbauwissen erst nach der Vergabe an ein Holzbauunternehmen in die Planung. In diesem Moment haben wir Architekten aber bereits mehr als die Hälfte unseres Honorars verplant. Wenn der Holzbauer dann sagt: „So, wie ihr das geplant habt, können wir das nicht bauen“, dann müssen Sie umplanen. Aber bekommen Sie das vom Bauherrn bezahlt? Die stufenweise Planung, die im konventionellen Bauen gängig ist, bietet für den Holzbau einige Hindernisse. In der Überschneidung von Planung und Ausführung, also nach der Vergabe an den Holzbauer kommt es immer wieder zur Überarbeitung der Planungen (Redesign) und damit zur Verzögerung. Das wirkt sich auf den Planungsprozess aus.

Um holzbaugerecht planen zu können, muss die Holzbauexpertise früher in den Planungsprozess integriert werden. Dies ist möglich durch folgende Maßnahmen:

  • funktionale Ausschreibung (siehe die Musterlösung für eine funktionale Ausschreibung in der leanWOOD-Broschüre)
  • kooperative Modelle wie das Bauteammodell
  • Beratung durch ein Holzbauunternehmen oder einen unabhängigen Fachmann (Holzbauingenieur). Beispielsweise wurde bei der Schule in Diedorf ein Holzbauunternehmen mit einem Beratungsauftrag in die Planung miteinbezogen. Am Ende wurde das Wissen allen anderen Beteiligten des Bieterverfahrens zur Verfügung gestellt.

Optimierter Planungsprozess

Für einen optimalen Planungsprozess braucht es in Zukunft noch weitere holzbauspezifische Anpassungen und Verbesserungen:

  • eine Überarbeitung der geltenden Honorarordnung/Entwicklung einer holzbaugerechten Leistungsbeschreibung in der HOAI
  • Entwicklung einer Muster-Funktional-Ausschreibung mit Beschreibung der Schnittstellen
  • holzbaugerechte Vergabe- und Kooperationsmodelle
  • Förderung der Kompetenz in der Holzbauplanung durch neue Berufsfelder (z. B. Holzbauingenieur)
  • systematisierte Planinhalte
  • Standardisierung von Bauprodukten (z. B. dataholz)

Integrale Planung

Je höher der Vorfertigungsgrad ist, desto wichtiger werden die integrale Planung und die gewerkeübergreifende Vergabe. An einem in der Werkstatt gefertigten Wandelement können bis zu fünf Gewerke zusammenarbeiten. Diese Aufbauten und Anschlüsse müssen integral, also gemeinsam mit dem jeweiligen Fachplaner geplant werden. Dies gilt auch für die Integration der Haustechnik. Die Haustechnik ist das Komplexeste, was es bis heute zu integrieren gilt, und sie muss kongruent mit dem Tragwerk geplant sein. Diese integrale Planung stellt uns vor Herausforderungen, weil wir dafür mit vielen Fachplanern kommunizieren müssen. Für eine erfolgreiche Arbeit im Team ist es wichtig, vorher Zuständigkeiten zu klären und zu definieren, in welchem Plansatz welche Information enthalten sein muss (siehe auch Matrix-Broschüre leanWOOD).

Ein Beispiel für eine integrale, holzbaugerechte Planung ist unser Bürogebäude euregon AG, ein dreigeschossiges Bürogebäude, das Holzbauer, Tragwerksplaner und Architekt gemeinsam in Buchenfurnierschichtholz geplant haben.

Frank Lattke

ist selbstständiger Architekt in Augsburg und Partner im Europäischen Forschungsprojekt leanWOOD.

www.lattke-architektur.de

Weitere Links

leanWOOD – optimierte Planungsprozesse für Gebäude in vorgefertigter Holzbauweise. Internationales Forschungsprojekt unter der Koordination der Professur Entwerfen und Holzbau von Prof. Hermann Kaufmann an der TU München
Infos und Forschungsbericht: leanwood.eu

www.dataholz.eu
Online-Katalog mit bauphysikalisch, ökologisch geprüften und/oder zugelassenen Holz- und Holzwerkstoffen, Baustoffen und Bauteilen für den Holzbau. Die Kennwerte können als Grundlage für die Nachweisführung gegenüber Baubehörden herangezogen werden.

Literatur

Atlas Mehrgeschossiger Holzbau

Detail Business Information GmbH, München 2017, Euro 130,–
Zu bestellen unter: shop.proholz.at

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